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AOK: Warum man zuerst zum Hausarzt sollte

Das Hausarztprogramm der AOK hat sich in den vergangenen acht Jahren bewährt, davon sind auch zahlreiche Mediziner überzeugt.

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Die Krankenkasse hat im Landkreis Heidenheim nach Angaben des Geschäftsführers der AOK Ostwürttemberg, Josef Bühler, einen Marktanteil bei den Versicherten von etwa 45 Prozent. Insofern spielt das Hausarztprogramm insgesamt im Gesundheitssystem vor Ort eine nicht unbedeutende Rolle.

Dieses vor acht Jahren von der AOK in Baden-Württemberg eingeführte Programm der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) soll, kurz gesagt, die Patientenversorgung verbessern. Es beruht auf der Grundlage, dass Patienten bei Beschwerden zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, um dann bei Bedarf von diesem an Fachärzte überwiesen zu werden. Bei der gesetzlichen Regelversorgung können Patienten auch nach eigenem Gutdünken Fachärzte aufsuchen und sich deren Rat einholen. „Das führt teilweise zu einem regelrechten Ärzte-Hopping“, sagt der Heidenheimer Allgemeinmediziner Gert-Michael Gmelin, der auch stellvertretender Kreisvorsitzender des Ärzteverbundes Medi ist. „Das wiederum bringt viele Schwierigkeiten mit sich, für die Ärzte und die Patienten“, ergänzt der Giengener Allgemeinmediziner und Medi-Kreisvorsitzende Dr. Jürgen Siebert im Pressegespräch. Denn oftmals verschrieben die Fachärzte Medikamente ohne zu wissen, welche anderen Mittel ein Patient schon nehme, am Hausarzt gingen solche Informationen ebenfalls vorbei. „Das kann auch zu unerfreulichen Wechselwirkungen führen“, so der Steinheimer Internist und Vorsitzende der Kreisärzteschaft, Dr. Jörg Sanfort.

Durch die Teilnahme am Hausarztprogramm lassen sich derartige Probleme vermeiden. Der AOK zufolge bringt es jedoch auch weitere Vorteile, etwa den, dass der Arzt sehr genau über seinen Patienten Bescheid wisse. Untersuchungen der Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg hätten ergeben, dass landesweit in drei Jahren bei 1700 Diabetikern schwerwiegende Komplikationen verhindert werden konnten, zudem mussten 3900 Herzpatienten weniger in Kliniken eingewiesen werden, so Klaus Dollfuss, Leiter des AOK-Arzt-Patienten-Service.

Bei dem Programm übernehme der Hausarzt eine Art Koordinierungsfunktion als Weichensteller bei der Behandlung. Das sei immer, aber ganz besonders bei chronischen Erkrankungen von großem Vorteil, so Sandfort. Ein weiterer Vorteil für die Patienten sei, dass sie mit einer Überweisung vom Hausarzt schneller Termine bei vielen Fachärzten bekämen, erklärt Gmelin. Nicht zuletzt biete die Teilnahme am HZV auch den Ärzten Vorteile, da sie besser kalkulieren könnten, weil die AOK feste Sätze für die Behandlung bezahle. „Dadurch haben wir auch die Möglichkeit, uns länger Zeit für die Patienten zu nehmen oder mal eine Laboruntersuchung mehr zu machen“, so Gmelin.

Einen Vorteil sehen die Ärzte auch darin, dass das AOK-Programm die Beschäftigung von Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (Verah) beinhaltet, weil dadurch die Arbeitsbelastung für die Ärzte sinkt. Die speziell ausgebildeten Assistentinnen können Routine-Hausbesuche bei chronisch Kranken übernehmen und sie fachmännisch betreuen.

Und worin liegt der Nachteil? „Kunden, die beim HZV mitmachen, sind verpflichtet, sich ein Jahr lang auf einen Hausarzt festzulegen, für die Ärzte bedeutet die Teilnahme erstmal eine Investition und das Einarbeiten in eine neue Technik“, bringt es Bühner auf den Punkt. Das sei wohl auch der Grund, warum sich von 92 Hausärzten im Kreis nur 54 an dem Programm beteiligen. In Ostwürttemberg sind 56 000 von insgesamt 159 000 AOK-Versicherten freiwillig dabei, also etwa ein Drittel.

Auch der Krankenkasse selbst bringt das Modell Vorteile, und zwar wirtschaftlicher Art. Landesweit liege die Ersparnis bei rund 35 Millionen Euro, gegenüber der Regelversorgung betont Bühler.

„Mit dem Programm wollten wir Schieflagen in der Versorgung durch das Nebeneinander von Über-, Unter- und Fehlversorgung korrigieren. Das ist gelungen, weil wir die Ärzte als Partner sehen und mit ihnen für das Wohl der Patienten konstruktiv zusammenarbeiten“, so der AOK-Geschäftsführer. „Da war zunächst ein Umdenken erforderlich, dass die Ärzte die Kasse nicht mehr als Gegner sondern als Partner sehen, aber es funktioniert“, sagt auch Gmelin.

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