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Viren: Flüchtlinge von Krankheiten gefährdet

Mit dem Herbst kommen wie jedes Jahr die Viren: grippale Infekte, Noroviren, Influenza. Besonders gefährdet, so Gesundheitsamt-Leiter Christoph Bauer, sind jetzt die Flüchtlinge in Massenunterkünften. An Schutzmaßnahmen wird gearbeitet.

Silja Kummer |

Mehrere Risikofaktoren kommen hier zusammen: Viele Asylbewerber sind durch die lange Flucht geschwächt, es sind andere Viren unterwegs als in ihren Heimatländern, sie sind die klimatischen Bedingungen nicht gewöhnt und vor allem: die Massenunterbringung von vielen Menschen auf engem Raum begünstigt die Ansteckung.

Der umgekehrte Fall, nämlich dass Asylbewerber Krankheiten nach Deutschland einschleppen, ist unwahrscheinlich. Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, medizinisch Inkubationszeit genannt, ist oft relativ kurz. Bei Ebola beispielsweise beträgt die Inkubationszeit 21 Tage. „Wer mehrere Monate auf der Flucht ist, schleppt nichts mehr nach Deutschland ein“, sagt Bauer. Viel gefährlicher sind Touristen, die mit dem Flugzeug reisen. Sie bringen durch den kürzeren Reiseweg öfter tropische Krankheiten mit nach Deutschland. „Flüchtlinge sind eher eine gefährdete Gruppe als dass von ihnen eine Gefahr ausgeht“, sagt Bauer, der selbst Mediziner ist.

Problematisch kann der fehlende Impfschutz sein. So war in Syrien der Impfstandard sehr gut, durch den mittlerweile vier Jahre andauernden Krieg hat sich dies aber geändert. Aktuell am dringlichsten ist für Christoph Bauer die Grippeimpfung. „Diese ist in Baden-Württemberg allgemein empfohlen“, sagt er. Die Impfung gegen die Influenza-Viren muss jedes Jahr neu erfolgen, auch die Impfstoffe müssen angepasst werden, da sich die Viren relativ schnell verändern.

Ebenfalls als sehr wichtig erachtet der Leiter des Gesundheitsamtes die Impfungen gegen Tetanus, Keuchhusten, Diphterie und Polio (Kinderlähmung). Erst an zweiter Stelle stehen die Impfungen gegen Kinderkrankheiten wie Mumps, Masern, Röteln und Windpocken. Nachdem vergangene Woche ein Kind in der Behelfsunterkunft in Nattheim an Windpocken erkrankt ist (siehe Extra-Artikel), wurde dort eine Impfung vor Ort organisiert, da diese auch bei bereits erfolgter Ansteckung wirkt.

Zusammen mit der Kreisärzteschaft hat sich das Gesundheitsamt am Mittwoch auf einen generellen Impfplan für Flüchtlinge geeinigt. Geplant sind Reihenimpfungen direkt in den Unterkünften. „Zuerst wird über die Impfung aufgeklärt, möglichst in verschiedenen Sprachen, dann wird geimpft“, erläutert Dr. Jörg Sandfort, Vorsitzender der Kreisärzteschaft.

Die Impfung gegen Krankheiten habe immer zwei Seiten, sagt Bauer: Die eine sei der Schutz des Individuums vor der Krankheit, die andere der sogenannte Herdenschutz, mit dem die Krankheit ausgerottet werden könne. „Dann sind auch Menschen geschützt, die aufgrund von Krankheit oder Schwangerschaft nicht geimpft werden können“, erklärt Bauer.

Große Sorgen bereitet dem Fachbereichsleiter der Norovirus. Dabei handelt es sich um eine höchst ansteckende Magen-Darm-Erkrankung, die gehäuft in den Monaten Oktober bis März auftritt. Eine Impfung dagegen gibt es nicht. „In Massenunterkünften würde sich ein solcher Virus sehr schnell verbreiten, auch die Isolierung von Kranken ist nur begrenzt möglich“, sagt Bauer.

Problematisch könnte auch die Versorgung von Erkrankten werden, da Magen-Darm-Krankheiten normalerweise im häuslichen Umfeld gepflegt würden und keinen Krankenhausaufenthalt erfordern. „Wer soll da dann die Pflege übernehmen?“, fragt sich Bauer, denn hier stoße auch ehrenamtliches Engagement an seine Grenzen. Vorbeugen kann man dem Norovirus nur durch sorgfältige Hygiene wie regelmäßiges Händewaschen. Aber diese sei beispielsweise in Pflegeheimen optimal gegeben, trotzdem würden dort regelmäßig Norovirus-Epidemien auftreten.

Auch der Befall mit Kopfläusen komme bei Flüchtlingen vor, allerdings stehe dieser nicht im Zusammenhang mit mangelnder Hygiene, so Bauer. Eine Besonderheit sei allenfalls, dass Läuse aus Entwicklungsländern Träger von Bakterien sein können. Dadurch kommt es zu Erkrankungen wie dem Fünf-Tage-Fieber oder Rückfallfieber, die jedoch nicht von Mensch zu Mensch, sondern ausschließlich durch die Kopfparasiten übertragen werden. Auch bei den Läusen gilt, dass sie es dort, wo Menschen sich besonders nahe kommen, leichter haben, von Kopf zu Kopf zu wandern. Dies ist aber von jeher in Kindergärten und Schulen der Fall.

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