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Quadratisch, praktisch, gut?

GIENGEN. Ein ehemaliges Industrieareal an der Brenz, neu bebaut mit modernen Wohnhäusern – was in Giengen auf dem AWG-Areal heiß diskutiert wird, ähnelt der Situation auf dem Heidenheimer Ploucquet-Areal. Dort haben sich die Wohn-Würfel bewährt – auch am Markt.

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Zweimal Industriegelände, zweimal Brenzufer, zweimal Wohnbau: Was in Giengen auf dem AWG-Areal (Entwurf links) angestrebt wird, ist auf dem Heidenheimer Ploucquet-Areal (Entwurf rechts) schon teilweise Wirklichkeit. Die Moral von der Geschicht? In Heidenheim kamen die Neubauten am Markt bestens an.  Foto: 

Gestern Abend befasste sich der Gemeinderat mit dem Bebauungsplan, bereits im Oktober will die Kreisbaugesellschaft loslegen: Zwischen Brenz und Altstadt sollen auf dem Areal der früheren Armaturenfabrik AWG bis zu 70 Wohnungen entstehen.

Die Entwürfe von Architekt Peter W. Schmidt haben seit der Vorstellung auch für Gegenwind gesorgt: Die neun Wohngebäude sind zeitgenössisch rechteckig und mit Flachdächern versehen – gerade Anwohner sehen nicht nur das Erscheinungsbild der südlichen Altstadt in Gefahr, sondern fürchten auch, dass die Neubauten ihre eigenen Häuser überragen könnten.

Erste Korrekturen wurden dem Gemeinderat gestern vorgestellt, so sollen einige der geplanten Wohnblöcke anders angeordnet werden. Grundsätzlich aber stehen sowohl die Kreisbau als auch OB Gerrit Elser zu dem Projekt: Die bis zu 150 neuen Bewohner des Areals sollen in modernen Häusern leben, eine historisierende Bebauung wie an der Marktstraße, wo man Neubauten wie das „Lamm“ als solche gar nicht erkennt, ist am AWG-Areal nicht angestrebt.

Vergleich zum Ploucquet-Areal drängt sich auf

Ein Sonderfall? Womöglich in Giengen, aber nicht kreisweit. tatsächlich drängt sich der Vergleich zum Heidenheimer Ploucquet-Areal auf – ebenfalls eine ehemalige Industriefläche, ebenfalls umgebaut zu einem modernen Wohngebiet.

Rückblick: Wie bei AWG hatte auch in Heidenheim eine wirtschaftliche Hiobsbotschaft den Stein ins Rollen gebracht: Im Jahr 2006 hatte das traditionsreiche Textilunternehmen C.F. Ploucquet den Standort Heidenheim und damit den Stammsitz des Unternehmens geschlossen. 2007 kaufte die Stadt das innerstädtische Gelände, auch um eine „Ramschnutzung“ mit hastig vermieteten Werkshallen zu verhindern. 2007 begann der Abbruch des Geländes, dass zwar deutlich größer als das AWG-Areal ist (25 000 Quadratmeter, das AWG-Gelände hat rund 4800), doch ähnliche Bilder bot: Monatelang schoben Bagger Schuttberge hin und her, um eine möglichst sortenreine Trennung der Baustoffe zu ermöglichen.

Deutlich länger als in Giengen dauerte die Grundsatzentscheidung zum Gelände: Erst 2011 legte sich der Heidenheimer Gemeinderat endgültig für eine Wohnbebauung auf dem Ploucquet-Areal, als Investor wurde die Essinger Wohnungsbau gewählt. Und deren Entwürfe sorgten in Heidenheim anfangs für ähnliche Bedenken wie die Entwürfe in Giengen: Zwar ragen die Altbauten gegenüber des Geländes weit höher auf als in Giengen, doch dafür wurden die neuen Wohnblöcke auf dem Ploucquet-Areal auch selbst noch deutlich höher. Und im Stil folgen die Ploucquet-Neubauten wie die geplanten AWG-Blocks dem aktuellen Neubaustil: Flachdächer, weiße Fassaden, Balkone, eine offene, aber vergleichsweise eben dichte Bebauung.

Bewohner sind Ende 20

Inzwischen hat die Essinger Wohnungsbau den ersten Bauabschnitt des Areals bereits fertiggestellt, erste Häuser sind bereits komplett bewohnt. Denn obschon mancher Heidenheimer den Kopf über die „Klötze“ schüttelte – am Markt ließ sich das Areal bestens vermieten. Moderne Wohnungen mit Komfort vom Aufzug bis zur Umluftanlage, die das Öffnen von Fenstern fast schon unnötig macht, überall Balkone und der Blick auf ein neugestaltetes Brenzufer und Schloss Hellenstein: Die Bedenken mancher Architekturkritiker teilten die Interessenten an den Wohnungen offenbar nicht. Tatsächlich zeigt sich in Heidenheim auch ein Unterschied zwischen Käufern und Nutzern der Wohnungen.

Die Eigentümer (die Wohnungen auf dem Ploucquet-Areal können nur erworben werden) sind eher in der Generation 60-plus angesiedelt und setzen offensichtlich auf den Kauf als Wertanlage und spätere Wohnalternative (mithin sind die Wohnungen ja barrierefrei), doch fürs Erste wurden viele Wohnungen privat weiter vermietet – und die Bewohner sind nach Statistiken der Essinger Wohnungsbau auffallend jung, das Durchschnittsalter liegt bei Mitte bis Ende 20.

Je weiter die Bebauung fortschreitet, desto mehr machen auch die Heidenheimer ihren Frieden mit dem neuen Stadtviertel: In der aktuelle laufenden Online-Befragung der HZ (unter www.hz-online.de) jedenfalls gibt die Mehrheit der Teilnehmer an, das Erscheinungsbild des Areals gefalle.

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