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"Ich hätte mit Yes gestimmt"

Am Donnerstag war ein schicksalhafter Tag für Schottland: die Einwohner konnten über die Unabhängigkeit ihres Landes von Großbritannien abstimmen – stimmten aber dagegen. Wäre es nach den drei von uns befragten Schotten gegangen, die in Heidenheim leben, stünde England jetzt ohne Schottland da.

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  • Die schottische Unabhängigkeit sorgt für Diskussionen, nicht nur beim Ehepaar Monika und Michael Williamson (li.). 1/2
    Die schottische Unabhängigkeit sorgt für Diskussionen, nicht nur beim Ehepaar Monika und Michael Williamson (li.). Foto: 
  • Die schottische Unabhängigkeit sorgt für Diskussionen: Mary Donald bezeichnet sich als "sehr leidenschaftliche Schottin" - und hätte bei der Abstimmung folglich mit ja gestimmt. 2/2
    Die schottische Unabhängigkeit sorgt für Diskussionen: Mary Donald bezeichnet sich als "sehr leidenschaftliche Schottin" - und hätte bei der Abstimmung folglich mit ja gestimmt. Foto: 
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Am Ende war das Ergebnis deutlicher als erwartet. Die schottische Unabhängigkeitsbewegung hat das Referendum über die Loslösung von Großbritannien verloren. Rund 55 Prozent der Schotten stimmten gegen die Unabhängigkeit ihres Landes, nur etwa 45 Prozent dafür.

Doch wie hätten in Heidenheim lebende Schotten gestimmt? Michael Williamson ist seit 21 Jahren evangelischer Pfarrer in Schnaitheim, fühlt sich aber Schottland nach wie vor verbunden: Seine Mutter war Deutsche, der Vater Schotte. Er hat in Edinburgh studiert und längere Zeit dort gelebt, und als sein Sohn kürzlich heiratete und dabei die schottische Krawatte des Vaters mit dem Muster seines Clans trug, hat ihn das beglückt.

Trotzdem ist er froh, dass er am Donnerstag nicht über die schottische Unabhängigkeit abstimmen musste: „Ich weiß nicht, was ich angekreuzt hätte“, sagt er. Damit ging es ihm wie fast 20 Prozent seiner Landsleute, die in Umfragen noch bis kurz vor der Abstimmung angaben, sie hätten sich noch nicht entschieden. Wie sie dieses Problem gelöst haben, ist mittlerweile bekannt.

Mary Donald hoffte darauf, dass die Befürworter der Unabhängigkeit in der Mehrheit sein würden – leider vergebens „Ich hätte mit Yes gestimmt“, sagt die seit über 50 Jahren in Heidenheim lebende Schottin. Sie kommt aus Glasgow und hat auch noch Verwandte dort, die alle ebenfalls die schottische Unabhängigkeit befürworten. „Ich bin eine sehr leidenschaftliche Schottin“, erklärt Mary Donald, wobei dies nichts mit einer Aversion gegen die Engländer zu tun habe: „Das ist eine politische, keine persönliche Sache“, sagt sie. Sie würde auch nicht verurteilen, was „die Engländer“ tun, sondern was „Westminster“ tut. Westminster steht für den Sitz des Parlaments in London, von wo aus Schottland seit 1707 regiert wird.

Dass damit bald hätte Schluss sein können, sieht Michael Williamson zwiespältig: „Es gibt gute Argumente für beide Wege“, meint der 57-Jährige. Auf welche Seite man sich stelle, habe womöglich auch mit der eigenen Risikobereitschaft zu tun. In jedem Fall sorgt das Thema für Gesprächsstoff auch bei ihm und seiner Frau Monika, mit der er sich die Pfarrstelle in Schnaitheim-Süd teilt.

Mary Donald glaubt, dass vor allem ökonomische Unwägbarkeiten gegen die Unabhängigkeit sprechen. „Wenn die Menschen Angst um ihr Einkommen oder ihren Arbeitsplatz haben, werden sie wohl eher mit Nein stimmen“, meint sie.

„Es ist eine Frage des Mutes“, meint Louise Schilling. Die Schottin lebt seit über 40 Jahren in Heidenheim und ist als Muttersprachlerin in den städtischen Kindergärten tätig. Die Grenze der Befürworter und Gegner verlaufe womöglich geographisch, vermutet sie: „In den Highlands fühlt man sich schon immer von England unabhängiger als in den Lowlands“, meint die Heidenheimerin, die aus Inverness im hohen Norden Schottlands kommt. Dementsprechend fällt auch ihr Votum aus: „Ich hätte ja gesagt, hätte aber auch ein bisschen Angst davor gehabt, was dann auf uns zugekommen wäre“, sagt sie.

Das Ergebnis des Referendums wurde am frühen Freitagmorgen bekannt, die Wahllokale waren am Donnerstag bis 23 Uhr geöffnet. Die Heidenheimer Schotten sind am Freitag vermutlich früh aufgestanden: „Ich sitze um 6 Uhr vor dem Fernseher“, meinte Louise Schilling am Donnerstagnachmittag.

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