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April 1957: Was war damals los in Stadt und Kreis Heidenheim?

Was war 1957 los im Kreis Heidenheim? Im HZ-Archiv finden sich Geschichten von renovierten Kirchen, einem Verbrechen und Streit um die Milch.

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Die Renovierung der Michaelskirche in Schnaitheim (oben) ist abgeschlossen. Derweil pendeln erste Besuchergruppen zwischen Heidenheim und Clichy (unten). Die Städtepartnerschaft wird aber erst am 21. Juni 1958 offiziell besiegelt.  Foto: 

60 deutsche Gemeinden stehen im März 1957 auf einer Warteliste, weil sie eine ausländische Partnerstadt wünschen. Den bis dahin vorliegenden Erfahrungen zufolge eignen sich mittelgroße Kommunen am besten, ist in der Heidenheimer Zeitung nachzulesen.

Als Beleg wird die Verbindung mit Clichy unweit von Paris angeführt. Heidenheim habe mit dieser Wahl einen guten Griff getan. Nachdem sich die freundschaftlichen Bande bislang vorwiegend auf den Schüleraustausch beschränkt haben, reist nun erstmals eine größere offizielle Abordnung von der Brenz an die Seine.

Warten auf Verbindung

Im Begleitprogramm sind Fußballspiele zwischen Rathaus- und Juniorenteams vorgesehen. Das entspricht der Erkenntnis, einem funktionierenden Miteinander sei die unmittelbare Begegnung von Menschen besonders zuträglich. Und verlässlicher als die Kommunikation mittels technischer Hilfe ist sie allemal: Wer von Heidenheim auch nur nach Stuttgart telefonieren möchte, muss Wartezeiten von bis zu 30 Minuten einplanen. Das Fernmeldeamt versichert jedoch, der Selbstwählferndienst werde stetig ausgebaut.

Lautes Glockengeläut scheidet zwar mangels Reichweite als alternativer Übertragungskanal aus, die Aufmerksamkeit der Gläubigen vor Ort lässt sich auf diesem Wege jedoch allemal gewinnen. So strömen die Menschen in großer Zahl zur Einweihung der herausgeputzten evangelischen Michaelskirche in Schnaitheim. 150 000 Mark hat der siebenmonatige Umbau gekostet.

Etwa 60 000 Mark sind's in Bolheim, wo die evangelische Kirche erstmals nach 300 Jahren wieder von Grund auf renoviert worden ist. Vorbei sind die Monate, in denen die Turnhalle als Ausweichstätte für die Gottesdienste gedient hat.

Herrscht nun also einhellige Freude über das neue Gesicht der Gotteshäuser, tobt in Zöschingen ein erbitterter Streit. Grund: Die dort ansässigen Bauern sind nicht einverstanden mit einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs, derzufolge sie ihre Milch weiterhin an die Molkereigenossenschaft Dischingen liefern sollen. Vielmehr würden sie gerne mit der Milchsammelstelle Nattheim zusammenarbeiten, die der Bezirksmilchverwertung Heidenheim angeschlossen ist.

Aufsehen erregender Höhepunkt des Milchstreits: Die Zöschinger Landwirte verleihen ihrem Protest plakative Außenwirkung, indem sie vor dem Verwaltungsgerichtshof in Stuttgart den Inhalt von zehn 20-Liter-Kannen auf die Straße leeren. In der Landeshauptstadt stößt diese Aktion nicht nur auf Verständnis, wohingegen dem Anlass angemessene Einigkeit den Sitzungssaal des Heidenheimer Landratsamts durchströmt: In feierlichem Rahmen wird der wiedergewählte Landrat Albert Wild auf eine weitere Amtszeit verpflichtet.

Anlass zur Trauer gibt es hingegen in Oberstotzingen: In einem ehemaligen Luftschutzkeller wird unter Abfall und Geröll das Skelett einer seit Februar 1954 vermissten Frau aus dem Ort gefunden. Schnell ist der mutmaßliche Täter gefasst: Ein 22 Jahre alter Mann aus einer Nachbargemeinde, schon drei Jahre zuvor in Verdacht geraten, gesteht, die seinerzeit 65-Jährige getötet zu haben. Er hatte es offenbar auf das Geld seines Opfers abgesehen.

Wellen ganz anderer Art schlägt ein Fischdampfer auf der Nordsee. Zwischen Elbe und Island ist das 51 Meter lange und acht Meter breite Schiff mit seiner 20-köpfigen Besatzung unterwegs. Seinen Namen hat es aus Anlass der 600-Jahr-Feier eines beschaulichen Städtchens auf der Schwäbischen Alb erhalten: Heidenheim. 17 Tage kann der Dampfer auf See bleiben, dann ist der Brennstoff alle.

Nicht einmal für ein halbes Stündchen reicht's bei den Ruderern aus Oxford und Cambridge. Genug Schmackes in den Oberarmen haben die jeweils acht Athleten für ihr traditionelles Duell. Allerdings wird kein Sprit bewilligt, um Sportler und Gerät in der Vorbereitung dreimal pro Woche mit dem Lkw zum Training zu fahren. Folglich geht die Wettfahrt 1957 baden – weil die Hauptpersonen auf dem Trockenen sitzen.

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