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Verein „Also“ hilft: Alleinerziehende können einen Beruf in Teilzeit erlernen

Alleinerziehende können einen Beruf in Teilzeit erlernen – falls sie einen dafür offenen Chef finden. Friderike Winkler vom Verein „Also“ hilft.

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Examinierte Altenpflegerin mit ausgezeichnetem Zeugnis: Jennifer Quilitz (links) hat eine Ausbildung in Teilzeit absolviert, Friderike Winkler hat sie darauf vorbereitet.  Foto: 

Eine Ausbildung kostet Zeit und Kraft, Kinder auch. Beides miteinander zu kombinieren ist schwierig, noch mehr, wenn man keinen Partner hat. Jennifer Quilitz hat es trotzdem geschafft: Die 33-Jährige hat ihre Ausbildung zur Altenpflegerin mit Belobigung bestanden. Ihre 15-jährigen Zwillinge nennen die Mutter scherzhaft eine Streberin, die neunjährige Tochter ist stolz auf sie und nimmt sich die Mama zum Vorbild beim Lernen. Vorbereitet wurde Jennifer Quilitz von Friderike Winkler vom Verein Also als Teilnehmerin am Projekt „Aita Plus“, Alleinerziehende in Teilzeitausbildung.

Jennifer Quilitz hat einen Realschulabschluss, danach begann sie eine Ausbildung, die sie aber abgebrochen hat. Dann besuchte sie ein Berufskolleg Hauswirtschaft, wurde schwanger und das gleich mit Zwillingen. An eine Ausbildung war in den nächsten Jahren nicht zu denken. Was sie gerne werden würde, war der sehr geradlinig wirkenden Frau aber schon früh klar: „Ich mag die Arbeit mit alten Menschen“, sagt sie. Als sie diesen Wunsch beim Jobcenter ansprach, wurde ihr das Projekt „Aita Plus“ empfohlen.

Arbeitgeber gesucht

Acht Frauen – oder theoretisch auch Männer, aber bisher habe sich noch keiner gefunden – können pro Projekt teilnehmen, es startet im Oktober. Ziel sei es, für die Frauen im Folgejahr einen Ausbildungsplatz zu finden, erläutert Friderike Winkler. Einmal wöchentlich findet ein gemeinsamer Seminarvormittag für alle Teilnehmerinnen statt, ansonsten berät Winkler in Einzelterminen. Themen sind die Berufsfindung genauso wie das Bewerbungstraining, Zeitmanagement, Betreuung der Kinder und die Vorbereitung auf den schulischen Teil der Ausbildung. Auch eine Begleitung zum Vorstellungsgespräch ist möglich, wenn die Frauen das wünschen.

„Die Arbeitgeber können gestandene Frauen einstellen, die Verantwortung für sich und ihre Familie tragen und viel Ausdauer und Organisationsvermögen mitbringen“, wirbt Winkler für ihre Schützlinge. Wer die Chance für eine Teilzeitausbildung bekomme, sei in der Regel sehr loyal gegenüber seinem Betrieb. „Man ist schließlich in einem Alter, in dem man die Ausbildung machen will und nicht machen muss“, ergänzt Jennifer Quilitz. Zwar sollte der Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt eigentlich den Frauen entgegenkommen, die eine Teilzeitausbildung machen wollen, jedoch sei es in der Praxis oft schwer, einen Arbeitgeber zu finden, der sich darauf einlässt, meint Friderike Winkler. Obwohl die Teilzeitausbildung seit 2005 gesetzlich verankert sei, wäre sie noch wenig bekannt, meint die Beraterin. „Ich finde, Arbeitgeber sollten da ihren Horizont erweitern, weil es nämlich richtig gut funktioniert“, sagt Jennifer Quilitz. Und Winkler ergänzt: „Teilzeitausbildung kann ein Gewinn für beide Seiten sein.“

Vollzeitjob gefunden

Jennifer Quilitz fand 2014 einen aufgeschlossenen Arbeitgeber im damaligen Betreiber des Pflegeheims Haus Regenbogen in Nattheim. „Er hatte großes Vertrauen in mich und war sehr offen“, sagt Quilitz. Mit einer 75-Prozent-Stelle und 28,5 Stunden Arbeitszeit, inklusive Berufsschule, begann sie ihre Ausbildung. Da ihre Tochter damals noch klein war, musste sie keine Wochenend-Dienste machen. Trotz der Teilzeitbedingungen war die Ausbildung kein Spaziergang: „Zwischendurch hatte ich auch mal Durchhänger, aber ich bekam große Unterstützung von der Berufsschule“, erzählt Jennifer Quilitz. Am Ende war es ein Abschluss mit Belobigung. „Wenn man etwas dafür tut, schafft man das auf jeden Fall“, sagt die 33-Jährige heute überzeugt. Mittlerweile hat sie einen Arbeitsvertrag in einer Pflegeeinrichtung ganz in der Nähe ihres Wohnorts unterschrieben – und zwar für eine Vollzeitstelle.

So funktioniert Ausbildung in Teilzeit

Seit 2005 gibt es die Möglichkeit der Ausbildung in Teilzeit. Sie ist möglich, wenn der Auszubildende ein eigenes Kind betreuen oder einen Angehörigen pflegen muss, er schwerbehindert ist oder andere schwerwiegende Gründe vorliegen.Die Arbeitszeit einer Teilzeitausbildung ist auf meist 25 bis 30 Wochenstunden verkürzt, Berufsschule inklusive. Die Berufsschule wird in normalem Umfang besucht.Das Projekt „Aita Plus“ für Alleinerziehende bietet Beratung für eine Teilzeitausbildung. Teilnehmen kann, wer jünger ist als 45 Jahre, Arbeitslosengeld II bezieht, Kinder hat und im Landkreis lebt.Kontakt: Friderike Winkler, Tel. 0170.5847538 oder E-Mail f.winkler@alsogmuend.de

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