Die Ruhe nach dem Umweltzonen-Sturm

Seit sieben Wochen ist Heidenheim Umweltzone – und hat offensichtlich keinerlei größere Probleme damit. Bei den zuständigen Behörden wird es ruhiger – zumindest bis zum Jahresende, wenn auch Autos mit gelber Plakette betroffen sind.

Der Gemeinderat redete sich die Köpfe heiß, im Landratsamt wurden wahre Sonderkommissionen gebildet, um dem Ansturm der Bürger gerecht zu werden: Im Frühjahr 2008 sorgte die Einführung der Umweltzone in Schwäbisch Gmünd für wahre Kopfstände und manches Kopfzerbrechen.

Im Frühjahr 2012 bietet Heidenheim vergleichsweise idyllische Ruhe: Vier Jahre Umweltzone und eine Abwrackprämie später lief die Einführung der zweiten Umweltzone in Ostwürttemberg geradezu in Stille ab – und in der achten Woche nach Einführung der Beschränkungen scheint es auch kaum böses Erwachen gegeben zu haben.

„Deutlich ruhiger“ sei es geworden, berichtet Birgit Bolsinger, beim Landratsamt die Frau für Ausnahmegenehmigungen. Gerade noch fünf Anrufe zählt die Expertin am Tag, im Neuen Jahr erreichten Sie noch 280 Anfragen zu möglichen Ausnahmegenehmigungen. 60 hat Bolsinger seit Januar erteilen können, die Gesamtzahl liegt rund doppelt so hoch: Gewerbebetriebe sind es zumeist, die auf die Schnelle kein abgasärmeres Fahrzeug auftreiben können (wir berichteten), aber auch Privatleute, deren neues Auto noch nicht geliefert wurde. Doch für Sonderschichten gibt es keinerlei Anlass.

Auch im Rathaus blickt man auf einen ruhigen Start zurück. „Wir haben hier immer noch einen Tisch mit genauen Karten der Umweltzone zum Mitnehmen“, so Stadtplaner Martin Seemann – doch inzwischen seien die Informationen nur noch spärlich gefragt. Auch die Anrufe hielten sich sehr in Grenzen: „Manchmal fragt noch ein Bürger, wo sein Besuch ohne Plaketten am Stadtrand parken könnte“.

Die Grenzen der Zone scheinen jedenfalls schlüssig gezogen: Mit nur 14 Einfahrtsschildern (und ebenso vielen Ausfahrtsschildern) ist die Heidenheimer Umweltzone ausgewiesen – die Topographie mit engen Talzugängen hilft ausnahmsweise. Verändert wurde keine einzige Grenzziehung. „Wir hatten versucht, die Randgebiete außen vor zu lassen, das scheint zu klappen“, so Seemann.

Bleibt noch die Polizei, die seit dem 1. Januar auch noch ein Auge auf die nötigen Plaketten haben soll. Wie berichtet, können städtische Kontrolleure nicht nach Plaketten schauen, da nur das Fahren, nicht aber das parken ohne Plakette rechtswidrig ist. Die Polizei wiederum hat so gut wie überhaupt nichts zu vermelden: Eine einzige Beanstandung sei in den sieben Wochen protokolliert worden, sagt Polizei-Sprecher Horst Baur. Mehr Autos ohne gültige Plakette fielen jedenfalls nicht auf.

Nach der Zone ist freilich vor der Zone: Ab Januar 2013 werden auch Autos mit gelber Feinstaubplakette ausgeschlossen. Und das sind deutlich mehr: Rund 13 000 Fahrzeuge hatte das Landratsamt einst als „gelb“ identifiziert, weit mehr als die rund 4000 Fahrzeuge ohne oder nur mit roter Plakette. „Die ersten Autobesitzer mit gelber Plakette rufen jetzt schon an“, so Birgit Bolsinger – zum Jahresende werde es sicher noch einmal einen Schwung neuer Anfragen geben.

Freilich, Autos mit gelber Plakette lassen sich öfter und einfacher nachrüsten. Gut möglich, dass die Umweltzone in der Stadt eine Ruhe-Zone bleibt.


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Autor: Hendrik Rupp | 20.02.2012

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