Partner der

Abitur: Hält der Abschluss, was er verspricht?

Die Arbeitgeberverbände in Ostwürttemberg haben eine „Abitur-Prüfung“ im wahrsten Sinne des Wortes veranstaltet. In kompetent besetzter Diskussionsrunde wurde die Reifeprüfung hinterfragt: Das Abitur zwischen Anspruch und Wirklichkeit war Thema in der Veranstaltungsreihe „Arbeitgeber im Dialog“ im Verbandshaus von Südwestmetall.

|

Dr. Michael Fried, Vorsitzender der Bezirksgruppe Ostwürttemberg des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, hob die generell herausragende Bedeutung von guter Bildung für den Wohlstand in Deutschland hervor. Das gelte für alle Bildungsabschlüsse. Den Arbeitgebern sei wichtig, dass unterschiedliche Abschlüsse nicht gegeneinander in Stellung gebracht werden dürften: „Für den wirtschaftlichen Erfolg brauchen wir beides: dual ausgebildete Facharbeiter ebenso wie Ingenieure, Buchhalter ebenso wie Controller.“

Den Einführungsvortrag hielt Dr. Rainer Bölling, Bildungsforscher aus Düsseldorf. Folge man dem Mainstream der Bildungspolitik, so brauche Deutschland mehr Abiturienten und Akademiker, um wirtschaftlich zukunftsfähig zu sein, sagte er. Bölling relativiert allerdings: „Ein Blick auf Länder mit höheren Abiturientenquoten zeigt, dass viele von ihnen ökonomisch schlechter dastehen als Deutschland und das Bildungsniveau ihrer Absolventen niedriger ist. Entsprechendes lässt sich auch im innerdeutschen Vergleich feststellen. Die Fixierung auf hohe Abiturientenquoten geht mit einer Senkung des Anspruchsniveaus einher.“ Hohe Abschlussquoten bedeuteten aber nicht mehr Chancengerechtigkeit, denn in Ländern mit niedrigen Abiturientenquoten wie in Deutschland, Österreich und Schweiz böten duale Berufsbildungssysteme große Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Zur vertiefenden Diskussion hat Moderator Jürgen Hörig sodann Experten aus unterschiedlichen Bereichen aufs Podium gebeten: für die Schule Schulleiter Ralf Heinrich vom Thomas-Stittmatter-Gymnasium in St. Georgen, für das Kultusministerium Dr. Johannes Bergner, dort für die Gymnasien zuständiger Abteilungsleiter sowie sozusagen als Abnehmer von Abiturienten Prof. Dr. Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen und Dr. Michael Fried, Mitglied der Geschäftsleitung bei Mapal Dr. Kress KG und Vorsitzender von Südwestmetall in Ostwürttemberg.

Fried machte deutlich, dass die Arbeitgeber das G8-Gymnasium bildungspolitisch befürworten: „Die Erfahrungen bei uns und in anderen Bundesländern zeigen: der achtjährige Weg zum Abitur funktioniert. Für eine Reform der Reform zurück zum G9 sehen wir keinen Anlass.“ Denn wer in neun Jahren zum Abitur möchte, der könne das bereits heute über die Mittlere Reife und das berufliche Gymnasium: „Lassen Sie es mich mal so pointiert sagen: G9 ist der natürliche Feind von Real- und Gemeinschaftsschulen. Denn deren Profilbildung wird erschwert, wenn immer mehr Schüler aufs Gymnasium drängen, obwohl möglicherweise doch die Real- oder Gemeinschaftsschule die richtige Schulart wäre.“

Schulleiter Ralf Heinrich stellte fest, dass die Einführung von G8 zu einer neuen Ernsthaftigkeit des Lernens geführt habe. Schüler am Gymnasium in Baden-Württemberg seien heute durchaus leistungsbereit. Sie würden sich da von so mancher Generation vor ihnen unterscheiden, „die heute als Schulleiter, Journalisten oder Hochschullehrer den Wert des Abiturs in Frage stellen.“ Die Schulart Gymnasium und auch gymnasiale Lehrkräfte hätten sich positiv weiterentwickelt.

Das sieht das Kultusministerium ebenfalls so. Ministerialdirigent Bergner hob die modernen Bildungspläne, ein hohes Anspruchsniveau und vielfältige Fördermöglichkeiten hervor. „Das Abitur in Baden-Württemberg ist Garant für Studienfähigkeit und breite Allgemeinbildung“, sagte Bergner.

Hochschulrektor Schneider bekundete seinen Respekt vor all denen, „die diesen Abschluss anstreben und erfolgreich schaffen sowie denjenigen, die dafür den Rahmen gestalten.“ Aus Sicht der Hochschule sei allerdings eine deutlich bessere Grundlage in den Fächern Deutsch und Mathematik wünschenswert.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Voting: Wer soll neuer Oberbürgermeister in Giengen werden?

Neun Kandidaten stehen mittlerweile in Giengen zur Wahl des Oberbürgermeisters. Doch welchen halten Sie für am besten geeignet. Stimmen Sie ab (nicht repräsentativ). weiter lesen