Nach Tarifstreit gerät Klinikum Heidenheim in Finanznot

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust. Einerseits ist Klinikum-Geschäftsführer Reiner Genz froh, dass der im Zuge des Tarifstreits drohende Ärztestreik abgewendet werden konnte. Andererseits schlagen ihm die Kosten des Tarifabschlusses aufs Gemüt.

Alles hat seinen Preis. Die in letzter Minute vor einem Arbeitskampf herbeigeführte Einigung zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und den kommunalen Arbeitgebern bringt den knapp 170 Ärzten des Klinikums Heidenheim neben anderen Verbesserungen rückwirkend ab Januar 2,9 Prozent mehr Gehalt und eine Einmalzahlung von 440 Euro – und verursacht auf der anderen Seite Kosten, die aus Sicht des Krankenhaus-Managements nur noch sehr schwer zu stemmen sind.

Die Tatsache, dass der Streik kein Thema mehr ist, wird auf dem Schlossberg als „erfreulich und gut“ gewertet. Dem Ergebnis des Tarifabschlusses hingegen wird hinsichtlich der finanziellen Situation der Krankenhäuser kein gutes Zeugnis ausgestellt. „Sehr schlecht“, so die von Reiner Genz vorgenommene Benotung, der eine erste überschlägige Berechnung zugrunde liegt. Demnach wird sich die durch das jüngste Tarifgeschehen verursachte Mehrbelastung auf etwa 400 000 Euro belaufen.

Doch damit nicht genug. Wie anderen Krankenhäusern droht auch dem Klinikum Heidenheim ein Doppelschlag, denn kaum ist der Tarifkonflikt auf ärztlicher Ebene beigelegt, steht schon die nächste Verhandlungsrunde vor der Tür. Im März will die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Flagge zeigen, um für das nicht ärztliche Personal an Krankenhäusern Verbesserungen zu erstreiten. Noch sind die Forderungen nicht formuliert, doch geht etwa der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Alfred Dänzer, davon aus, dass die jetzt vereinbarte Drei-Prozent-Marke auch das für die übrigen Krankenhaus-Beschäftigten angepeilte Maß sein wird. Dazu zählen am Heidenheimer Klinikum rund 1350 der etwas mehr als 1500 Beschäftigten, also – als größte Berufsgruppe – alle Pflegekräfte sowie die in der Verwaltung und Technik tätigen Mitarbeiter.

So kommt es in diesem Jahr also besonders dick, und es wundert nicht weiter, dass man auch in Heidenheim angesichts eines sich immer höher aufschwingenden Kostenberges nichts Gutes ahnt. Während Klinikum-Geschäftsführer Genz auf der Ausgabenseite mit zunehmenden Belastungen rechnen muss, sieht er die Einnahmenseite in einem engen Korsett stecken. Gemeint ist die für Krankenhäuser gesetzlich vorgegebene Budgetsteigerungsrate, die keinen Ausgleich verspricht, weil sie für 2012 lediglich 1,45 Prozent vorsieht und damit deutlich unter dem Tarifkompromiss liegt, der 16 Monate Gültigkeit hat.

Bei einem Personalkostenanteil von rund 75 Prozent wird die immer enger werdende Zwangslage des Heidenheimer Klinikums deutlich, die dem Management stärker werdendes Bauchweh verursacht. Zur Linderung könnte allenfalls die Politik beitragen. So wiederholt Genz in diesem Zusammenhang seine Forderung, dass die Krankenhäuser endlich aus der seit 1992 andauernden Budgetdeckelung entlassen werden: „Die nimmt uns mittlerweile die Luft zum Atmen.“

Noch zeichnet sich das örtliche Klinikum in der deutschen Krankenhauslandschaft durch seinen Vorbildcharakter aus, und noch befindet sich die 2006 als gGmbH aufgestellte Gesundheitseinrichtung trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes auf Wachstumskurs. Immer wieder erlebt es die Geschäftsführung, dass die auf Heidenheims Schlossberg mittlerweile 23-mal in Folge erzielten schwarzen Zahlen und der damit verbundene erfolgreiche Kurs innerhalb der Branche große Anerkennung findet. Doch liegt es nur wenige Wochen zurück, als Reiner Genz anlässlich des Besuches mehrerer Grünen-Landtagsabgeordneter deutlich darauf hingewiesen hat, dass nunmehr das Ende der Fahnenstange erreicht ist: „Diese ökonomische Entwicklung wird sich zukünftig nicht weiterführen lassen, denn die Auswirkungen der politischen Sparbeschlüsse und der restriktiven Haltung seitens der Kostenträger sind nun auch in Heidenheim angekommen und können nicht mehr kompensiert werden.“


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Autor: erwin bachmann | 29.01.2012

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