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Ausstellung: Georg Elser im Rathaus-Foyer

Jahrzehntelang war der Name verschwiegen, vergessen und auch verdrängt worden. Heute zählt Georg Elser, Hitler-Attentäter aus Königsbronn, zu den herausragenden Gestalten des Nazi-Widerstands. Im Rathaus Heidenheim wird seinem Denken und Handeln jetzt in Form einer Dokumentation gedacht.

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Am 8. November 1939 fehlten nur wenige Minuten, und die Weltgeschichte hätte einen anderen Verlauf genommen. Doch Georg Elsers Attentat auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller in München scheiterte – und auch die Lebensgeschichte des Mannes aus Königsbronn, der den Krieg verhindern wollte, nahm einen anderen Verlauf.

75 Jahre später würdigt die Stadt Heidenheim einmal mehr diesen Widerstandskämpfer, „der sein Leben hingab, um Millionen zu retten“, wie es Joachim Ziller am Samstag im Rathaus-Foyer beschrieb. Dort führte der als Elser-Experte ausgewiesene Königsbronner Hauptamtsleiter in eine von der Landeszentrale für politische Bildung konzipierte Wanderausstellung über Georg Elser und sein Attentat ein und nahm damit kurzfristig, aber ebenso kompetent die Stelle des in Karlsruhe lebenden freien Journalisten und Autors Ulrich Renz ein, dem es der Bahnstreik unmöglich gemacht hatte, seiner sehr frühen Wirkungsstätte einen Besuch abzustatten. Der heute 80-Jährige hatte sein Handwerkszeug bei der Heidenheimer Zeitung erlernt und gehört heute zu den größten deutschen Elser-Experten – zusammen mit seinem ehemaligen Kollegen Erwin Roth, der 1956 als HZ-Chefredakteur nach umfangreichen Recherchen erstmals publiziert hatte, was Historiker erst Jahrzehnte später bestätigt haben: Der Schreiner Johann Georg Elser ist Einzeltäter gewesen.

Überhaupt war Heidenheim bahnbrechend in der geschichtlichen Aufarbeitung der Biografie Elsers und ist heute nicht von ungefähr ein Schwerpunkt der Elser-Forschung, die gerade 2014 auf sehr großes Medieninteresse stößt. Und auch am Jahrestag selbst tat sich einiges. Noch während Joachim Ziller bei der vom Musikverein Schnaitheim mitgestalteten Gedenkveranstaltung der Stadt Heidenheim sprach, wurde im ehemaligen KZ in Sachsenhausen ein Gedenkstein zu Ehren Elsers enthüllt, der aus dem früheren Königsbronner Steinbruch Vollmer kommt, in dem der Attentäter gearbeitet und den Sprengstoff für seine Bombe entwendet hatte. Und am Samstagabend las der ehemalige Münchner OB Christian Ude aus den Verhörprotokollen der Gestapo.

Mit Interesse sieht Ziller auch der am 2. April 2015 geplanten Kinopremiere eines neuen Films entgegen, in dem das Leben Elsers neu und bundesweit in Szene gesetzt wird. Die Akteure der Königsbronner Elser-Gedenkstätte versuchen, eine der ersten Vorstellungen auch nach Heidenheim zu bringen – nach Möglichkeit zusammen mit Darstellern, unter denen auch Christian Friedel ist. An Elsers Tun zu erinnern, ist aus Sicht Zillers gerade in heutiger Zeit besonders wichtig. „Wenn wir seiner gedenken, geben wir Jugendlichen weiter, Zivilcourage und Menschenrechte nicht nur zu respektieren, sondern auch zu verteidigen“, so der Redner, der sich in diesem Zusammenhang erfreut darüber zeigte, dass nahezu alle Heidenheimer Schulen die 1998 eingerichtete Gedenkstätte für Exkursionen nutzen.

Für Bürgermeister Rainer Domberg gilt die Beschäftigung mit Elser explizit als vorbildlich für die Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte, bei der manche Legenden und Mythen zerstört, persönliche Wahrnehmungen und subjektive Einschätzungen mit der historischen Wirklichkeit konfrontiert werden. Dass dieser Aufarbeitungsprozess noch immer die Gemüter bewegt, liest der Rathaus-Repräsentant an der in Heidenheim anhaltenden Diskussion um das „sogenannte Rommel-Denkmal“ ab. „Wir können heute das Leben in einem Gewalt- und Unrechtssystem nur höchst eingeschränkt nachempfinden“, so Domberg, der mahnte, Geschichte aus den damaligen Bedingungen heraus zu betrachten und nicht unsere heutigen, oft allzu selbstgerechten Maßstäbe und Möglichkeiten zugrunde zu legen. Damit sieht er mitnichten eine moralische Rechtfertigung falschen Handelns verbunden: Blicke man aber über seinen eigenen Horizont, werde man feststellen, dass es bis in einzelne Personen und Familien hinein neben Opfern und Tätern, neben schwarz und weiß, auch sehr viele Schattierungen ins Graue gegeben habe.

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Elsers Widerstand gegen Adolf Hilter

Johann Georg Elser (* 4. Januar 1903 in Hermaringen, Württemberg; † 9. April 1945 im KZ Dachau) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

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