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Andreas Stoch wird erster Minister aus dem Kreis Heidenheim

Mit dem SPD-Abgeordneten Andreas Stoch wird erstmals in der Geschichte ein Heidenheimer Landesminister. Stoch tritt die Nachfolge von Gabriele Warminski-Leitheußer an, die nach wochenlanger Kritik an ihrer Arbeit als Kultusministerin gestern zurückgetreten ist.

Karin Fuchs | 0 Meinungen
Nun also doch. Vor einem Monat bereits war Stochs Name als der des neuen Kultusministers gehandelt worden. Taktisch klug hielt sich Stoch damals noch zurück: „Ich bin nicht derjenige, der vor dem Kultusministerium steht, an der Tür rüttelt und ruft: ich will hier rein.“ Nun kommt er ganz ohne Rütteln hinein in ein Ministerium, dessen Chefs in der Regel auch viel Kritik vonseiten der Eltern, Lehrer und der Opposition ertragen müssen.

Auch Andreas Stoch zählt zu denjenigen, die an Kritik nicht sparten. Schon als Juso-Aktivist in Giengen wetterte er in den späten 1980er Jahren gegen die Politik des umstrittenen Kultusministers Gerhard Mayer-Vorfelder, und auch in seiner Zeit als Oppositionspolitiker betonte der vierfache Vater immer wieder, dass er sich ein Schulsystem ohne soziale Auslese und Aussortieren wünscht, das geprägt sein soll von längerem gemeinsamen Lernen und einer gleichzeitigen verstärkten Förderung der individuellen Begabung der Kinder. Dass die vier Kinder des neuen Kultusministers allesamt nicht auf staatliche Schulen, sondern auf die Waldorfschule gehen, hängt aber vielmehr mit der Überzeugung seiner Ehefrau zusammen, die Sonderschullehrerin ist und selbst die Waldorfschule besuchte.

Als ausgesprochener Bildungsexperte war Stoch in Stuttgart bislang nicht eingesetzt – als parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion oblag es dem 43-Jährigen, für Disziplin und Mehrheiten im grün-roten Lager zu sorgen. Doch nicht zuletzt darum wird Stoch offenbar zugetraut, dass er das Kultusministerium aus seiner aktuellen Krisenstimmung führen kann.

Der Jurist agiert schon bislang auf vielen Feldern und kann sich in vieles einarbeiten. Stochs bisher medienwirksamsten Aufgaben waren die als Obmann im Untersuchungsausschuss zur ENBW-Affäre  von Ex-Ministerpräsident Mappus sowie zum Stuttgart-21-Polizeieinsatz am sogenannten „Schwarzen Freitag“.

Auch bildungspolitisch hat Stoch bereits für den eigenen Landkreis interveniert. Das Margarete-Steiff-Gymnasium in Giengen, wo er einst selbst sein Abitur gemacht hat, war unter den ersten Gymnasien im Land, das wieder ein G 9 anbieten durfte. Stoch half hier kräftig mit - vor allem aber konnte er in Stuttgart vermitteln, dass auch eine Schule im ländlichen Raum zu den Pionieren gehören sollte.

Ohne Stochs Mittun wäre Heidenheim wohl auch bei den neuen Gemeinschaftsschulen zunächst leer ausgegangen. Stoch hatte die Friedrich-Voith-Schule in letzter Sekunde noch auf die Liste gehievt.

Als Kind einer Arbeiterfamilie in Giengen aufgewachsen und zur Schule gegangen, strebte Stoch schon früh in die Politik. Mit 21 trat er in die SPD ein, nachdem er bereits Juso-Kreisvorsitzender war. Nach dem Jurastudium arbeitete er als Anwalt in einer Heidenheimer Kanzlei, blieb aber gleichzeitig immer politisch aktiv. Zuletzt als Kreisrat und als Vorsitzender des SPD-Kreisverbands. Als sein Vorgänger Wolfgang Staiger 2009 sein Mandat niederlegte, rückte Andreas Stoch nach und hatte bis zur nächsten Wahl zwei Jahre Zeit, sich zunächst noch in der Oppositionsrolle in die Landespolitik einzuarbeiten und seine Fäden zu spannen.

In der Südwest-SPD gilt Stoch nicht als enger Vertrauter von Superminister Nils Schmid, besonders dessen „Netzwerk“ steht Stoch eher mit Distanz gegenüber. Umso enger ist hingegen sein Vertrauensverhältnis mit einem der altgedienten Sozialdemokraten im Landtag, dem SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel.

Nach dem grün-roten Wahlsieg wurde der Name Andreas Stoch immer wieder mit verschiedenen Posten und Ämtern in Verbindung gebracht. Das lag nicht nur daran, dass er landesweit das drittbeste Wahlergebnis für die SPD erreichte, sondern auch an seinen Fähigkeiten, die schnell erkannt wurden. Schließlich wurde er Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, wurde aber immer wieder als Mann für weitere Aufgaben gehandelt.

Nun wird Andreas Stoch Kultusminister und damit der erste Minister aus dem Landkreis. Zwar saß mit Werner Baumhauer bereits vor ihm ein Heidenheimer Abgeordneter am Kabinettstisch, als Staatssekretär allerdings nur in der zweiten Reihe. Andreas Stoch ist in der ersten Reihe der Landespolitik angelangt.

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