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Waschen, legen, Wohnung vermitteln

Sabine Günzler-Groß kennt man in Giengen als Betreiberin einer kleinen Frisierstube, und doch ist sie weit mehr: Eventmanagerin, Wohnungsvermittlerin und Seelentrösterin, zum Beispiel.

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Die 57-jährige Sabine Günzler-Groß arbeitet seit über 40 Jahren als Friseurin. In ihrer Frisierstube wäscht und schneidet sie nicht nur, sondern ist vor allem auch Gesprächspartner.  Foto: 

Dass sie selbst mal auf einem der Stühle vor dem Haarwaschbecken sitzt, kommt eher selten vor. Normalerweise verwöhnt die 57-jährige Giengenerin Sabine Günzler-Groß in der kleinen Frisierstube im Erdgeschoss ihres Hauses nämlich nur die Köpfe ihrer Stammkunden. Sie wäscht und massiert, schneidet und färbt – und das schon seit über 40 Jahren. „Vor mir hatte schon meine Mutter ein Friseurgeschäft in Giengen“, erzählt Günzler-Groß. Ein richtiges Familienunternehmen also.

Kein Wunder, dass sie beim Spaziergang durch die Altstadt zig bekannte Gesichter trifft. Inzwischen bedient sie zwar nur noch Stammkunden, will das Friseurgeschäft klein halten und nimmt keine neuen Kunden mehr an – doch in dem Beruf bleibt es einfach nicht aus, dass man gefühlt die halbe Stadt kennt. „Klar, hier in meiner Frisierstube wird viel geredet. Ich erfahre unglaublich viel, aber was im Laden gesprochen wird, bleibt natürlich hier“, sagt sie. Das Klischee von der tratschenden Friseurin will sie nicht erfüllen – aus Respekt vor der Kundschaft.

Zufriedenheit ist alles

Und dennoch: In der kleinen Stube ist Günzler-Groß mit 95 Prozent ihrer Kunden per Du, bezeichnet ihre Arbeit als Hobby und macht generell so einiges anders als andere Friseure. Gelernt hat sie 1975 in Heidenheim – „da musste ich viel verkaufen und habe gemerkt, dass mir das gar nicht liegt.“ Deshalb kann man heute bei ihr auch keine Produkte kaufen, lieber berät sie die Kunden oder gibt auch mal den ein oder anderen Tipp, wie man mit Färbemittel aus der Drogerie die gewünschte Farbe selbst mischen kann.

„Für mich steht nicht ein möglichst hoher Umsatz im Vordergrund. Wichtiger sind Zufriedenheit, Kommunikation – die persönliche Ebene.“ Nach ihrer Ausbildung hat sie ab 1982 mit ihrer Mutter zusammen ein Friseurgeschäft an der Spitalstraße betrieben. „Von 1994 bis 2001, als meine drei Söhne klein waren, habe ich in Hermaringen gewohnt und hatte dort sozusagen im Haus eine Zweigstelle“, so Günzler-Groß. Doch egal an welchem Standort, das Konzept war stets das selbe: Klein und fein und ganz persönlich. „Manche Leute kommen schon seit 50 Jahren zu mir. Auch meine eigene Hebamme habe ich frisiert, bis sie ins Altersheim kam“, sagt die 57-Jährige.

Friseurin – dieser Ausdruck beschreibt die eigentliche Tätigkeit von Günzler-Groß jedoch nur ansatzweise. Denn bei ihr gehört noch viel mehr dazu: Sie verleiht Kleidung, beispielsweise für Abschlussbälle, veranstaltet Lesungen oder After-Work-Partys, tauscht Bücher und näht einer verzweifelten Braut zur Not auch mal kurzfristig den Schleier. „Es ist ein Geben und Nehmen. Als mir jemand mein Waschbecken gerichtet hat, hat er ein Jahresabo für meine Frisierstube bekommen. Genauso habe ich auch schon einen Anwalt um juristischen Rat gefragt, während ich ihm die Haare gewaschen habe“, erzählt sie. Und wenn ihre Kunden nicht mehr so gut zu Fuß sind, holt sie sie ab, bringt sie wieder nach Hause oder kommt gleich zum Haare schneiden ins Haus.

Frisierstube als Tauschbörse

Egal ob Wohnungsvermittlungen oder Vermittlung eines passenden Tanzpartners, ob Verkuppelung, Ärzte-Empfehlung oder Einkaufsberatung: Ihre Frisierstube nutzt Günzler-Groß vor allem auch als Kommunikations- und Tauschplattform. „Manchmal geht's hier zu wie im Komödienstadl, das glaubt mir keiner, der nicht dabei ist“, sagt die 57-Jährige. Doch auch ernste Gespräche kämen nicht zu kurz: Liebeskummer, Krankheiten, Stalking oder Probleme im Job, alles wird ihr anvertraut. „Ich glaube, ich wäre eine gute Psychologin geworden“, so Günzler-Groß.

Doch so verständnisvoll ist sie nicht immer. Was ihr nicht gefällt, das macht sie nicht, sprich: keine weißen oder schwarzen Haare, und auch nur ungern von lang auf ganz kurz. „Ich frisiere nicht um jeden Preis und bin auch kein Pfennigfuchser. Denn eines war mir von Anfang an klar: Mit so einer Hand-Arbeit wirst du nicht reich. Das ist Leidenschaft“, sagt sie und ergänzt: „Reich ist der, dem's reicht.“ Und das tut es ihr definitiv.

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