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Der elektrifizierte Grashüpfer im Test

Ein absonderliches Gefährt war auf den Straßen des unteren Brenztals unterwegs: eine Johammer. Wir haben das erst jüngst vorgestellte E-Motorrad, das der gebürtige Sontheimer Holger Stark vertreibt, mal etwas unter die Lupe genommen.

Andreas Uitz |

Was ist denn das? Die Frage steht wie eine große unsichtbare Sprechblase über allen, die das Gefährt (um ein solches handelt es sich auf jeden Fall) über den Hof rollen sehen. Nicht nur die Farbe erinnert an einen Grashüpfer, auch die fühlergleich abstehenden Spiegel und der frontale Blick auf das Bike wecken Assoziationen an die Fauna – oder an alte Flash-Gordon-Filme.

Bike? Ja, was hier steht, ist tatsächlich ein Motorrad. Kein Roller, kein Designerstück fürs Wohnzimmer – wobei es sich auch da gut machen würde. Aber kein Motorrad im herkömmlichen Sinne. Das macht schon die Optik deutlich, viel mehr aber noch die Technik. Denn die Johammer wird mittels Elektromotor angetrieben. Was bei Autos immer mehr im Kommen ist, ist in der Motorradszene noch relativ neu.

Einige Hersteller haben zwar schon E-Modelle vorgestellt, die sich von herkömmlichen Motorrädern kaum unterscheiden, zuletzt Harley-Davidson. Doch die komplett in Österreich designte, konstruierte und gebaute Johammer, die dieser Tage rund um Sontheim für erstaunte Blicke sorgte, ist nicht nur mit einem E-Motor unterwegs, sondern wartet neben dem höchst ungewöhnlichen Design auch mit manch anderen unkonventionellen Neuerungen auf. Etwa mit einer sogenannten Achsschenkel-Lenkung, die es dem Fahrer des Gefährts in den ersten Minuten alles andere als leicht macht, sich fortzubewegen.

Gestartet wird das Gefährt mittels elektronischem Schlüssel – und kaum ist es aktiviert, leuchten in den Rückspiegeln auf kleinen Displays die relevanten Daten auf, die man bei normalen Motorrädern auf den Cockpit-Instrumenten findet. Geschwindigkeit und restliche Reichweite werden digital angezeigt, ohne die eigentliche Funktion des Rückspiegels einzuschränken.

„Doch, sie ist an“, sagt Holger Stark. Der gebürtige Sontheimer, der jetzt in Österreich lebt, vertreibt das neuartige Gefährt und weiß um die Skepsis, die dem E-Motorrad entgegenschlägt. „Alle sind begeistert vom Design, aber so richtig zu fahren, trauen sich bisher nur wenige.“

Also gut. Aufsitzen, die Sitzhaltung ist aufrecht, nicht unbequem, lädt zum Cruisen ein. Leichtes Drehen am Gasgriff, die Johammer setzt sich in Bewegung, nahezu lautlos. Den Gasgriff nach hinten, und sie fährt rückwärts. Die ersten Meter sind mehr „Herumgeeiere“ denn wirkliches Fahren. Kindheitserinnerungen: ein Gefühl, als ob man das erste Mal auf einem Fahrrad sitzt. Die Radnabenlenkung ist mehr als ungewohnt, das Vorderrad reagiert völlig anders als bei normalen Motorrädern, die Gewichtsverlagerung kommt nur aus der Hüfte. Unsicherheit, Angst umzukippen trotz Schrittgeschwindigkeit im Hof.

„Versuch es einfach“, sagt Holger Stark, „sie lässt sich gut fahren.“ Ungläubigkeit. Dennoch, langsam über den Schotter, zitternder Lenker, raus auf die Straße.

Und siehe da, das Ding, gerade mal 160 Kilo schwer, lässt sich tatsächlich handhaben, beschleunigt völlig gleichmäßig, kein Kuppeln kein Schalten, zieht weiter an, der digitale Spiegeltacho zeigt schon 50. Vorbei am gut gefüllten Straßencafé, alle, aber wirklich alle Köpfe recken sich dem absonderlichen Gefährt nach, das da an ihnen vorbeifährt, Radfahrer fallen fast vom Drahtesel, und auch in den entgegenkommenden Autos bleibt die Johammer nicht unbemerkt.

Raus aus dem Ort, das Fahrgefühl wird immer besser, stufenlose Beschleunigung, nur der dezent summende Elektromotor, 100 Stundenkilometer, das Bike liegt ruhig auf der Straße, lässt sich angenehm in die Kurven legen, gemütliches Cruisen. Entgegenkommende Motorradfahrer wirken verwirrt, auch sie recken die Hälse, einige grüßen.

Langsam stellt sich ein gutes Fahrgefühl ein, das Ding macht einfach Spaß. Man kann sich vorstellen, endlos weiterzufahren. Mindestens 200 Kilometer Reichweite garantiert der Hersteller, für ein E-Motorrad ganz enorm. Zumal sich der Akku beim Bergabfahren durch Rekupieren aufladen lässt, womit die Reichweite verlängert wird.

Im großen Bogen zurück nach Sontheim, entspannt, leise gleitend, noch immer ungläubiges Staunen der Passanten. Weg vom Gasgriff, ausrollen, abstellen. Ein Fahrerlebnis ganz besonderer Art. Doch, hier haben sich die Konstrukteure viel Mühe geben, sich etwas völlig neues einfallen lassen.

Ist das Bike ein Motorrad? Ja, auf jeden Fall. Und ein Designerstück, das sich auch gut im Wohnzimmer machen würde. Freilich, auf Reisen würde mit der Johammer keiner gehen. „Aber dafür ist sie auch nicht gemacht“, betont Holger Stark. Zielgruppe des Bikes ist, das wird nicht zuletzt am Preis deutlich, nicht die breite Masse der Motorradfahrer. Das E-Motorrad richtet sich vielmehr an umweltbewusste Menschen, die sich hin und wieder ein wenig Fahrspaß der anderen Art gönnen wollen. Und den bietet die Johammer auf jeden Fall.

Umweltfreundlich, schnell und vollständig recycelbar

Das E-Motorrad Johammer wurde vom gleichnamigen Unternehmen in Österreich konstruiert und es wird auch dort gebaut. Das neue Motorrad wurde erst im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es verfügt über Mittelrahmen aus Aluminum, das Chassis ist aufgrund des verwendeten Kunststoffs sehr stabil und leicht. Das Gesamtgewicht des Motorrads liegt bei lediglich 160 Kilogramm.

Angetrieben wird das Bike mit einem 11 kW-Elektromotor, 220 Newtonmeter sorgen Herstellerangaben zufolge für sportlichen Vortrieb. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern wird abgeriegelt.

Das Akku-Pack aus Lithium-Ionen-Zellen sorgt für Reichweiten von mindestens 200 Kilometern, „betankt“ wird die Johammer an gewöhnlichen Steckdosen.

Ganz billig ist die Johammer nicht. Bei der Ausführung mit der größten Reichweite liegt der Preis bei knapp 20 000 Euro.

Laut Hersteller ist das E-Motorrad wartungsfrei und – dem Umweltschutzgedanken geschuldet – komplett recycelbar.

Mehr Informationen unter

www.johammer.com.

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