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Azubi-Messe: Kontakte und Connections für den Nachwuchs

Neue Kundschaft bei der Berufsberatung: Immer häufiger klopfen auch junge Leute an, die nicht irgendeinen beruflichen Einstieg, sondern Orientierung suchen – weil sie die Qual der wachsenden Auswahl haben. Dieser Wandel auf dem Lehrstellenmarkt machte sich auch bei der 13. Ausbildungs- und Studienmesse bemerkbar.

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Sie suchen Industriemechaniker und Ingenieure, werben um Bankkaufleute und Bäcker, bilden Friseure und Fischwirte aus, brauchen Ergotherapeuten und Elektrotechniker. Mehr als 200 Ausbildungsberufe und Studienangebote hatten die knapp 120 Aussteller im Gepäck, die am Samstag das komplette Congress Centrum in einen großen Marktplatz der besonderen Art verwandelt haben. Unternehmen, Verwaltungen und Berufsverbände sowie Schulen und Studieneinrichtungen lieferten die Visitenkarte einer beeindruckend bunten Berufswelt ab, die sich noch vielfältiger präsentieren könnte, wenn denn noch mehr Ausstellungsfläche zur Verfügung stünde. Zum Vergleich: Bei der Premiere im Jahre 2002, damals noch in der Karl-Rau-Halle, hatten die Organisatoren fast schon Not gehabt, 60 Ausbildungsbetriebe für die Mitwirkung zu gewinnen.

Inzwischen ist das alljährlich von mehreren Partnern der öffentlichen Hand inszenierte Geschehen längst zu einem Markenzeichen des Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsstandorts Heidenheim geworden. Einmal mehr kam die ins Visier genommene Zielgruppe als reinste Massenbewegung daher und stärkte damit den guten Ruf dieser Ausbildungs- und Studien-Drehscheibe, zu den besucherstärksten Messen in ganz Ostwürttemberg zu zählen. Das Gedrängel war groß, das Zählen fiel schwer, doch Dieter Winterlik von der Heidenheimer Agentur für Arbeit geht davon aus, dass das Congress Centrum im Laufe der fünf Messestunden in etwa denselben Zulauf hatte wie im Jahr zuvor, als die Veranstalter von etwa 10 000 Besuchern gesprochen hatten: Vorzugsweise junge Leute, die einzeln und zusammen mit Freunden kamen, im Familienverbund auftraten – mitunter auch mit dem Opa, der sich bei dieser Gelegenheit erklären lassen konnte, was eigentlich ein Verfahrenstechniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik in der Fachrichtung Mehrschichtkautschukteile ganz genau macht.

Der stetige Wandel in der Welt der Ausbildung beschäftigt auch Heidenheims Landrat Thomas Reinhardt. Sein Augenmerk gilt dem wichtigen Prozess des Übergangs von der Schule in den Beruf, und so rückte er am Samstag in seinem Grußwort unter anderem den Bildungsplan 2016 ins Blickfeld, mit dem landesweit ab Klasse 7 und 8 „endlich“ das neue eigenständige Fach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ eingeführt wird. Dadurch sieht er neben dem Prozess der Berufsfindung nicht zuletzt die ökonomische Bildung der Schüler gestärkt. Neue Berührungspunkte mit der Wirtschaft verspricht sich der Landrat auch von der zu Beginn des laufenden Schuljahrs an der Technischen Schule Heidtech gestarteten Talent Company. Es ist die erste Einrichtung dieser Art in Baden-Württemberg – ein Fachraum für Berufsorientierung, in der Schüler schon frühzeitig intensiv auf ihrem Weg in die Arbeitswelt unterstützt werden.

„Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben eines jungen Menschen“, befand Thomas Reinhardt – und dies schon deshalb, weil doch niemand die am Arbeitsplatz im Laufe eines Lebens verbrachte Zeit vergeuden oder unglücklich verbringen will. Dass auch und gerade das Landratsamt eine offenbar gute Adresse für berufliches Glück ist, zeigen die dort aktuell 54 beschäftigten Azubis und Studenten – das ergibt in sechs Ausbildungsberufen und vier Bachelor-Studiengängen eine Ausbildungsquote, mit der Heidenheim im Ranking der baden-württembergischen Landkreisverwaltungen an zweiter Stelle steht.

Aber auch andere Branchen punkten bei den jungen Leuten. Mehrere Aussteller haben dem für die Organisation der Ausbildungsmesse zuständigen Agentur-Berufsberater Winterlik am Samstag von einer gestiegenen Qualität der an den Ständen geführten Gesprächen berichtet. Dies gilt nicht nur für den Bereich der Industrie, sondern auch fürs Handwerk sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Allein hier konnten an Ort und Stelle 46 Praktikumsanfragen verbucht und konkret eine Lehrstelle besetzt werden.

Die durchweg positive Rückmeldung der Aussteller und der daraus resultierende Nutzwert für Betriebe und Jugendliche ist aus Agentur-Sicht letztlich höher zu bewerten als die absolute Besucherzahl. Die Messe habe sich in Heidenheim für die Schüler des vorletzten Schuljahres als fester Bestandteil im Prozess der Berufsorientierung etabliert. „Viele Jugendliche, die hier ein Praktikum vereinbaren, finden sich ein Jahr später als neuer Azubi im Betrieb wieder“, so die Erfahrung Winterliks, der künftig auch jenen Firmen Gelegenheit zur Präsentation geben will, die jetzt noch auf der Warteliste stehen. „Dazu haben wir uns schon ganz konkrete Gedanken gemacht“, sagt der Mann von der Arbeits-Agentur, muss das Ergebnis aber noch offen lassen. Nur soviel: Eine schon vorgeschlagene Ausweitung der Messe in Richtung Voith-Arena sei planungstechnisch nicht möglich.

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