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-Casting in Giengen: Videos von allen Kandidaten

Acht Bewerber um den OB-Sessel setzten sich am Freitag vor großem Publikum in der Walter-Schmid-Halle in Szene. Nicht alle nutzten die 15 Minuten Redezeit aus.

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Acht Oberbürgermeister-Kandidaten stellten sich und ihr Programm gestern Abend in der Walter-Schmid-Halle vor (von links): Rouven Klook, Henrik Vej-Nielsen, Felix Fetzer, Dieter Henle, Rainer Steiff, Mehmet Toykan, Stefan Briel und Maxim Fertich.  Foto: 

Erwartungshaltung hier, Anspannung dort: Auf der einen Seite Hunderte Besucher in einer prall gefüllten Halle, auf der anderen Seite acht Kandidaten, die auf die Bühne traten, um die potenziellen Wähler von ihren Vorzügen zu überzeugen. Jeder musste einzeln auf die Bühne und hatte im Kandidaten-Casting 15 Minuten Zeit, sich und sein Programm zu präsentieren.

Den Auftakt machte – gemäß Listenplatz 1 – Stefan Briel. „Ich empfinde Giengen als Berufung“, so der 39-Jährige, der als Oberbürgermeister sein Augenmerk auf ein langfristiges und nachhaltiges Konzept legt. Es gelte, Investitionen besser zu planen und verstärkt in die Kommunikation mit dem Bürger zu treten. Zudem müssten neue und mehr Einnahmequellen erschlossen werden, ohne an der Steuerschraube zu drehen. Als Herausforderungen nannte er Verbesserungen beim Leerstand, Generieren von moderatem Wachstum sowie die Anbindung des Rieds. Weitere Handlungsfelder sieht er bei den Themen ärztliche Versorgung und der stärkeren Anbindung der Teilorte. Nach Ansicht Briels reicht es nicht aus, als OB zu verwalten. Vielmehr müsse dieser auch Manger sein. „Giengen braucht einen OB, der Giengen versteht. Ich bringe das mit“, so der Bewerber.

Mit den Worten „Ich bin einer von euch, natürlich und unlackiert“, begann Mehmet Toykan seine Vorstellungsrede. Es gelte, Probleme gemeinsam anzugehen und „Hand in Hand“ Aufgaben zu bewältigen. Als Oberbürgermeister wolle er Änderungen und Vorschläge gemeinsam mit der Verwaltung und dem Gemeinderat angehen. Das Schaffen von attraktiven Wohngebieten für junge Familien, die Bekämpfung der Altersarmut durch mehr Sozialwohnungen und die Privatisierung von Kindergärten seien für ihn ebenso wichtige Themen wie die Begleitung von Schulabgängern oder die Liberalisierung von Ladenöffnungszeiten. „Mein Ziel ist es auch, Städteparterschaften zu pflegen und neue zu initiieren“, so Toykan, der seine Redezeit nicht ganz in Anspruch nahm.

Mit „Giengen voran“ warb Maxim Fertich um die Gunst der Wähler. Das müsse das Motto aller Giengener werden. Seiner Ansicht nach brauche die Stadt für die Zukunft neue und visionäre Gründer. „Nur durch das Verwalten bringt man nichts voran. Ohne neue Ideen kann die Stadt nicht überleben. Verwaltungserfahrung halte ich für das Amt als OB für absolut hinderlich“, so Fertich, der meinte, Giengen brauche vielmehr „rasch und schnell“ einen Unternehmertyp und Impulsgeber wie ihn. Es fehle oft an frischen Ideen, die alten Konzepte würden nicht mehr tragen. Fertich verwies zudem auf seine Liebe zu seiner Heimatstadt, seinen Mut zur Veränderung und auf seine Fähigkeit, als gleichsam herzlicher wie kreativer Macher die Anliegen anpacken zu können.

Felix Fetzer brachte zunächst seine Team- und Führungsfähigkeiten sowie seine Leistungsbereitschaft ins Spiel. Die Wähler müssten sich entscheiden, ob sie „den besten Beamten oder einen von ihnen“ haben wollten. Jung, engagiert und unvoreingenommen – diese Eigenschaften bringe er mit. Nötiges Handeln verortet Fetzer beim Thema Ärzteversorgung. Er plädiert hier für ein Ärztehaus in zentraler Lage. Verbesserungen bei Gewerbesteuer-Einnahmen durch mehr Unterstützung für die Betriebe, die nötige Anbindung des Rieds und der Ausbau des Industrieparks an der Autobahn stünden weiter oben auf der Agenda. Fetzer, der nicht die vollen 15 Minuten in Anspruch nahm, setzt sich darüber hinaus für weiteren Schuldenabbau und den Ausbau des Tourismus ein.

