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Tagespflege von kleinen Kindern hinkt in Giengen hinterher

Die Entwicklung der Tagespflege von kleinen Kindern hinkt in der Stadt den Plänen gehörig hinterher. Die Verwaltung wollte nun die finanzielle Förderung einstellen. Die Mehrheit des Verwaltungsausschusses im Gemeinderat sah das jedoch anders.

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Es ist eine etwas paradoxe Situation: Eigentlich müsste es in Giengen einen hohen Bedarf an Tagespflege für Kleinkinder geben, der sich aus dem Fehlen von ausreichend Plätzen in Kindergärten für unter Dreijährige ableiten lässt. Dennoch werden aktuell gerade mal fünf Kinder von drei Tagesmüttern betreut. 2010 waren es immerhin noch 13 Kinder unter drei Jahren, die von „Tagesmuttis“ umsorgt wurden. Der finanzielle Aufwand für Eltern hält sich in Grenzen: In der höchsten Einkommensgruppe (mehr als 3500 Euro) fallen bei einer täglichen Betreuung von sieben bis neun Stunden monatlich knapp 50 Euro an Kosten an. Verglichen mit einer Ganztagesbetreuung im Kindergarten ist das ein eher überschaubarer Betrag.

Im Rathaus zeigt man sich hinsichtlich der Entwicklung etwas ratlos: Fachbereichsleiterin Katja Stark verweist darauf, dass man in der Vergangenheit einiges unternommen hat, um das Tagesmütter-Modell des Landkreises auch in Giengen zum Erfolg werden zu lassen. Sowohl finanziell als auch durch Bereitstellung von Räumen für Qualifizierungskurse habe man das Vorgaben unterstützt. „Ich denke, es sind zwei unterschiedliche Ansätze, warum die Realität den Plänen hinterherhinkt. Einerseits muss es zwischen Tagesmutter und Kind einfach passen. Das ist nicht immer einfach. Da bräuchte es einen Pool an Tagesmüttern. Andererseits stellt sich die Frage, wie attraktiv der Beruf Tagesmutter ist. Es gibt qualifizierte Kräfte, die nach Elternzeit lieber wieder in ihren alten Job zurück gehen“, so Stark.

Als Steuerungsinstrument, um die Tagespflege für Kleinkinder als gleichwertiges Betreuungsangebot zu etablieren, hatte die Stadt Giengen ein Gutscheinmodell eingeführt. Zuletzt wurde der Tagesmutter pro geleisteter Stunde ein Euro bezahlt – vom Landkreis bekam die Tagesmutter 3,90 Euro. Zudem übernahm die Stadt die Beiträge für ein Jahr Mitgliedschaft im Tagesmütterverein.

Nachdem der Kreistag beschlossen hatte, den Stundensatz für Tagesmütter auf 5,50 Euro zu erhöhen, hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen, die eigene finanzielle Zuwendung des einen Euro pro Stunde auszusetzen. Die sollte in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses beschlossen werden.

Aus Sicht der Verwaltung sind die vorhandenen Steuerungsinstrumente beim Landkreis angesiedelt, wie etwa die Zuweisungen vom Land für die Kindertagespflege. Nur auf dieser Ebene könne die Tagespflege attraktiver gestaltet sowie ausgebaut werden. Die finanzielle Gleichstellung mit der institutionellen Kinderbetreuung sei bezüglich der Kostenbeiträge mehr als erreicht.

Oberbürgermeister Gerrit Elser verwies in der Sitzung darauf, dass sich die Bürgermeister der Kommunen des Landkreises auf ein einheitliches Vorgehen ab 2013 abgestimmt hätten und die Unterstützung für Tagesmütter zentral beim Landkreis angesiedelt sein sollte.

Christine Mack (SPD) war jedoch der Ansicht, dass die Diskussion um einen Euro „schäbig“ sei. Die Tagesmütter leisteten enorm viel, eine Kürzung sei kontraproduktiv. „Es handelt sich nicht um eine Kürzung, nachdem der Landkreis seinen Zuschuss erhöht hat“, so die Entgegnung von OB Elser. Es gehe auch nicht um die inhaltliche Wertschätzung des Tagesmütter-Modells, sondern um die Bündelung beim der Landkreisverwaltung.

Maria Konold-Pauli (CDU) sagte, es sei nicht gelungen, die Tagespflege attraktiver zu machen. Vor dem Hintergrund der fehlenden Plätze in Kindergärten sei dies eigentlich nicht nachvollziehbar. Sie plädierte dafür, das Gutscheinmodell so lange beizubehalten, bis die Stadt ausreichend Plätze für unter Dreijährige in den Einrichtungen anbieten könne.

Rubens Link (Grüne und Unabhängige) meinte, es gebe keine Betriebsform, die so flexibel sei wie die Tagespflege. „Wir müssen alles daran setzen, es so zu belassen, wie es ist, zumindest bis die neue Einrichtung in den Salztrögen in Betrieb ist“, so Link. Es spreche nichts dagegen, weiter einen Euro zu bezahlen. Tagesmütter in Giengen bekämen dann eben mehr als in anderen Kommunen.

„Wir finden keine Tagesmütter, weil diese zu wenig bekommen. Wir müssen eben noch mehr drauflegen“, so Ute Goppelt (SPD).

Mit fünf Stimmen für den Antrag und neun Gegenstimmen war das Ansinnen, die finanzielle Leistung auszusetzen, vom Tisch. Für das laufende Jahr wird mit Kosten in Höhe von etwa 2500 Euro gerechnet.

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