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Brenzbahnausbau: Stadt und IHK wollen gemeinsam handeln

Seit Samstagabend ticken die Uhren in Sachen Brenzbahn-Ausbau anders. Der Minister hat Geld für ein sieben Kilometer langes Doppelgleis zugesagt, nun ist der Ball wieder in der Region sowohl in Sachen Planung als auch zur Finanzierung des Restbetrags.

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Rund 18 Millionen müssen nach derzeitigem Stand aufgebracht werden, um die zwei Abschnitte zwischen Langenau und Rammingen einerseits und Sontheim  und Bergenweiler andererseits mit einem Ausweichgleis zu versehen. Diese sieben Kilometer Doppelgleisigkeit reichen aus, um die Taktzahl auf der Brenzbahn spürbar zu erhöhen sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Der Deal von Verkehrsminister Winfried Hermann: Das Land zahlt die Hälfte der Ausbaukosten, wenn die Kommunen den Rest aufbringen.

Hauptakteur in der Region wird Landrat Thomas Reinhardt sein, der schon am Samstag in die ausgesteckte Hand aus Stuttgart eingeschlagen hat. Mit so einem schnellen Durchbruch in Sachen Finanzierung hätte niemand gerechnet, freut sich Reinhard auch drei Tage nach der überraschende Botschaft. Bei anderen Projekte sei die Finanzierung erst nach jahrelanger Diskussion gekommen, bei der Brenzbahn ein halbes Jahr nach dem Startschuss, dem Brenzbahn-Gipfel. Wie waren die Reaktionen? Zufällig habe gleich am Montag eine Bürgermeister-Dienstbesprechung stattgefunden, wo das Thema intensiv erörtert worden sei.

Die Freude war riesig, so wie auch bei mir“, berichtet der Landrat, der gleich mit der Arbeit begonnen hat: „Jetzt ist der Ball bei uns.“ Ziel sei es, die Planung im vorgegebenen Zeitplan fertig zu stellen. Vorrangig sei nun, im Oktober zu einer Mitgliederversammlung der IG Brenzbahn einzuladen. Von dieser erhofft sich Reinhardt „belastbare Beschlüsse“. Denn dass der Ausbau der Brenzbahn Geld koste, wisse jeder. „Das ist jetzt die Nagelprobe, was die Unterschrift für die Mitgliedschaft wert ist.“ Zuvor soll intern im kleinen Kreis eine Arbeitsplan erstellt werden mit einem Zeitplan, Zuständigkeiten und den verbundenen Kosten, der der Versammlung vorgestellt werden soll.

„Wir wollen dem Zeitdruck stand halten, denn wir wissen auch, dass es noch viele Unwägbarkeiten geben kann.“ In der IG Brenzbahn Mitglied sind alle Anrainer-Kommunen sowie die Stadt- und Landkreise, die beiden Regionalverbände Ostalb und Donau-Iller sowie die Wirtschaft und das Handwerk. Die IHK habe bereits signalisiert, dass sich sie an den Planungskosten beteiligen könnte, freut sich der Landrat, der den Ausbau der Südbahn als Vorbild vor sich hat. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, vielleicht ist von dort einiges auf uns übertragbar“, hofft er. Er wisse, dass sich auch dort die IHK an den Planungskosten beteiligt habe. „Die Geschichte hat jetzt Dynamik bekommen, jetzt geht's ans Eingemachte.“

Und was sagt die Wirtschaft selbst zum neuen Fahrplan für die Brenzbahn? „Ich bin in den letzten Monaten allgemein zuversichtlicher geworden, was Infrastrukturprojekte angeht, das gilt auch für einige Straßen“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Moser. Er begrüße, dass beim Ausbau der Brenzbahn inzwischen auch über die Wünsche der Wirtschaft und der Logistikunternehmen gesprochen werde. Gleichzeitig ist Moser der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach: „Ich warne alle Euphoriker, die von durchgehender Zweigleisigkeit und schneller Elektrifizierung träumen.“

Tatsächlich stelle die abschnittsweise Zweigleisigkeit eine Lösung dar, die machbar sei und sich auch rechnen werde. Und wird die Wirtschaft mitfinanzieren? „Da fehlt mir noch ein wenig die Phantasie, denn Infrastruktur zu bauen, ist nun wirklich eine öffentliche Aufgabe“, sagt Moser. Beispiele gebe es aber dafür, dass die Wirtschaft oder eine IHK sich an den nicht geringen Planungskosten beteilige. „Wenn es hier eine sinnvolle Hilfe gibt, kann ich mir gut vorstellen, dass die IHK dafür Geld einsammelt.“

Die Brenzbahn als Güterverkehrsweg nutzt im Landkreis zum Beispiel die Firma BSH in Giengen, deren Logistik-Leiter Gerd Ocker schon bei der Podiumsdiskussion sagte, man werde Kosten und Nutzen prüfen, bevor man eine Aussage mache über mögliche Investitionen oder gar Beteiligungen vonseiten des Unternehmens. Ein weiteres Großunternehmen, das die Schiene als Transportweg nutzt, ist die Paul Hartmann AG.

Laut Andreas Zielke, Director Logistik Hartmann Deutschland, nutzt das Unternehmen den Verkehrsträger Bahn bereits langjährig insbesondere für die Versorgung der Produktion auch am Standort Herbrechtingen. „Aufgrund unseres Nachhaltigkeitsverständnisses werden wir daran auch gerne festhalten.“ Die Kapazitätsbedarfe seien derzeit jedoch gut gedeckt, so dass aktuell keine weiteren Investitionen geplant seien.

Mit im Reigen der Ausbau-Befürworter ist auch die Stadt Heidenheim, die als eine der wichtigsten Anlieger-Kommunen die Zusage des Ministers als bedeutsam bewertet, allerdings in der Finanzierungsfrage abwartend bleibt: Die Frage nach der Geldzuwendung der Stadt stelle sich derzeit überhaupt nicht, heißt es in einer Stellungnahme. Es gehe zuerst darum, bei der Planung und der Abstimmung mit der Bahn und dem Bund voranzukommen. „Der Wille zum gemeinsamen Handeln ist bei den Kommunen jedenfalls vorhanden.“

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