In noch kürzerer Zeit, nämlich bereits nach nur knapp acht Minuten, war Rainer Steiff mit der Präsentation seiner Person und seiner Vorstellungen fertig. Ihm gehe es um die Bürger mit ihren Problemen und Sorgen, sagte der 60-jährige Vater von sieben Kindern. Sein Schlagwort sei „Mit dem Bürger, für den Bürger“. Das öffentliche Erscheinungsbild der Stadt liege ihm am Herzen, von den Friedhöfen bis zu den Gehwegen und Straßen. Den Leerstand in der Innenstadt gelte es zu bekämpfen, und die Geschäftswelt mit neuen Konzepten und einem gesunden Warenmix zu neuem Leben erwecken. Städtische Finanzen seien ein heikles Thema, in das man sich gut einzuarbeiten müsse, weshalb er hierzu aktuell keine weiteren Äußerungen machen wolle. Das „Schiff Rathaus“ zu steuern traue er sich zu, auch sei er der Meinung, ein Giengener sollte die Stadt führen. Dabei solle der Bürger als „globales Ganzes“ eingebunden werden.

Der 53-jährige Kandidat Henrik Vej-Nielsen sagte, würden die Bürger ihn wählen, hätte die Stadt mit einem Oberbürgermeister mit dänischen Wurzeln ganz sicher ein Alleinstellungsmerkmal. Das Amt des Stadtoberhaupts betrachte er nicht als Beruf, sondern als Berufung. Er sei ein politischer Mensch, der gestalten wolle. Das Thema Verwaltung wird aus seiner Sicht „total überschätzt“, vonnöten seien vielmehr Wirtschaftskompetenz und innovatives Handeln. Seine künftigen Kerngebiete für Giengen wären die Förderung des Wirtschaftsstandorts durch einerseits Ausbau und Stärkung der Basis, sprich der Förderung bereits vorhandener ortsansässiger Firmen und Betriebe, und andererseits dem Gewinn von Investoren für die Stadt. Des weiteren gehe es ihm um die Steigerung der Attraktivität des Zentrums mit einer aktiven Belebung der „Herzkammer“ Innenstadt und der Reaktivierung der Marktstraße, sowie eine Verbesserung des Zusammenlebens.

Das notwendige „Miteinander“ in der Stadt betonte auch der 42-jährige Kandidat Dieter Henle, denn aus seiner Sicht führt nur nur ein gemeinsames Vorangehen zum Erfolg. Die Giengener Bürger seien zurecht stolz auf ihre Stadt, sie sei modern, solide finanziert und in Bewegung. Die Talsohle sei überwunden. Darauf gelte es aufzubauen, was teils flott gehen könne, teils mit viel Arbeit verbunden sei. Kommunen effektiv zu gestalten und zu verwalten, habe ihn schon immer fasziniert. Seine Vision für die kommenden Jahre sei es, Giengen zu einer Fünf-Sterne-Stadt zu machen, wozu für ihn die Gestaltung einer attraktiven Wohn- und Arbeitsstadt ebenso gehört wie eine starke, solide finanzierte Infrastruktur. Finanziell müsse alles auf Sicht bleiben, ohne Steuererhöhung und mit Senkung der Verschuldung. Jung sein in Giengen „soll Spaß machen“ und auch das Alter positiv erlebt werden können. Ein lebendiges Zentrum mit einer gepflegten Fußgängerzone soll das Ergebnis der Innenstadtentwicklung sein, als Treffpunkt für Bürger und Auswärtige. Er zähle auf ein aktives Miteinander in einer offenen Bürgergesellschaft.

Der Abschluss des Vorstellungsreigens gebührte dem 32 Jahre alten Rouven Klook. Er habe sich bewusst für die spannendste Form der Politik, nämlich die Kommunalpolitik entschieden. Die Basis für ihn sei es, offen und ehrlich miteinander umzugehen, und ebenso offen miteinander zu reden und gemeinsam an Aufgaben zu arbeiten. Es gelte die Anliegen der Bürger ernst zu nehmen und Sachverstand sowie Erfahrung einzuholen. Klook sprach vom „Projekt Bürgerstadt“. Er wolle ein lebendiges und starkes Giengen weiter entwickeln, das sich dann auch selbstbewusst präsentieren soll. Es sei eine Stadt, in der es sich leben lasse. Themen wie Ärzteversorgung, Unterstützung der Familien, eine starke Wirtschaft und ein guter Einzelhandel seien wichtig für ihn. Ein OB müsse dafür sorgen, dass seine Stadt attraktiv für Neuansiedlungen ist, ohne zu vergessen, die vorhandenen Unternehmen zu stärken. Auch die Innenstadt habe Potenzial. „Ein Aufbruch kann gelingen“, sagte er. Wichtig sei allerdings stets eine solide Finanzausstattung, die Verschuldung sei weiter in den Griff zu kriegen. Er sieht das Amt des OB als Langzeitprojekt: „Ich will in Giengen leben, arbeiten und wohnen, und das nicht nur vorübergehend und nicht nur für acht Jahre“, sagte er.

Den Schlusspunkt des Abend, der angesichts der großen Zahl der Bewerber ohne Podium und Fragerunde beendet wurde, setzte der noch amtierende Amtsinhaber Gerrit Elser. Er warb dafür, am 16. Juli zur Wahl zu gehen.

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