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„Schlössle“ vor dem Abriss: Ein letzter Blick in die Waldhorn-Brauerei

Der Einstieg in die Vergangenheit ist nicht leicht zu finden. Halb zugewachsen und stark verfallen, nur ein Loch in der Mauer, halbhoch, kaum zu erkennen.

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Der Weg dorthin führt über Bauschutt, verkohlte Reste von Türen liegen im Gras davor – Überbleibsel einer Feuerstelle? Graffiti, bunt bemalte und besprühte Mauern zeugen davon, dass auch hier FCH-Fans Marken setzen.

Waldhorn-Brauerei nur noch eine Ruine

Seit vielen Jahren, Jahrzehnten gar, ist die alte Waldhorn-Brauerei an der Härtsfeldstraße nur noch eine Ruine. Die Fenster eingeschlagen, leere Augenhöhlen, die aus erhöhter Position in Richtung Festplatz starren. Massig, gewaltig, wirkt der markante Bau, der einer Trutzburg gleich über die Nördlinger Straße zu wachen scheint.

Wohl jeder Heidenheimer kennt das als „Schlössle“ bezeichnete Gebäude, einige wissen vielleicht, dass es 1903 als Brauerei erbaut wurde. Doch schon nach 20 Jahren wurde das Bierbrauen wieder eingestellt.

Was wartet drinnen? Ratten? Fledermäuse?

Kopf einziehen heißt es beim Einstieg durch das Mauerloch, das einst mal eine Tür war. Klettern über alte Paletten. Ungewissheit, Spannung: Was wartet drinnen? Ratten? Fledermäuse? „Fledermäuse gibt es nicht im Gebäude, das hat das Umweltgutachten ergeben“, sagt Klaus Kehrberger, Eigentümer der Ruine. Denn die mögen keine Zugluft, und davon gibt es im „Schlössle“ jede Menge.

Ein Treppenhaus, dunkles, massives Holz, das Geländer in Teilen noch in der Verankerung, teils ausgerissen und als Feuerholz verwendet. Stufe für Stufe führt der Weg nach oben, jeder Tritt vorsichtig gesetzt. Wer weiß, wie morsch das Holz ist. Müll, Gerümpel, Scherben, gebröckelter Putz, Mauerteile und Graffiti prägen das Bild. Dämmerlicht, durch die leeren Fensterlöcher zieht es.

In manchen Räumen liegen Hinterlassenschaften

Im ersten Stock kleinere Räume, vielleicht mal Büros, aber auch Reste von einstigen Toiletten, Badezimmern. „Später gab es hier auch Wohnungen“, sagt Kehrberger. Unter all dem Schutt ist teils noch Holzboden erkennbar, in manchen Räumen Hinterlassenschaften aus jüngeren Zeiten. Manche Räume sind gezeichnet von Partys, andere deuten auf Notquartiere hin. Ein alter Schlafsack, Matratzen, leere Weißwein-Tetrapacks gleich bergeweise.

Ein Raum wie der andere, heruntergekommen, baufällig, abrissbereit. „Nein, das lässt sich nicht retten, da kann man nicht sanieren“, sagt Kehrberger. Und man muss ihm Recht geben. Die Räume unspektakulär, kein „Ahhh“ oder „Wow“, einfach nur Zimmer, vergammelt, verschmutzt, in manchen Zimmern Reste von Feuerstellen. Aber eines fällt auf: kaum übler Geruch nach Schimmel, Fäulnis und Verwesung. Vielleicht aufgrund der fehlenden Fenster.

Alte Flaschen, Müll, eine kopflose Barbiepuppe

Eine schmale, massive Treppe aus grob gezimmertem Holz führt ganz nach oben. Das Dach, so scheint es, ist, von einigen kleineren Löchern abgesehen, noch dicht, der Dachboden – Holz-Fachwerk und Dielen – trocken. Auch hier Hinterlassenschaften, alte Flaschen, Müll, eine kopflose Barbiepuppe.

Abstieg, Ausstieg durchs Einstiegsloch. Direkt vor dem Gebäude fallen Dimensionen und Höhe auf, wirkt das „Schlössle“ noch wuchtiger als aus der Distanz. Unten zwei große aber wenig hohe Räume, vielleicht mal Garagen. Massive Stahlsäulen, die das Gebäude tragen.

In wenigen Tagen kommt der Abissbagger

„Die werden wir vielleicht behalten und gestalterisch beim Neubau integrieren“, sagt Kehrberger. Denn die Tage der früheren Brauerei sind gezählt. In wenigen Tagen kommt der Abissbagger, zwei Monate lang wird er sein zerstörerisches Werk verrichten, dann kommt ein Neubau: 120 Apartments, vorwiegend für Studenten, will Kehrberger hier errichten.

Von den ebenerdigen großen und hohen Räumen, in denen mal gebraut wurde, wird dann nichts mehr übriggeblieben sein. Schon heute erinnert nichts mehr an den früheren Brauereibetrieb von vor 100 Jahren. Zu lange wurde der Bau anderweitig genutzt, zuerst von Voith, dann von den Städtischen Betrieben als Lager.

In einer versteckten Ecke der Zugang zu einer steinernen Wendeltreppe, die ins Dunkel nach unten führt. Im Licht der Taschenlampe vorsichtig Stufe um Stufe, 42 an der Zahl. Das Kellergewölbe, aus dem Fels geschlagen, mehrere Räume, die wohl zur Kühlung dienten. „Die ganze Brauerei steht auf dem Fels, das macht den Abbruch nicht einfacher“, sagt Kehrberger. Auch hier unten, tief in der Erde, erinnert nichts mehr an die eigentliche Bestimmung des Baus, finden sich jedoch Spuren der Lagernutzung: alte Rohre, Paletten, Dämmwolle.

Immer wieder kommen unerwünschte Besucher

Wieder nach oben, ein ums andere Mal windet sich die Treppe um sich selbst, dann Tageslicht. Das Umfeld des Komplexes genauso wenig einladend wie der Bau selbst. „Klar gab und gibt es hier immer wieder unerwünschte Besucher, das Betreten ist einfach zu gefährlich“, sagt Kehrberger. Doch die Bauzäune halten niemanden wirklich ab.

Noch nicht einmal davon, zu versuchen, die in den Fels geschlagen Stollen hinter dem Gebäude zu begehen. Die Stollen wurden einst als Eislager verwendet, später dann als Luftschutzbunker. Der sogenannte Gambrinusstollen ist immerhin stolze 180 Meter lang, die beiden künstlichen Höhlen sind miteinander verbunden. Die wird es auch nach dem Abriss des Baus noch geben, denn hier nisten tatsächlich Fledermäuse. „Wir werden die Stollen so verschließen, dass nur noch die Tiere rein- und rauskommen“, so Kehrberger.

Neubebauung beginnt in Kürze

Im kommenden Jahr soll mit der Neubebauung begonnen werden, 115 Jahre nachdem hier die Waldhorn-Brauerei gebaut wurde. Von dem Apartmenthaus erhoffen sich Stadtverwaltung und Gemeinderat auch eine Aufbesserung des gesamten Quartiers. Das ist vielen älteren Heidenheimer noch unter dem Namen Gambrinus bekannt, weil die Straße, die einst eigens als Zufahrt zur Brauerei gebaut wurde, Gabrinusstraße hieß – benannt nach Gambrinus von Brabant, dem Schutzpatron der Bierbrauer.


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