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Grab verschwindet unter mysteriösen Umständen

Die Geschichte klingt nicht nur kurios, sie ist es auch: Auf dem Waldfriedhof ist ein Grab verschwunden. Keiner, so scheint es, kann sich das erklären.

Andreas Uitz | 1 Meinung

Bislang ließen sich die Vorgänge nicht aufklären, der Sohn des bereits 1990 verstorbenen Paares, das auf dem Waldfriedhof beerdigt worden war, kommuniziert mittels Anwalt mit der Stadtverwaltung, doch die weist jegliche Schuld von sich. Obwohl der Vorgang bereits seit Monaten läuft, konnte noch immer nicht ermittelt werden, wie es dazu kam, dass ein Grab auf dem Waldfriedhof einfach geräumt wurde und verschwunden ist.

Doch von Anfang an: Im Jahr 2011 richtete ein schwerer Sturm ganz erhebliche Schäden auf dem Waldfriedhof an. Umgestürzte Bäume und große abgebrochene Äste zerstörten oder beschädigten zahlreiche Gräber, der Friedhof war wegen der Aufräumarbeiten tagelang gesperrt.

Betroffen war auch das Grab der Eltern eines heute in München lebenden Heidenheimers. Angesichts der Tatsache, dass dieser die Grabnutzungszeit erst im Jahr 2010 für sieben Jahre zum Betrag von 1300 Euro verlängert hatte, suchte er nach einem Steinmetz, der den beschädigten Grabstein wieder in Ordnung bringt. Letztlich entschied sich der Nachkomme für ein Angebot, der Steinmetz sichtete die Zerstörungen, besorgte Material für die Reparatur und wollte den Schaden beseitigen.

Doch als der beauftragte Handwerker kurze Zeit später im September dieses Jahres nochmals das Grab begutachten wollte, stand er plötzlich vor dem Nichts: Der rund 600 Kilo schwere Grabstein und der Plattenbelag waren verschwunden, die umfassende Steinmauer lag in Einzelteile zertrümmert auf dem Erdhaufen, der als einziges Überbleibsel der Grabstätte geblieben war.

Wenig später erhielt der Nachkomme im fernen München ein Schreiben der Friedhofsverwaltung: Er solle unterzeichnen, dass er auf die restliche Nutzungszeit des Grabes verzichte und dass auf Kostenerstattung seitens der Stadt kein Anspruch bestehe. Aus dem Schreiben geht hervor, dass die Friedhofsverwaltung davon ausgeht, dass der Nachkomme das Grab vorzeitig abräumen ließ.

Aber dem ist nicht so. Es sei nie jemand beauftragt worden, das Grab zu räumen, vielmehr habe er ja den beschädigten Grabstein reparieren lassen wollen, sagt der Münchner. Schuld an dem Verschwinden der Grabstelle sei die Friedhofsverwaltung, die das Grab geräumt habe. Doch diese beteuert, generell keine Gräber zu räumen. Vielmehr müssten die Nutzungsberechtigten, also meist die Hinterbliebenen, dafür Sorge tragen.

„Unsere Friedhofsmitarbeiter können sich die angeblich nicht in Auftrag gegebene Räumung nicht erklären, sind auch bereit, dazu eine eidesstattliche Versicherung abzugeben und sind selbst daran interessiert, den Sachverhalt aufzuklären“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Friedhofsmitarbeiter hätten umgehend den Verbleib des Grabsteins recherchiert und ihn bei einem Entsorgungsbetrieb in Bolheim gefunden. Wie er dorthin gelangte, scheint sich nicht klären zu lassen. Außerdem, so versichert die Stadtverwaltung, habe man alle zugelassenen Steinmetz- und Gärtnereibetriebe sowie Dienstleistungsunternehmen befragt, ob sie tätig geworden waren. Auch das habe kein Ergebnis gebracht. „Allerdings ist der Friedhof öffentlich, und es haben deshalb auch nicht zugelassene Betriebe Zugang“, heißt es in der städtischen Stellungnahme. Eine Rückerstattung der Grabgebühr für die Restlaufzeit sei aus satzungsrechtlichen Gründen jedoch nicht möglich.

Doch um die Erstattung geht es dem Hinterbliebenen nur zweitrangig. Neben dem materiellen ist es vor allem der immaterielle Schaden, der ihn umtreibt. „Es muss einen Verantwortlichen geben, und den sehe ich bei der Friedhofsverwaltung“, sagte der betroffene Mann gegenüber unserer Redaktion. Der Rechtsanwalt des Betroffenen vermutet, dass das Grab wohl durch ein Versehen der Friedhofsverwaltung eingeebnet und der Grabstein zum Recyclinghof gebracht wurde.

Doch auch das wird von der Verwaltung in einem Briefwechsel mit dem Rechtsanwalt des Münchners vehement bestritten. Vielmehr wird in dem Schreiben aus dem Rathaus angedeutet, dass es schon mehrmals vorgekommen ist, dass „eine falsche Grabstätte von einem beauftragten Betrieb bzw. ortsfremden Gewerbetreibenden geräumt wurde und dies im Nachhinein erst bekannt wurde“. Allein diese Aussage veranlasst den Anwalt wiederum, der Stadt vorzuwerfen, den Waldfriedhof nicht richtig zu beaufsichtigen. Wie der Rechtsstreit enden wird, ist noch offen.

Ebenso die Frage, wer denn nun für das Verschwinden des Grabes verantwortlich ist und ob sich das jemals wird klären lassen. Ein Interesse, das Grab einfach zu entfernen, dürfte nach derzeitigem Sachstand wohl niemand gehabt haben. Und sollte es ein Versehen gewesen sein, wird sich der Verursacher wohl kaum freiwillig zu erkennen geben.

1 Kommentar

16.12.2012 18:34 Uhr

Irgendwas

lief da schief. Irren ist menschlich. Vielleicht hat die Stadtverwaltung einen Fehler gemacht. Oder die dortige Friedhofsverwaltung. Kann auch sein, es war eine Fremdfirma. Der Sturm ist der Schuldige.

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