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Waltraut Wiedenmann: Mehr als nur Kaffeeklatsch

Seit 2009 ist Waltraud Wiedenmann Chefin in der Seniorenbegegnungsstätte Treff Alte Malzfabrik. Für die Hohenmemmingerin ist das eine Aufgabe, die weit übers bloße Verwalten und Organisieren hinausgeht.

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Seit fünf Jahren Leiterin des Treffs Alte Malzfabrik: Waltraud Wiedenmann.  Foto: 

Selbst wenn die Türen an der Planiestraße einmal geschlossen bleiben, ist Waltraud Wiedenmann auf den Beinen, kümmert sich um ihre drei Enkelkinder oder ist bei den Landfrauen Hohenmemmingen aktiv.

Seit fünf Jahren leitet sie die Seniorenbegegnungsstätte Treff Alte Malzfabrik an der Planiestraße. Die Aufgabe übernahm sie im September 2009 von Margarete Schlaiß, die zwar Verantwortung abgeben wollte, bis heute aber zu den Ehrenamtlichen im Treff gehört.

Fast ein Ganztagsjob

Wiedenmann kann sich auf 15 solche Helfer verlassen, dennoch ist die Leitung der Begegnungsstätte fast ein Ganztagesjob für die 53-jährige Hohenmemmingerin. Obwohl sie ursprünglich aus Sontheim/Brenz stammt, fühlt sich Wiedenmann mittlerweile voll und ganz als Giengenerin. Daher musste sie auch nicht lange überlegen, als man ihr vor fünf Jahren vorschlug, sich bei der Stadt als neue Leiterin der Einrichtung zu bewerben.

Wiedenmann kam 1980 nach Hohenmemmingen, nachdem sie ihren von dort stammenden Mann mit 18 Jahren geheiratet hatte. Die gelernte Bankkauffrau konzentrierte sich fortan auf die Erziehung ihrer vier Kinder, von denen zwei mittlerweile selbst verheiratet sind. „In meinen alten Beruf konnte ich danach nicht mehr zurück“, erzählt Wiedenmann. „Heute fehlen die Fachkräfte. Damals gab es zu viele.“

Ausruhen kam für Wiedenmann aber nicht in Frage. Sie unterstützte fortan das Gastronomie-Team im Hürbener Höhlenhaus. Zudem war sie lange Zeit im Vorstand der Hohenmemminger Landfrauen tätig. „Das bin ich heute zwar nicht mehr, bin aber nach wie vor im Verein aktiv“, sagt sie.

Die Zeit für eine Position im Vorstand würde ihr wohl ohnehin fehlen: Jeden Tag, außer sonntags, ist sie in der Begegnungsstätte anzutreffen. Das Telefon in ihrem kleinen Büro klingelt – vor allem in den Tagen nach der Sommerpause – unaufhörlich. Trotzdem hat sie immer Zeit und vor allem ein offenes Ohr für die Senioren, die täglich zu ihr kommen.

"Die Gäste wollen sich in erster Linie austauschen"

Montags ist Nähtag im Treff: Die Senioren, hauptsächlich Frauen, kreieren Patchworkarbeiten, die auf einem Basar im November verkauft werden sollen. Diese Idee kommt nicht ganz von ungefähr: Auch Waltraud Wiedenmann zählt das Nähen von Patchworkarbeiten zu ihren liebsten Hobbys.

Zwar wird mit Nähen, Kartenspielen, Gedächtnistraining, Ausflügen und Feiern stets für Unterhaltung gesorgt, Wiedenmann weiß aber auch, worum es ihren Gästen hauptsächlich geht: Sie wollen sich austauschen und die eigenen Sorgen einmal vergessen. „Wir sind zur Unterhaltung da“, sagt Wiedenmann. „Ich habe versucht, Vorträge zu organisieren. Aber die Frauen haben mir sehr schnell klar gemacht, dass sie hierher kommen, um sich zu unterhalten.“ Und das eben nicht über die Probleme des Alltags, sondern über Themen, die ihnen Freude bereiten: „Viele erzählen gerne von ihren Kindern und Enkelkindern“, so Wiedenmann.

"Berührungsängste können groß sein"

Wer die Begegnungsstätte betritt, wird von ihrer Leiterin stets mit einem Lächeln und einem freundlichen „Hallo“ begrüßt. Ihr ist wichtig, dass sich auch Neuankömmlinge von Beginn an willkommen fühlen – zumal die Berührungsängste groß sein können. „Es gab einmal eine Dame, die sich zu Beginn nur draußen auf die Bank gesetzt und beobachtet hat, wer den Treff so besucht“, erzählt Wiedenmann. Erst nach einiger Zeit habe sie sich getraut hereinzukommen. „Hier soll niemand alleine am Tisch sitzen. Darauf achte ich sehr genau.“

Die 15 Helfer im Treff Alte Malzfabrik sind ebenfalls größtenteils über 70 Jahre alt. Für Wiedenmann zum einen kein Problem und zum anderen auch kein Wunder: „Die Jüngeren sind noch berufstätig und die jüngeren Senioren wollen zunächst einmal ungebunden sein“, erklärt sie. Ihre Gäste sind zumeist schon in einem Alter, in dem sie eben nicht mehr selbst über den Markt schlendern oder spontan etwas unternehmen können. Giengen, lobt Wiedenmann, habe seinen älteren Mitbürgern viel zu bieten. Dabei versuche sie stets nicht in Konkurrenz zu treten zu den übrigen Angeboten, etwa denen der Kirchengemeinden.

Die größte Belohnung für Wiedenmann ist die Tatsache, dass sich in der Begegnungsstätte Freundschaften entwickelt haben, die über den Kaffeeklatsch innerhalb der Einrichtung hinausgehen. Trotz hohem Arbeitspensum macht sie ihren Job mit sichtbarer Freude: „Mir wird hier garantiert nie langweilig. Und ich kann mir durchaus vorstellen, das zu machen bis ich selbst Rentnerin bin.“

Info Der Treff Alte Malzfabrik hat montags bis freitags sowie an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
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