Suche nach neuen Spuren am Leichenfundort geht weiter
Die Soko Flagge hat ihre Spurensuche im Mordfall Bögerl fortgesetzt. Am Mittwoch waren wieder mehr als 100 Beamte im Einsatz. Inzwischen haben sich die Ermittler nach zweijähriger Recherche von der Zopfmann-Theorie verabschiedet.
Autor: Karin Fuchs |Die Sonne scheint, der Wald zeigt sich von seiner schönen Seite im Frühlingsgrün. Die Hundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Biberach arbeitet unter wesentlich besseren Bedingungen als am Montag bei Regenwetter. Dennoch ist die Arbeit hart. Auf Knien rutschen die Beamten auf dem Waldboden in gekennzeichneten Flächen vorwärts. Jeder Stock, jedes Blatt wird umgedreht, mit den bloßen Händen oder mit Holzstecken. Jeder Zentimeter wird vorher und nachher mit einem Metallsuchgerät abgetastet. In Sichtweite, einige 100 Meter entfernt, war drei Wochen nach der Entführung aus ihrem Wohnhaus in Schnaitheim die Leiche Maria Bögerls unter einem Reisighaufen am Waldrand gefunden worden.
Soko-Leiter Zaiß geht immer wieder die Fakten und die möglichen Szenarien durch. Maria Bögerl wurde in ihrer A-Klasse entführt. Der Täter sei in diesem Auto unterwegs gewesen. „Das war riskant“, wundert sich Zaiß über das Vorgehen des Entführers. Das Auto war, da ist sich Zaiß sicher, sowohl an der Geldübergabestelle an der Autobahn sowie auch am Leichenfundort. Zwei Tage später wurde es im Klosterhof Neresheim gefunden. Das sind die Fakten. „Die Frage ist nun, wo fuhr der Täter, wie fuhr er“, sagt Zaiß und faltet eine Wanderkarte auseinander. Markiert sind die Stellen, an denen das Auto mit Sicherheit war. Dazwischen sind viele Wege möglich. Es gebe viele Hinweise, dass jemand eine A-Klasse gesehen habe, doch gebe es eben auch viele schwarze A-Klassen, sagt Zaiß und beschreibt so den Radius, in dem sich die Ermittler bewegen. Ganz sicher sei allein, dass die A-Klasse am Entführungstag, dem 12. Mai 2010, einen Tag vor Himmelfahrt, zwischen 10.40 und 11.10 Uhr Schnaitheim verlassen habe, wo Maria Bögerl aus ihrem Wohnhaus entführt worden war.
Viele Theorien werden verfolgt, doch Zaiß stellt auch klar: „Wir orientieren uns an Fakten.“ Deshalb haben sich die Ermittler nach zweijähriger Recherche auch von der Zopfmann-Theorie verabschiedet. Ein solcher Mann mit Pferdeschwanz war am Tattag in Nietheim gesehen worden. „Man muss davon ausgehen, dass der Mann mit der Tat nichts zu tun hat.“ 1500 Spuren hätten sie abgeklärt, keine hätte eine Verbindung ergeben.
Auch wenn Zaiß die Spurenlage an sich als „nicht schlecht“ bezeichnet, so bleiben dennoch viele Rätsel. Eines davon ist die Handschließe, mit der Maria Bögerl gefesselt gewesen war. Alle Fachkreise sagten, sie hätten eine solche Schließe nicht im Sortiment, so Zaiß. Bis in die USA hätten die Ermittlungen geführt – ohne Ergebnis. Die Handschelle ist ein Plagiat der Firma Bianchi, die selbst die Produktion bereits Ende der 90er-Jahre eingestellt hat.
Bis in den späten Nachmittag kriechen die Beamten den Waldboden ab. Der Tümpel, der abgepumpt und dessen Lehmschicht einige Meter tief durchsucht worden ist, ist wieder mit 5000 Litern frischen Wasser gefüllt. Nur noch ein wenig aufgewühltes Erdreich erinnert, dass hier der Mensch Hand angelegt hat. Über dies Spuren werden Gras wachsen. Nicht jedoch über den rätselhaften Mord, der nicht nur die Ermittler weiter in Atem hält.



Mann o Mann...



