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Rocker-Treffen führt zu Polizei-Großeinsatz

Ob man seit den Ereignissen in Köln nun besonders gründlich sein will? – Man weiß es nicht. Auffallend ist jedenfalls, dass die Polizei am Wochenende auf ein in Oggenhausen angekündigtes Treffen der rockerähnlichen United Tribuns mit einem Großaufgebot von Sicherheitskräften reagiert hat.

erwin bachman |
Überzogen oder nicht? Auch das lässt sich von außen her nur schwer beurteilen. Immerhin: Chorknaben sind die bundesweit und auch in Baden-Württemberg in sogenannten Chaptern organisierten Mitglieder dieser aus der Bodybuilder-Szene kommenden Vereinigung nicht. Nach eigenen Angaben sind die in schwarzen „Kutten“ auftretenden Männer im Bereich Security tätig, gern auch im Rotlicht-Milieu – und nach polizeilicher Erfahrung sind die auch schon vom Verfassungsschutz beobachteten Mitglieder der „Bruderschaft“ immer wieder in gewalttätige Konkurrenzkämpfe mit anderen Rockerclubs verwickelt, die Gebietsansprüche oder Vormachtstellungen beanspruchen.

Speziell in der Region Heidenheim sind die United Tribuns bislang nicht besonders aufgefallen. Anders in Ulm, wo die Polizei in der Vergangenheit immer wieder bemüht werden musste, einen Rockerkrieg zwischen rivalisierenden Gruppen zu verhindern und wo die Namen verschiedener Gangs bereits einen Stammplatz in der Kriminalitätsstatistik haben – was denn auch die Intensität des jüngsten Polizeieinsatzes in Oggenhausen erklären mag.

Die United Tribuns hatten die Sicherheitsbehörden aus eigener Initiative von dem in dem Heidenheimer Teilort geplanten „Freundschaftstreffen“ des Chapters Ulm informiert, dessen Chef aus Heidenheim kommt. Im Polizeipräsidium Ulm fuhr man die Antennen daraufhin weit aus und reagierte mit weitreichenden präventiven Maßnahmen. So wurden im Vorfeld der Veranstaltung Angehörige der Kriminalpolizei in Marsch gesetzt, um die im „König“ für Samstag reservierten Räumlichkeiten zu inspizieren. Am Tag der Veranstaltung selbst riegelten starke Polizeikräfte bereits am Nachmittag alle Ortseingänge Oggenhausens ab und richteten bis in den Abend hinein Kontrollstellen ein, die auch von mit Maschinenpistolen ausgerüsteten Beamten besetzt waren. Wer in die Ortschaft hinein wollte, musste sich ausweisen, im Zweifel wurden Fahrzeuge inspiziert und die Kofferräume durchsucht. Parallel zu den Zufahrtskontrollen kreiste über Stunden ein Polizeihubschrauber überm Dorf – und all dies diente nach Auskunft von Polizeisprecherin Claudia Kappeler dazu, die Sicherheit sowohl der Bevölkerung als auch der Veranstalter gewährleisten zu können.

Um die polizeilichen Maßnahmen optimal steuern zu können, waren einzelne Abschnitte der in Ulm eingerichteten Einsatzzentrale in Räume der am Rande Oggenhausens gelegenen Verkehrspolizeidirektion Heidenheim ausgelagert worden. Angaben über die Zahl der eingesetzten Kräfte wurden nicht gemacht, doch dürften in dieser Angelegenheit gut und gern 20 Polizeifahrzeuge unterwegs gewesen sein. „Belagerungszustand“, so eine Stimme aus der Bürgerschaft, wo teils Unverständnis darüber herrschte, dass in dem Lokal diese so ungeahnte Kreise ziehende Reservierung überhaupt angenommen worden war. Vonseiten der Hausbesitzer wurde in diesem Zusammenhang versichert, nichts davon gewusst zu haben.

Ein Teil des starken Polizeiaufgebots war auch außerhalb des eigentlich zu schützenden Raumes unterwegs. So tauchten Beamte am späten Samstagnachmittag auch vor McDonalds in Heidenheim auf, um eine von außerhalb zu dem Treffen anreisende Gruppe zu kontrollieren. Später, gegen 22 Uhr, kam es dann auch in der Heidenheimer Olgastraße zu einem größeren Polizeieinsatz, der nach gestrigen Angaben des Ulmer Polizeiführers vom Dienst im – nicht näher beschriebenen – Zusammenhang mit den in Oggenhausen betriebenen Sicherheitsmaßnahmen stand.

Das nach Angaben der Veranstalter von insgesamt 350 Angehörigen besuchte „Freundschaftstreffen“ selbst ist friedlich verlaufen. Wie der Pressesprecher der United Tribuns, der Münchner Fritz L., gegenüber unserer Zeitung wissen ließ, gab es neben Showeinlagen – fast wie bei einer ordentlichen Hauptversammlung – auch Ehrungen verschiedener Member. Aber, ganz anders als in der Vereinswelt, keinen Alkohol. „Das hat sich so eingebürgert, damit's kein Problem gibt“, sagt der Vertreter der Vereinigung, deren in der Öffentlichkeit höflich auftretende Mitglieder so gern die überwiegend tätowierten Muskeln spielen lassen und mit ihrer Martialität eine andere Außenwirkung als ihre Selbstwahrnehmung erzeugen: Eine Streetgang will man in keinem Fall sein.

Den auffallend starken Polizeieinsatz findet Fritz L., der im gutbürgerlichen Leben Unternehmer ist, im nachhinein völlig überzogen, fast schon lächerlich. Demgegenüber steht ein noch nicht verifizierter Vorgang, der sich nicht so lustig anhört. Wie ein Polizeisprecher gestern auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, ist am Samstag vor dem eigentlichen Beginn des Rocker-Treffens – aus einem fahrenden Auto heraus? – „etwas“ gegen das Veranstaltungsgebäude bzw. auf den Parkplatz geworfen worden. Ob dieser auf dem Gehweg gefundene Gegenstand ein Molotowcocktail war, könne noch nicht gesagt werden: „Das ist Gegenstand der Ermittlungen.“

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