Soko „Flagge“ wird weiter reduziert
Der Mordfall Bögerl ist und bleibt mysteriös. Noch immer gibt es keine heiße Spur, und die Intensität der Ermittlungen wird bis auf Weiteres nicht weiter zunehmen. Eher umgekehrt, denn zumindest personell schaltet man in der Soko „Flagge“ einen Gang zurück.
Autor: erwin bachmann |Unmittelbar nach der Entführung der später tot aufgefundenen Maria Bögerl hatte die Polizei im Mai 2010 alle verfügbaren Kräfte an die Ermittlungsfront geworfen und eine aus 80 Beamten bestehende Sonderkommission gebildet, um Tausende von Hinweisen und Spuren abzuarbeiten. Doch schon gut eineinhalb Jahre später war die Soko „Flagge“ nur noch mit 34 Mann besetzt.
Seit Beginn dieses Jahres ist die aktuell auf 16 Mitglieder zusammengeschmolzene Sondereinheit bei der Stuttgarter Landespolizeidirektion. Für die Anfang September ausgestrahlte Fernsehfahndungssendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ war dieses Spezialistenteam vorübergehend aufgestockt worden, um alle wichtigen Hinweise zeitnah bearbeiten zu können. Jetzt aber geht der Personalabbau weiter fort. LPD-Sprecher Frank Buth bestätigt, dass die Arbeit der Soko Anfang nächsten Jahres mit weiter reduziertem Umfang fortgeführt wird. In welchem Maße Personalstellen gekürzt werden, sei derzeit noch offen, doch nach Informationen unserer Zeitung sollen alle sechs von der Polizeidirektion Heidenheim aus in der Soko mitarbeitenden Beamten sowie ein Göppinger und ein Aalener Ermittler abgezogen werden.
Nach dieser noch unbestätigten Rechnung würde sich die Soko-Stärke halbieren. Für die Heidenheimer Polizeidirektion würde das eine Entlastung bedeuten, da Kräfte frei werden, die durch die Bögerl-Ermittlungen bislang gebunden waren. Bereits vor Monaten hatten sich an der Spitze der von Volker Zaiß geführten Soko Veränderungen ergeben, nachdem der stellvertretende Soko-Chef und einer der beiden Hauptsachbearbeiter – beide aus Heidenheim – auf eigenen Wunsch ausgeschieden waren. Auch wenn es ganz danach aussieht, dass die Luft aus den Ermittlungen raus ist, soll die Soko nach Auskunft des Polizeisprechers in jedem Falle so gestaltet sein, dass die Schlagkraft erhalten bleibt. Immerhin sind von den seit Beginn der Ermittlungsarbeit knapp über 9800 registrierten Hinweisen „noch einige hundert“ abzuarbeiten. 520 Hinweise waren seit der „XY“-Sendung eingegangen, von der sich die Fahnder offenbar mehr versprochen hatten. Von der im Mai im Regierungspräsidium gewagten Prognose ist man jedenfalls weiter entfernt denn je: Dort hatte man sich damals „fest entschlossen“ gezeigt, den Kriminalfall noch in diesem Jahr zu lösen.
Nach wie vor aber sind Schlüsselfragen des Falles offen, weist das mühsam zusammengefügte Puzzle der Kriminalisten noch so viele Lücken auf, dass weder die Motivation des Täters noch ein Handlungsfaden erkennbar ist.
Beispiele: Auch wenn die Ermittler bis nach Taiwan ermittelt haben, bleibt die Herkunft der bei der Leiche Maria Bögerls gefundenen Handschelle unbekannt. Selbst mehr als 3000 Speichelproben – darunter von Angehörigen des Klosters Neresheim und aller Waldarbeiter, die im 40 Quadratkilometer großen Waldgebiet zwischen Leichen- und Auto-Fundort tätig waren – brachten keine heiße Spur. Und auch die mehr als 600 im Kreis Heidenheim gemeldeten und von der Kripo unter die Lupe genommenen Exemplare der schwarzen A-Klasse, wie sie von dem Mordopfer gefahren worden war, haben die Ermittlungen nicht in Fahrt gebracht.
Die einzige Hoffnung ruht neben dem Kommissar Zufall auf der Hartnäckigkeit der Soko. Deren Kopf ist in diesen Dingen ein ausgewiesener Dickkopf: Volker Zaiß eilt der Ruf voraus, einer der besten Fahnder im Land zu sein. Mit einer besonderen Präferenz für Altfälle.




