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Alte Voith-Gießerei vor dem Abbruch – denkmalgeschützter Teil bleibt erhalten

Es wird ein halbes Jahr dauern, bis der gewaltige Industriekomplex verschwunden ist. Nur der denkmalgeschützte Teil bleibt erhalten.

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Abbruch in XXL: Der größte, hiergelb markierteTeil der früherenGießerei auf demVoith-Geländesoll demnächstabgebrochenwerden. Wie dasGelände danach genutzt wird,kann die Firmanoch nicht sagen.In einem ersten Schritt wurden die Anwohnerüber die Arbeiteninformiert.  Foto: 

Das Aus des Traditionsbetriebes war bereits 2013 besiegelt worden. Und vier Jahre nach der Stilllegung der insolventen Heidenheimer Gießerei und dem Verlust von mehr als 120 Arbeitsplätzen verschwindet nun auch das monumental anmutende Bauwerk selbst, das ein Jahrhundert lang zur Landschaft dieses Wirtschaftsraumes gehört hat und für viele Voithianer das Markenzeichen einer ganzen Industrieepoche gewesen ist.

Der Abbruch des auf Voith-Gelände stehenden Gießereikomplexes ist bereits seit mehr als einem Jahr beschlossene Sache. Das damit verbundene öffentliche Genehmigungsverfahren hatte sich lang hingezogen, weil in Abstimmung mit dem Landratsamt erst Untersuchungen wegen möglicher Verunreinigungen mit Schadstoffen und Altlasten vorgenommen werden mussten, wobei sich nach HZ-Informationen aus gutachterlicher Sicht aber kein Sanierungs- oder Sicherungsbedarf ergeben hat.

Ein halbes Jahr Bauarbeiten

Jetzt, da grünes Licht für den Abriss vorliegt, will die Firma Voith nicht mehr lange fackeln. In einem Brief sind die Anwohner der dem Gießerei-Altbau nächstgelegenen Voith-Siedlung dieser Tage davon in Kenntnis gesetzt worden, dass das Abbruchunternehmen noch im Laufe dieses Monats anrücken wird, um die sich parallel zur Bundesstraße auf einer Länge von mehr als 100 Metern hinziehende Hallenlandschaft plattzumachen. Dieser Ankündigung zufolge werden die demnächst beginnenden Arbeiten werktags zwischen 7 und 20 Uhr durchgeführt und etwa ein halbes Jahr dauern. Dabei könne es in der unmittelbaren Umgebung zu geringfügigen Staubablagerungen und zu Lärmentwicklung kommen, sagt man im Hause Voith, versichert den Bewohnern aber, dass man die Beeinträchtigungen so gering wie möglich halten wolle. So werde man beispielsweise staub- und lärmmindernde Maßnahmen ergreifen, die deutlich über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen.

Vom Abbruch ausgenommen bleibt der denkmalgeschützte Teil der ehemaligen Gießerei. Dabei handelt es sich um den direkt an der Bahnlinie liegenden historischen Bau mit seinem charakteristischen Walmdach und Gaubenfenstern. Über die weitere Verwendung dieses früher als Modell-Lager genutzten Gebäudes ist nichts bekannt. Auch hat Voith bislang noch nicht kommuniziert, wie man sich die Nutzung des weitläufigen Geländes nach dem Rückbau der alten Gießerei vorstellt. Vor etwa einem Jahr hatte es geheißen, dass man noch über kein alternatives Nutzungskonzept verfüge. Dann gingen Hinweise dahin, dass zumindest vorübergehend an eine Parkfläche gedacht sein könnte.

Einer, der das endgültige Ende der Geschichte der alten Voith-Gießerei sehr bedauert, ist Willi Wolf, dessen berufliche Lebensgeschichte 44 Jahre lang mit der Heidenheimer Gießerei verbunden war. „Traurig und nicht nachvollziehbar“ nennt er das, was jetzt geschieht, denn die Gießerei sei der Stolz vieler Voithianer gewesen, und ganze Generationen hätten an diesem Ort für Voith hart gearbeitet. Sein schon im Herbst vergangenen Jahres geäußerter Vorschlag war dahin gegangen, das jetzige Abbruchobjekt als Kulturdenkmal zu erhalten und die zwei Gießereihallen zu einem Veranstaltungs- und Event-Tempel „Alte Gießerei“ umzubauen, in dem Rockkonzerte, Technopartys oder Theateraufführungen stattfinden könnten. Sein Alternativkonzept sah vor, dass die Firma Voith und die Stadt Heidenheim eine Gesellschaft gründen, die im Blick auf die Umbau- und Instandhaltungskosten in Vorleistung gehen sollte. Im Gegenzug wollte er die Rechnung aufgestellt wissen, was Voith der Abriss kostet und welche Einnahmen langfristig durch ein Veranstaltungsprogramm erzielt werden können.

Wechselvolle Geschichte

Doch diese Rechnung hat der langjährige Betriebsratsvorsitzende – Gallionsfigur des zuletzt verlorenen Kampfes um die Gießerei – ohne die Firma Voith gemacht, auf die der jetzt bei der IG Metall Beschäftigte bis heute auch aus anderem Grund schlecht zu sprechen ist. 2013 hatte sich der Konzern geweigert, bei der damals schon zum zweitenmal insolvent gewordenen Gießerei einzusteigen, die 1911 von Friedrich Voith gegründet worden war, um Papiermaschinenteile zu gießen. Mit dem kategorischen Nein war die einzige Überlebenschance der damals zur CT-Gruppe gehörenden Gießerei vertan, die auf diese Weise von einer Kathedrale der Arbeit zu einer Geisterfabrik geworden ist.

Die alte Gießerei auf dem Voith-Gelände besteht aus mehreren Komplexen, darunter dem alten Modelllager mit Groß- und Kleinputzerei. Dieser Teil der Gießereianlage bleibt vom Abriss verschont, weil das 1910 von dem renommierten Stuttgarter Industriearchitekten Philipp Jakob Manz erbaute Haus denkmalgeschützt ist. Die Expertise der Denkmalschützer spricht von einem Gebäude, das exemplarisch für das letzte große Bauvorhaben des 1913 verstorbenen Firmeninhabers Friedrich Voith steht. Der repräsentative Bau habe wichtigen architekturgeschichtlichen Quellenwert für die Fabrikarchitektur vor dem Ersten Weltkrieg. Eine Besonderheit der konstruktionsgeschichtlichen Art stellt das aus Stahlprofilen gefertigte Dachwerk dar. Und: Die gestalterische Konzeption des Industriebaus beruht auf Formvorstellungen der sogenannten Stuttgarter Schule, die Forderungen der Deutschen Werkbundes nach einer eigenständigen Industriekultur umsetzt.

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