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Kammer gibt sich beim Festakt der Organisation selbstbewusst

Mehr als 1400 Prüfer hat die Handwerkskammer Ulm für die nächsten fünf Jahre bestellt. Diesen ehrenamtlichen Einsatz ihrer Mitglieder würdigte die Kammer am Freitag mit einem Festakt im Congress Centrum. Dabei zeigten sich die Handwerker trotz Sorgen durchaus selbstbewusst, was sich auch in der Wahl des Hauptredners Wolfgang Grupp widerspiegelte.

Autor: Jens Eber |
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Zwischen Ellwangen und Friedrichshafen – so weit reicht der Bezirk der Handwerkskammer Ulm – durchlaufen jährlich rund 3000 Auszubildende 200 Prüfungen in 39 Gewerken. Möglich ist dies nach Ansicht von Kammerpräsident Anton Gindele, Schreinermeister aus der Nähe von Ravensburg, nur, weil sich die Prüfer ehrenamtlich um den Einstieg junger Leute ins Berufsleben verdient machen.

Dennoch plagt das Handwerk Sorgen: Der Rückgang der Ausbildungszahlen sei überraschend hoch, so Gindele. Zuletzt ist die Zahl der Ausbildungsverträge um neun Prozent gesunken, in einzelnen Gewerken sogar um ein Drittel. Diese „Lehrlingsknappheit“ könne zu einem gravierenden Problem werden, wenn künftig kein Bäcker mehr vor Ort sei und niemand, der die tropfende Heizung repariere. Dieser Schwund sei, so Gindele, hausgemacht: „Der Drang zu so genannten höheren Bildungsabschlüssen gefährdet den Wohlstand unseres Landes.“ Dabei sei doch gerade die duale Ausbildung bislang „das Rückgrat“ der Wirtschaft gewesen. Oberbürgermeister Bernhard Ilg nahm diesen Gedanken in seinem Grußwort auf: Wenn der Weg zu einer Berufsschule erst länger sei als zu einer Hochschule, dann sei dies eine Verschlechterung. Immerhin hätten in Heidenheim rund zwei Drittel aller Beschäftigten eine Lehre abgeschlossen.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Dr. Tobias Mehlich, bekräftigte das Selbstbewusstsein das Branche. Man werde in den kommenden Jahren dafür streiten, dass die Gesellenprüfung die gleiche Wertigkeit bekomme, wie das Abitur.

Mit Wolfgang Grupp, dem Alleineigentümer des Bekleidungsherstellers Trigema aus Burladingen (Zollernalbkreis) hatte die Kammer einen Redner geladen, der um klare Worte nicht verlegen ist und seit Jahrzehnten beweist, dass ein ganz eigener Weg zum Erfolg führen kann. Grupp, bundesweit auch bekannt aus dem seit Jahren nahezu unveränderten Werbespot mit dem sprechenden Schimpansen („Hallo, Fans!“), kokettierte zwar mit seiner Bedeutung als Unternehmer („Was mag den Präsidenten bewogen haben, mich kleinen Unternehmer in diese elitäre Stadt zu laden?“) und verwies immer wieder auf seine „Volksschulbildung“ (die freilich in einem Schweizer Internat und an der Uni Köln ergänzt wurde). Er verdeutlichte aber auch, dass das Überleben seiner Firma in einer „ausgestorbenen Branche“ kein Zufall sei. Ausbildung sei für ihn selbstverständlich, nicht, weil er „sozial oder sonstwas“ sei, sondern weil er – „Da bin ich Egoist!“ – mit gut ausgebildeten Mitarbeitern Geld verdienen wolle.

Die Politik sei gefragt, damit Entscheidungsträger künftig persönlich haftbar gemacht würden. Es könne nicht sein, dass Millionen verdiene, wer Milliardenverluste verantworte.

„Wenn ich Arbeitsplätze abbauen muss, weil Chinesen mein Produkt besser machen, dann habe ich als Unternehmer versagt“, so Grupps Einstellung. Für ihn bedeute Wachstum nicht den Ausbau der Kapazität, sondern die stetige Verbesserung der Produkte. Technisch hochwertige Produkte müssten auch künftig in Deutschland hergestellt werden, sonst wandere wertvolles Wissen ab. Forschung und Entwicklung dürfen keinesfalls aus Kostengründen ausgelagert werden.

Grupp pochte vor rund 200 Zuhörern im Congress Centrum auch darauf, die „Wasserköpfe“ in den Unternehmen abzubauen, immerhin komme Trigema bei 1200 Mitarbeitern mit 32 Beschäftigten in der Verwaltung aus. Seit er Ende der Sechzigerjahren den Betrieb übernahm, habe es „nie eine Stunde Kurzarbeit“ gegeben. Zudem biete er allen Kindern seiner Mitarbeitern Ausbildungsplätze an – auch das sei „reiner Egoismus“, schließlich werde kein Lehrling Ärger bereiten, wenn sein Vater im selben Betrieb arbeite, so Grupp. Dabei sei es immens wichtig, die Auszubildenden zu motivieren, dann seien sie spätestens im dritten Lehrjahr vollwertige Arbeitskräfte.

Abschließend bekräftigte Grupp sein Verständnis des Unternehmertums: „Wenn Trigema je ein Problem haben sollte, dann kann es nur einen Schuldigen geben, und der bin ich.“

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