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Plätze in Giengener Pflegeheimen sind knapp

Wenn die Eltern oder Großeltern zum Pflegefall werden, stellt sich für die Angehörigen eine zentrale Frage: zu Hause betreuen oder in einem Pflegeheim unterbringen? Doch die Plätze in den Heimen sind bereits jetzt rar – auch in Giengen.

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Wenn die Betreuung pflegebedürftiger Eltern oder Großeltern zuhause nicht möglich ist, sind Pflegeheime eine Alternative. Doch die Plätze in den Einrichtungen reichen oft nicht aus – eine Situation, die sich in Zukunft nur noch verschärfen wird.  Foto: 

Die Bevölkerung altert zusehends. Das ist nichts Neues. Damit steigt auch die Zahl derer, die im hohen Alter möglicherweise einer intensiven Pflege bedürfen. Immer weniger Familien können es sich aber zeitlich oder finanziell erlauben, pflegebedürftige Eltern oder Großeltern zu Hause zu betreuen.

Eine Alternative stellt die Unterbringung in einem Pflegeheim dar. Einen Platz in einer der Einrichtungen zu bekommen, wird allerdings immer schwieriger: Das Statistische Landesamt hat errechnet, dass im Jahr 2030 352 000 Menschen in Baden-Württemberg pflegebedürftig sein werden. Das sind etwa 106 000 mehr als heute. Laut einer Mitteilung der Evangelischen Heimstiftung, die auch als Trägerin des Giengener Paul-Gerhardt-Stiftes fungiert, folgt daraus, dass 2030 rund 51 000 Pflegeheimplätze fehlen werden.

Nie genug Mitarbeiter

In der Stadt Giengen gibt es aktuell drei Pflegeheime: das Johanneshaus an der alten Kupferschmiede in der Bahnhofstraße, das Pflegeheim des Arbeiter-Samariter-Bundes an der Planie und das Paul-Gerhardt-Stift in der Magenaustraße im Ehbach.

Die 80 Pflegeheimplätze im Johanneshaus sind laut Heimleiterin Heike Steffens nahezu alle besetzt. „Im Moment führen wir keine Warteliste“, sagt Steffens. Das könne sich aber schnell wieder ändern. „Die Belegungszahlen schwanken sehr. Vor allem in den Ferienzeiten haben wir viele Anfragen bezüglich der Kurzzeitpflegeplätze.“ 54 Mitarbeiter kümmern sich hier um die Bewohner. Das sind so viele, wie nach dem Pflegeschlüssel zur Verfügung stehen. „In diesem Bereich kann man nie genug Mitarbeiter haben“, sagt Steffens. „Aber diese müssen eben auch bezahlt werden können.“

Im ASB-Pflegeheim stehen 50 Langzeitpflegeplätze zur Verfügung. Je nach Nachfrage können noch vier bis fünf Kurzzeitpflegeplätze angeboten werden. Auch hier ist das vor allem in der Ferienzeit der Fall: „Wir sind meistens von März bis Ende August vollbesetzt“, erklärt Heimleiterin Inna Preis. Momentan wohnen 47 Pflegebedürftige im ASB-Heim, die von 38 Mitarbeitern betreut werden.

Harte Zeiten stehen bevor

Um dem Bedarf an Betreuungsplätzen besser gerecht zu werden, bietet der Arbeiter-Samariter-Bund seit 2012 eine Tagespflege im Gebäude des ASB-Heims an, wo bis zu 15 Pflegebedürftige tagsüber betreut werden können. Dass dies in den nächsten Jahren ausreichen wird, bezweifelt Preis allerdings: „Es kommen harte Zeiten auf uns zu.“

Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung, sieht das ähnlich und die Landesregierung in der Pflicht. Er kritisiert, dass diese nicht erkennbar mache, wie sie auf die Entwicklungen reagieren will: „Man hat den Eindruck, die Landesregierung setzt allein auf neue Wohnformen und die 8er-WGs und verliert darüber den Blick auf die wirklichen Probleme.“

Schneider bezieht sich dabei auf den Entwurf des neuen Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetzes der grün-roten Landesregierung. Unter dessen Regelungen sollen künftig auch alternative Wohn- und Betreuungsformen wie etwa ambulant betreute Wohngemeinschaften für Demenzkranke fallen.

Menschen, die dringend einen Platz brauchen

In einer Mitteilung fordert die Evangelische Heimstiftung stattdessen die aktive Unterstützung der Heimträger durch das Land und die Kommunen bei der Erbauung neuer notwendiger Einrichtungen.

Das Giengener Pflegeheim der Evangelischen Heimstiftung, das Paul-Gerhardt-Stift, ist derzeit vollbesetzt: 100 Bewohner werden stationär betreut. „Zusätzlich haben wir zwei reguläre Kurzzeitpflege-Plätze, können aber je nach Bedarf bis zu zehn Personen aufnehmen“, beschreibt Heimleiterin Beate Brankatschk. Im Paul-Gerhardt-Stift werde – das sei nichts Neues – eine Warteliste geführt. „Darauf stehen derzeit acht bis zehn Personen, die dringend einen Betreuungsplatz benötigen“, sagt Brankatschk. Wer wo auf der Liste steht, entscheide sich in einem Vorgespräch mit den Angehörigen. Generell rät sie diesen, sich möglichst frühzeitig um einen Betreuungsplatz zu kümmern.

Von den Wohngemeinschaften für Demenzerkrankte hält auch Brankatschk nicht viel: „Die Bewohner kommen meist zu einem Zeitpunkt zu uns, zu dem die Demenz schon weiter fortgeschritten ist. Dann brauchen sie bereits eine umfangreiche Pflege.“ Sie plädiert dagegen für einen speziellen Demenzbereich in den Heimen, da es ihrer Erfahrung nach immer wieder zu Konflikten zwischen Demenzkranken und anderen Bewohner komme.

Bereits seit Jahren arbeiten zusätzlich zu den 68 Pflegekräften vier Betreuerinnen im Paul-Gerhardt-Stift, die sich speziell um die Demenzkranken kümmern. Finanziert werden diese von den Krankenkassen.

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