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Droht der Firma German Pellets die Insolvenz?

Am 11. Februar 2014 zeichnete das „Handelsblatt“ noch die Geschichte von Peter Leibold zum weltweit größten Pellets-Produzenten nach. Am 10. Februar dieses Jahres ist eine Gläubigerversammlung einberufen, von welcher der Fortbestand des von ihm gegründeten Unternehmens German Pellets abhängen könnte. Beim Herbrechtinger Werk ist die Produktion schon seit Dezember eingestellt.

Günter Trittner |

Bis heute sitzt in Wismar die Zentrale des mittlerweile international tätigten Herstellers der kleinen Energiebündel aus Holz. 2005 war Germann Pellets erstmals mit diesen Energieträgern an den Markt gegangen, das Herbrechtinger Werk folgte 2006. Die rasche Expansion in Deutschland und Österreich bis hin zum Bau der weltweit größten Pelletswerke 2012 und 2015 in Texas und Louisiana (USA), deren Produkte zum Verfeuern in britischen Großkraftwerken vorgesehen sind, könnte die Kapitaldecke überdehnt haben. Kritiker bemängeln zudem die verschachtelte Konstruktion des Unternehmens, bei dem auch mit Kathrin Wiedmer die Tochter Leibolds in Führungsverantwortung steht.

Kommt die Insolvenz?

Bei der am 10. Februar anberaumten Gläubigerversammlung geht es formal nur um eine erste, zum 1. April 2016 fällige Inhaber-Teilschuldverschreibung von aktuell 52,4 Millionen Euro, die German Pellets bei verringerter Rendite um zwei Jahre verlängern möchte. Tatsächlich ist mit dem Wackeln dieser Mittelstandsanleihe, deren Kurs binnen Tagen ins Bodenlose gestützt ist, die Frage der Zahlungsfähigkeit des gesamten Unternehmens gestellt.

Eitel Sonnenschein lag noch im September 2010 über dem Werk Herbrechtingen als sich am Tag der offenen Tür zehntausend Besucher durch die Anlage führen ließen. Als Mehrschichtbetrieb rund um die Uhr und sieben Tage die Woche ist das Werk auf eine Produktion von 250 000 Tonnen Holzbrennstoff pro Jahr ausgelegt. Daneben entsteht in einer weiteren Produktionslinie Streumaterial für Pferde und andere Tiere.

2010 war auch die auf Ofenbau spezialisierte Firma Kago in der Oberpfalz von Peter Leibold aus einer Insolvenz übernommen worden. Deren erneuter Konkurs vor wenigen Wochen hatte denn auch die Sorgen um German Pellets befeuert, auch wenn die Unternehmen getrennt geführt worden waren.

Es ist so lange noch nicht her, da galt der Energieverbund im Vohenstein einen Idealfall zur effektiven Nutzung nachhaltiger Energieträger. Der Anstoß einen solchen zu bilden, war im Jahre 2000 vom Sägewerk Sturm ausgegangen. Um die nicht hier nicht weiter verwertbaren Sägereste noch nutzen zu können, wurde ein Biomassekraftwerk projektiert.

Partner für eine der größten Anlagen im Land, welche elektrische Energie für 25 000 Haushalte aus nachwachsenden Rohstoffen gewinnt, war zuerst die Fortum Group und seit 2008 das Unternehmen Novus Energy. Zu dem 2004 in Betrieb gegangenen Biomassekraftwerk kam dann 2006 das Werk von German Pellets, welches wiederum beim Biomassekraftwerk die nötige Prozesswärme für das Trocknen der Hackschnitzel einkaufen konnte.

Inzwischen hat das Sägewerk Sturm seinen Betrieb in Herbrechtingen komplett eingestellt. Nach dem Ausfall dieses Unternehmens verfolgt man im Biomassekraftwerk mit wachen Augen die aktuelle Entwicklungen um German Pellets, bleibt aber für den Standort Herbrechtingen zuversichtlich. Es werde bei German Pellets noch produziert, wenn auch in geringerem Umfang, ist aus dem Kraftwerk zu vernehmen, wo man nach wie vor den Vohenstein für eine Produktion von Pellets als günstig ansieht.

Diese Ansicht teilt im Herbrechtinger Rathaus Beigeordneter Thomas Diem. Auch er geht davon aus, dass das Werk aufgrund seiner Modernität und seiner Standortqualität fortgeführt werden wird – notfalls auch von einem neuen Eigentümer.

Bis zum Jahr 2014 war German Pellets auf 18 Betriebsstandorte und 650 Beschäftigte gewachsen. Den Umsatz gab das Unternehmen mit 594 Millionen Euro an, der Gewinn wurde auf 7,9 Millionen Euro beziffert. In Herbrechtingen sind an die 30 Mitarbeiter tätig.

Über seine Mittelstandsanleihen hatte das Unternehmen 238 Millionen Euro eingesammelt. Auch Kleinanleger, die in nachhaltige Energieträger investieren wollen, bangen nun um ihr Geld.

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