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Sportlerin Verena Bentele ermutigt psychisch Behinderte

Sie ist erfolgreiche Sportlerin, hat im Biathlon zwölf Goldmedaillen bei paralympischen Spielen gewonnen und ist politisch als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung aktiv: Verena Bentele war am Mittwochabend im „Café 8“ und tauschte sich mit den hier beschäftigten psychisch Behinderten über Inklusion aus.

Andreas Uitz |

Nein, sie sei schon blind zur Welt gekommen, habe noch nie sehen können, antwortete die 33-jährige Verena Bentele auf die Frage eines Besuchers. Und doch hat die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung nicht nur in sportlicher Hinsicht eine beispielhafte Karriere hingelegt. Nach der Schulzeit in einer Sonderschule („von Inklusion war da noch keine Rede“) studierte sie Neue Deutsche Literatur, arbeitet als freiberufliche Referentin im Bereich Personaltraining und -entwicklung, ist Botschafterin verschiedener Einrichtungen. Neben all dem legte Bentele auch noch eine vorbildliche sportliche Karriere hin, gewann als Mitglied der paralympischen Nationalmannschaft bei paralympischen Spielen insgesamt zwölf Goldmedaillen im Biathlon.

Für Sport lasse ihr die berufliche Tätigkeit leider keine Zeit mehr, erklärte sie bei einem Gespräch mit Mitarbeitern und Verantwortlichen des „Café 8“. Hier, im Erdgeschoss des Gewerkschaftshauses, sind zehn psychisch behinderte Männer und Frauen beschäftigt. Sie arbeiten „normal“ in diesem Gastronomiebetrieb, bedienen die Gäste, bereiten Speisen und Getränke zu – und das Ganze in einer Art geschütztem Rahmen.

Um genau diese Art der Beschäftigung für Behinderte, um die mögliche Inklusion von Menschen mit Handicap in den regulären Arbeitsmarkt, aber auch um die ganz individuellen Probleme der „Café 8“-Mitarbeiter ging es im Gespräch mit Bentele. Die nahm sich viel Zeit, hörte zu und machte Mut. Gleichwohl räumte sie ein, dass in Sachen Inklusion auf dem Arbeitsmarkt noch viel geleistet werden muss, dass die Bedingungen für Behinderte, zu arbeiten, nicht optimal sind. Was im baden-württembergischen Schulgesetz festgeschrieben ist, nämlich dass Eltern wählen können, wo sie ihre behinderten Kinder beschulen lassen wollen, sei vorbildlich. Doch bis die Inklusion wirklich in den Köpfen angekommen sei, werde es wohl noch Jahrzehnte dauern, sagte Bentele.

Gleichwohl machte sie den Beschäftigten Mut. Mut, es auch mal mit Praktika oder Bewerbungen auf dem freien Markt zu versuchen. Die Arbeit im Café habe bei vielen Beschäftigten schon Entwicklungen aufgezeigt, die in einer beschützten Werkstätte wohl nicht aufgetreten wären, sind sich die Betreuer und Verantwortlichen von der Awo einig. „Aber in der schnelllebigen Arbeitswelt haben Menschen mit Handicap leider häufig keinen Platz“, so Awo-Chefin Birgit Koepsel. Sie hält einen sozialen Arbeitsmarkt für notwendig.

Der SPD-Landtagsabgeordnete und Kultusminister Andreas Stoch, der Bentele nach Heidenheim geholt hatte, sprach aber auch die Kehrseite an: „Die Träger der sozialen Einrichtungen dürfen die Menschen nicht mit ihrer Fürsorge erdrücken, sondern müssen ihnen auch Entwicklungsmöglichkeiten gewähren.“ Dass die im „Café 8“ gegeben sind, darin sind sich die Beschäftigten einig. Ob sie es auch gerne auf dem regulären Arbeitsmarkt versuchen würden? „Ich glaube, ich bin noch nicht so weit“, sagt einer.

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