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Baumfalken im Labyrinth der Behörden

Seit sieben Jahren zieht sich das Verfahren um die Wohnbebauung an der Fuchssteige nun hin. Ein Ende ist immer noch nicht absehbar, weil in einem angrenzenden Wald ein streng geschütztes Baumfalken-Pärchen seinen Nistplatz hat.

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Im Bereich Hirschpfad/Fuchssteige möchte die Stadtverwaltung neue Bauplätze ausweisen, doch ein hier nistendes Baumfalken-Paar macht seit Jahren einen Strich durch diese Rechnung.  Foto: 

Im April 2011 schöpfte die Stadtverwaltung Hoffnung. Im jahrelang währenden Konflikt um ein Neubaugebiet an der Fuchssteige war ein Kompromiss gefunden worden, dem auch eine Mehrheit des Gemeinderats zustimmte. Die Verwaltung war von den ursprünglichen Plänen, Wald zu roden und 32 Bauplätze zu schaffen, zurückgewichen und hatte die Zahl der hier möglichen Wohnhäuser auf lediglich acht reduziert. Zusätzlich sollten drei Baugrundstücke im Hirschpfad ausgewiesen werden.

Mit diesem Entgegenkommen sah man sich im Einklang mit der am Landratsamt angesiedelten Unteren Naturschutzbehörde. Die nämlich hatte der ursprünglichen Planung aus Gründen des Naturschutzes widersprochen. Denn in dem an die obere Fuchssteige angrenzenden Waldstück nistet ein geschütztes Baumfalkenpaar. Und das wiederum ist auch verantwortlich dafür, dass es bis heute, rund sieben Jahre nach Beginn des Prozesses noch keinen Fortschritt im Verfahren gibt.

Begonnen hat die unendliche Geschichte um die Bauplätze im Jahr 2006 als der Gemeinderat beschloss, in besagtem Bereich rund vier Hektar Wald zu fällen, um 30 dringend benötigte Bauplätze ausweisen zu können. In diesem Zuge hätte ein Vogelschutzgebiet aufgehoben werden müssen. Von Anfang an regte sich auch der Widerstand der Anwohner, die eine Initiative gegen die Bebauung gründeten. Rund 1100 Unterschriften hatten sie gegen das geplante Neubaugebiet gesammelt. Doch was den Anwohnern trotz Initiative verwehrt blieb, gelang im Winter 2007 den Baumfalken: Das Vorhaben wurde auf Eis gelegt. Es folgten zwei ornithologische Gutachten, dreiJahre lang wurde beobachtet, ob der Baumfalke tatsächlich alljährlich seien Nistplatz behält.

Nachdem man sich dann 2011 zu dem Kompromiss der Verkleinerung des Baugebiets durchgerungen hatte, wurde bei der zuständigen Forstbehörde im Regierungspräsidium Tübingen ein Antrag auf die Erteilung einer Waldumwandlungsgenehmigung gestellt. Da für die Realisierung des Baugebiets rund 1,8 Hektar Wald gefällt werden müssen, hat die Körperschaftsdirektion des Forstpräsidiums hier ein Wort mitzureden.

Doch auch hier scheint sich nichts zu tun. Der städtische Pressesprecher Wolfgang Heinecker erklärte zwar, dass sich das Forstpräsidium gemeldet habe, über den Inhalt der Mitteilung schweigt er sich jedoch aus. Redefreudiger ist man da schon bei der Behörde selbst. Nein, die Genehmigung sei noch nicht erteilt, erklärt der Leitende Forstdirektor Matthias Schappert auf Anfrage. Derzeit liege der Vorgang bei der Oberen Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Stuttgart, die sich aktuell mit der Baumfalkenproblematik auseinandersetze.

Dort wiederum ist man den Worten der Pressesprecherin zufolge noch gar nicht zuständig.„Wir haben zwar die Akten, aber momentan ist das noch Sache der Unteren Naturschutzbehörde, also des Landratsamts Heidenheim“, erklärt Nadine Hilber. Dieses ist aufgefordert, eine artenschutzrechtliche Überprüfung zu machen. Erst wenn die abgeschlossen ist, werde sich die Obere Naturschutzbehörde wieder mit der Thematik befassen, so Hilber.

Doch auch beim Landratsamt ist nichtsüber den aktuellen Sachstand zu erfahren.„Der Vorgang liegt bei uns“, bestätigt Pressesprecher Lothar Hänle. Doch wie weit das Verfahren gediehen ist, lasse sich im Moment nicht herausfinden, weil der zuständige Mitarbeiter im Urlaub sei.

Insofern bleibt derzeit ungewiss, wann oder ob an der Fuchssteigeüberhaupt gebaut werden kann. Den Baumfalken und die Anwohner jedenfalls dürfte der abermalige Aufschub freuen.

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