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Bewegtes Rentnerdasein wird gerichtsrelevant

Wilde Zeiten hat ein seit 15 Jahren miteinander befreundetes Rentner-Pärchen hinter sich. Zum Schluss jedoch hat er es deutlich zu wild getrieben - und ist nunmehr wegen sexueller Nötigung und weiteren Delikten zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

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Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, da hat man Spaß daran. Singt Udo Jürgens und fügt auch gleich an, was da noch kommen wird: „Ihr werdet euch noch wundern, wenn ich erst Rentner bin.“

Ein heute 66-Jähriger, der inzwischen aus Heidenheim weggezogen ist, hat diese Drohung wahrgemacht. Gewundert haben sich die Beteiligten eines vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Ellwangen geführten Hauptverfahrens, saß doch ein 66jähriger Mann auf der Anklagebank, der bezichtigt wurde, seine nur ein Jahr jüngere Freundin vergewaltigt zu haben.

Dass der Mann nicht gleich ins Gefängnis marschiert ist, sondern mit einer zweijährigen und damit auf Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe davon kam, hat er der sorgfältigen Beweisaufnahme zu verdanken. An deren Ende wurde die juristisch schwer wiegende, auf Vergewaltigung lautende Anklage mangels vollzogenen Geschlechtsverkehrs auf sexuelle Nötigung herabgestuft – ein Tatbestand, hinter dem sich ein Geschehen verbirgt, das für die Frau freilich kaum weniger belastend gewesen sein muss, zumal auch noch eine Körperverletzung mit im bösen Spiel gewesen ist.

Tatort war im Sommer vergangenen Jahres eine Wohnung in Heidenheim, in der der umtriebige Senior von der seit langem mit ihm befreundeten Frau sexuellen Kontakt gefordert hatte. Mehr oder minder widerwillig soll die 65-Jährige diesem Begehren nachgekommen sein, doch war's mit der einvernehmlichen Handlung endgültig vorbei, als der in Fahrt gekommene Mann zu Praktiken überging, mit denen die Partnerin eindeutig Grenzen überschritten sah. Trotzdem war es nicht sie selbst, die im Anschluss die Polizei informiert hat: Das tat eine Frauenärztin, die im Rahmen einer Untersuchung Hämatome an der schwer malträtierten Brust der Patientin festgestellt hatte.

Nach diesem Übergriff kündigte die Frau dem Bekannten nach all den Jahren die Freundschaft auf, war aber noch immer nicht aus der Nummer raus. Monate später nämlich reiste der rabiate Rentner nach Ulm, wo sich die Ex-Freundin aufhielt, von ihm abgepasst und gegen ihren Willen im Auto wild durch die Stadt chauffiert wurde – was in der von der Staatsanwaltschaft Ellwangen formulierten Anklage zunächst als erpresserischer Menschenraub gewertet wurde und in der Regel mit einer Freiheitsstrafe von nicht unter fünf Jahren geahndet wird.

Bei dieser Ulmer Wiederbegegnung geriet der Mann erneut in Rage, und die Frau bekam ein weiteres Mal etwas ab. Glück für ihn, dass auch dieser Tatkomplex von der Strafkammer abgemildert gewertet wurde, es also nicht zum schlimmsten Vorwurf kam, sondern am Ende des Verfahrens „nur“ Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung abgeurteilt wurde.

Auch der Gesundheitszustand des Angeklagten hat bei der auf zwei Tage angesetzten Verhandlung eine Rolle gespielt. Nach gerichtlicher Feststellung leidet er an einer affektiven Störung, seit er vor Jahren einen Schlaganfall erlitten hat. Eine von anderer Seite angeregte Einweisung in die Psychiatrie hielt die Kammer jedoch nicht für notwendig, zumal er für die Allgemeinheit keine Gefahr darstelle.

„Und abends mache ich mich mit Oma auf den Weg, da geh'n wir nämlich rocken,“ heißt es bei Udo Jürgens. Der jetzt Verurteilte, dieser „ausgeflippte Alte“, hat davon offenbar eine ganz eigene Vorstellung gehabt.

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