Verlassen, vergessen, verloren: "Schichtende" im Pressehaus
Das Staunen packt einen derzeit in der Fotogalerie des Heidenheimer Pressehauses. Und das zunächst infolge der irgendwie auch erschreckenden Erkenntnis, wie schnell doch alles und jeder – außer bei denen, deren Existenz von oder deren Herz an dem Verschwundenen hing – in Vergessenheit gerät.
Autor: Manfred F. Kubiak |Seit die Fotografie immer stärker in den Fokus praktizierender Künstler gerückt ist, hat der Terminus Fotokünstler dem des bescheidener firmierende Fotografen den Rang abgelaufen. Seither gilt, nicht in allen, aber in vielen Fällen: Man kann alles ausstellen, solange sich davor ein professioneller, noch besser professoraler Lobredner aufbaut und mal klarstellt, was man von der Sache zu halten hat. Bei solchen Gelegenheiten wird schnell auch mal ein verwackelter Schnappschüsse von der Liegewiese eines Freibades in Gelsenkirchen flugs zum pure Soziographie atmenden Vexierbild. Da staunt dann der Laie. Und der Fachmann? Der wundert sich.
Nicht herbeigeredet, sondern unmittelbar hingegen packt einen das Staunen derzeit in der Fotogalerie des Heidenheimer Pressehauses. Und das zunächst infolge der irgendwie auch erschreckenden Erkenntnis, wie schnell doch alles und jeder – außer bei denen, deren Existenz von oder deren Herz an dem Verschwundenen hing – in Vergessenheit gerät. Oder wer erinnert sich noch an Ploucquet?
Ein großes Werk, von Menschen geplant, aufgebaut, erhalten, abgewickelt und am Ende vom Heidenheimer Erdboden getilgt. Vom Ploucquet-Areal wird noch eine Weile die Rede sein. Und dass hier Industriegeschichte geschrieben wurde? Geschichte, eben.
Als der Abriss des Ploucquet-Standorts längst beschlossen war und auch die letzten Mitarbeiter die zig dazu gehörigen Gebäude verlassen hatten, fand es der HZ-Online-Redakteur Arthur Penk an der Zeit, sich dort einmal mit seiner Kamera umzutun. Er traf dort zuerst auf eine im Vergleich zu der hier einst herrschenden Geschäftigkeit geradezu unheimliche Stille. Und doch hatte Penk den Eindruck, dass mit dieser in einem solchen Umfeld durchaus gespenstischen Ruhe ein gewisses Hintergrundrauschen, ein Nachklang dessen, was einmal war, einherging. Beinahe zu hören war.
Und tatsächlich: Fast vermeint man, auch etwas davon zu hören, wenn man sich in Penks 30 Bilder vertieft. Es handelt sich hierbei um Live-Fotografie im besten Sinne, auch wenn vom Leben keine Spur mehr zu finden ist, sondern nur vage Erinnerung daran. Erinnerung, die man nun, da von all dem nichts mehr übrig ist, nicht einmal mehr nachprüfen kann.
„Schichtende“ lautet der Titel der Ausstellung. Und worauf man sich bei ihr außer der Verheißung eines spannenden, klug aufgebauten Rundgangs noch verlassen kann, sind Fotografien, die für sich selbst sprechen und für den Fotografen. Denn ganz nebenbei beweist Arthur Penk, dass er neben dem Blick fürs Motiv und fürs Detail auch das sicher Gespür für den graphischen Aufbau und die Harmonie eines Bildes hat.





