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Als Frau mit Konsequenz bis in den Vorstand

Die Frauenquote macht auch im Jahr 2014 Schlagzeilen, findet Befürworter und entschiedene Gegner – und Gegnerinnen. Im Vorstand der Heidenheimer Volksbank arbeitet Elke Müller-Jordan, die mehr Frauen in Führungspositionen befürwortet, die Quote aber ablehnt.

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Erfolgreiche Frau in Führungsposition: Bankbetriebswirtin Elke Müller-Jordan, ist seit einem Jahr stellvertretende Vorständin der Heidenheimer Volksbank.  Foto: 

Elke Müller-Jordan spricht mit fester Stimme und in klaren Sätzen. Wenn die Diplom-Bankbetriebswirtin dem Laien erklärt, wie eine Bank funktioniert, sucht sie nach Vergleichen aus anderen Bereichen, so dass klare Bilder entstehen für Vorgänge mit komplizierten Fachbegriffen. Die 47-Jährige lebt das Bankwesen, es ist ihr Fachgebiet, sie investiert seit über 25 Jahren sehr viel Energie in ihren Beruf. Seit einem Jahr ist sie stellvertretendes Vorstandsmitglied der Heidenheimer Volksbank.

Als eines von vier Vorstandsmitgliedern ist sie verantwortlich für alle Produktionsprozesse der Bank, die dem direkten Kundengeschäft folgen: Kredite, Einlagengeschäft, Kreditmanagement und -abwicklung. „Produktionsbank“ nennt man diesen Bereich unter Fachleuten, Elke Müller-Jordan vergleicht ihn mit der Produktionshalle einer Autofabrik, wo die bestellten Artikel nach den Wünschen der Kunden hergestellt werden. Personalverantwortung hat sie für 56 Mitarbeiter, ihren Führungsstil beschreibt sie als konsequent: „Ich muss nicht brüllen, sondern versuche, mit Argumenten zu überzeugen“, sagt sie.

Wenn es überhaupt ein besonderes Kennzeichen ihrer Arbeitsweise gibt, dann ist es ein persönliches Interesse an ihren Mitarbeitern und deren Lebenssituation. Ein bisschen sei das wie in einer Familie: Man kennt sich, man hat täglich miteinander zu tun, man nimmt vielleicht auch Rücksicht auf besondere Umstände im Lebensumfeld.

Als Frau im Vorstand einer Bank ist sie auch 2014 noch eine Exotin. Bei deutschlandweiten Veranstaltungen mit Vorstandsmitgliedern treffe sie oft auf „300 Männer und sechs Frauen“, erzählt Elke Müller-Jordan. Immerhin gebe es im eigenen Betrieb zwei weitere Frauen, die als Bereichsleiterinnen mit Prokura auf der zweiten Führungsebene tätig sind. Als sie 1996 zum ersten Mal an einem Assessment-Center teilnahm, weil sie sich für die Stelle einer Bereichsleiterin bei der Giengener Volksbank beworben hatte, mussten die Teilnehmer die Idee der Frauenquote diskutieren. „Ich konnte und kann damit nichts anfangen“, sagt sie zu diesem Thema, „ich würde mich degradiert fühlen, wenn ich nur aufgrund einer Quote eine bestimmte Position erreiche“, erklärt sie nachdenklich. Trotzdem bedauert sie es sehr, dass das Thema jetzt, fast 20 Jahre später, immer noch aktuell ist.

Für Elke Müller-Jordan ist auch klar, was die Karriere vieler Frauen bremst: „Zwischen 30 und 40 werden die beruflichen Weichen gestellt. Wer sich da als Frau für eine Familie entscheidet, hat es sehr schwer mit dem Aufstieg“, meint sie. Elke Müller-Jordan hat keine Kinder, aber einen Partner, der in der gleichen Branche arbeitet, und Verständnis für ihr berufliches Engagement hat. Und das ist immens: Zwölf Arbeitsstunden pro Tag sind die Regel, die Qualifikationen für ihren Vorstandsposten hat sie sich in nebenberuflicher Fortbildung über viele Jahre hinweg erworben. Für Privates bleibt an Werktagen kaum Zeit, „vielleicht ein Stündchen am Abend zum gemeinsamen Kochen und Plaudern“, meint die Vorständin.

Dass ihr beruflicher Weg in die Vorstandsetage einer Bank führen wird, konnte sich Elke Müller-Jordan 1986 nach dem Abitur am Giengener Margarete-Steiff-Gymnasium nicht vorstellen. „Eigentlich wollte ich Zahnärztin werden“, erinnert sie sich. Weil das auf Anhieb nicht geklappt hat, nahm sie am Eignungstest für eine Banklehre teil und wurde prompt auch genommen. „Und dann hat mir die Arbeit besser gefallen als ich mir das vorgestellt hatte“, sagt sie. Der Ausbildung bei der Volksbank Giengen folgte die Anstellung in der Kreditabteilung der Bank und der stetige Aufstieg auf der Karriereleiter.

Um bis in den Vorstand zu kommen, sind Kenntnisse aus verschiedenen Fachbereichen der Bank notwendig, man braucht Führungs- und Krediterfahrung und muss schließlich von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Genehmigung für diese Tätigkeit bekommen. Zuletzt hatte Elke Müller-Jordan drei Jahre lang als Generalbevollmächtigte der Heidenheimer Volksbank Führungsfunktion. „Ich bin dankbar, dass ich langsam in die Rolle als Vorstandsmitglied hineinwachsen konnte“, sagt sie. Ihr übergeordneter Plan war es nicht, bis in die Spitze aufzurücken. „Aber ich hatte immer wieder Fürsprecher und Förderer, die mich ermutigt haben, den nächsten Karriereschritt zu gehen“, erinnert sie sich. Dass die Mentoren alle männlich waren, sei wohl systemimmanent – Frauen seien selten in der Position, dass sie andere Frauen fördern können.

Elke Müller-Jordan hingegen hat diese Möglichkeit mittlerweile und sagt, sie fördere männliche wie weibliche Nachwuchskräfte gleichermaßen. Unterschiede in der Arbeitsweise und Motivation stellt sie aber durchaus fest. „Ich schätze beispielsweise das strukturierte und konsequente Arbeiten von Frauen in Teilzeit“, lobt sie. Nach wie vor, da ist sie sich sicher, werde man als Frau mit dem Wunsch nach mehr Verantwortung kritischer unter die Lupe genommen als männliche Mitbewerber.

Wohin führt der weitere berufliche Weg von Elke Müller-Jordan? Bei dieser Frage lächelt sie zurückhaltend. Die Bezeichnung „stellvertretend“ vor dem Vorstandstitel könnte irgendwann verschwinden, ansonsten möchte sie gerne im Vorstand bleiben. „Ich fühle mich sehr wohl“, sagt die Frau in der Chefetage – was man ihr glattweg abnimmt.

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