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Hürben wurde vor 40 Jahren mit Giengen "verheiratet"

Vor mehr als vier Jahrzehnten, als die Gemeindereform in Baden-Württemberg vorbereitet wurde, hatte Hürben die „Qual“ der Wahl. Hürben als Braut hatte mit Giengen und Herbrechtingen zwei potente Heiratswillige, die um das Dorf im Hürbetal intensiv warben.

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  • Unterzeichnen den Eingemeindungsvertrag: Giengens Bürgermeister Walter Schmid (links) und Hürbens Bürgermeister Ernst Bosch. 1/3
    Unterzeichnen den Eingemeindungsvertrag: Giengens Bürgermeister Walter Schmid (links) und Hürbens Bürgermeister Ernst Bosch.
  • Durch die Höhlenerlebniswelt ist Hürben mittlerweile ein Besuchermagnet für Ausflügler und Touristen. 2/3
    Durch die Höhlenerlebniswelt ist Hürben mittlerweile ein Besuchermagnet für Ausflügler und Touristen.
  • Stark belastet ist das Dorf durch den LKW-Verkehr auf der engen Ortsdurchfahrt. 3/3
    Stark belastet ist das Dorf durch den LKW-Verkehr auf der engen Ortsdurchfahrt.
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In Hürben stand eigentlich nie zur Diskussion, ob die Gemeinde eventuell selbstständig bleiben wolle. Die Meinungen gingen vielmehr darüber auseinander, ob man sich Giengen oder Herbrechtingen anschließen solle. Hürben gehörte zu den wenigen Gemeinden, die den „Luxus“ hatten, sich zwischen zwei Kommunen entscheiden zu dürfen.

Giengen und Herbrechtingen unternahmen Etliches, um die Gunst von Hürbens Einwohnerschaft zu gewinnen. Da wurde so manches versprochen. Für Hürben war etwa ein Sportplatz, der damals im Dorf schmerzlich fehlte, ein wichtiges Anliegen. Andererseits erwartete die Muttergemeinde kräftige Zuschüsse aus dem Landessäckel. Der Verlust der Selbstständigkeit wurde Hürben deshalb, wie allen anderen betroffenen Gemeinden, mit „Hochzeitsgeschenken“ versüßt.

Für Hürben waren seinerzeit für die Abwicklung der Eingemeindung verantwortlich: Bürgermeister Ernst Bosch, die Gemeinderäte Wilhelm Häge, Karl Eßlinger, Michael Eßlinger, Michael Schauz, Ernst Kastler, Christian Zorn, Helmut Steck, Werner Kastler, Werner Held und Johannes Römer. Das Dorf Hürben, eine Arbeiter- und Bauerngemeinde mit einer Grundstücksfläche von knapp 951 Hektar und im Besitz des Kleinods Charlottenhöhle, konnte doch einige Pfunde in die Mitgift-Schale werfen, zumal Hürben in den Jahren bis zur Aufgabe seiner Eigenständigkeit mit dem Bau eines Schulhauses, eines Kindergartens, einer Leichenhalle, dem Kauf der Turn- und Festhalle Charlottenhöhle, Bau einer Kläranlage einiges geleistet und trotzdem relativ wenig Schulden hatte. Deshalb sahen die Hürbener auch keinerlei Grund, falsche Bescheidenheit an den Tag zu legen, als sie daran gingen, ihren Wunschkatalog aufzustellen. Dazu gehörte: Fertigstellung der Ortskanalisation, Ausbau der Ortsstraßen, Fußgängerüberwege, Neubau eines Kindergartens mit zwei Gruppenräumen, Bau eines Sportplatzes, Anlagen zur Verbesserung des Fremdenverkehrs (Charlottenhöhle), Bau einer Gemeindehalle, Erweiterung des Friedhofes, Erschließung von Baugelände, Förderung des Baues der geplanten Umgehungsstraße (Kreisstraße), Bau eines Feuerwehrgerätemagazins samt Fahrzeug. Bei der Bürgeranhörung am 28. November mit der Frage: „Anschluss an Giengen – Ja oder Nein?“ votierten 335 Bürger (69 Prozent) für den Anschluss an Giengen. Der Hürbener Gemeinderat stimmte daraufhin ebenfalls dafür.

Am 1. Dezember 1971 wurde der Eingemeindungsvertrag von den beiden Bürgermeistern Walter Schmid aus Giengen und Ernst Bosch aus Hürben in der Turn-und Festhalle Charlottenhöhle unterzeichnet. Der Hürbener Gemeinderat wählte aus seiner Mitte zwei Vertreter (durch die unechte Teilortswahl werden Hürben zukünftig zwei Sitze im Giengener Ratsgremium garantiert), die Hürben zukünftig im Giengener Gemeinderat vertreten. Es waren dies Wilhelm Häge und Johannes Römer. Hürbens Bürgermeister Ernst Bosch trat am Tage der Eingemeindung auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Ein Ortschaftsrat für Hürben wurde nie für erforderlich erachtet.

Seither wurde einiges geschaffen: zweizügiger Kindergarten (1973), TV-Sportanlage Katzenloch (1980), Feuerwehrgerätemagazin (1988), Verbesserung der Wasserversorgung durch neuen Hochbehälter (1987/88), Erdgasversorgung (1991), Jubiläum 100 jahre Entdeckung der Charlottenhöhle (1993), neuer Museumsvorplatz (1998), Abholzung der Pappelallee am Kagberg (2001), Einweihung der Hürbetal-Halle (2001), Gründung des Höhlen-und Heimatvereins (2002), Erschließung Gewerbegebiet Seewiesen (2004), neues Feuerwehrauto LF 10/6 (2004), Einweihung Höhlenhaus am Fuße der Charlottenhöhle (2005), Einweihung Museum „Faszination Höhle Mensch Natur“ (2008), neue Beleuchtung Charlottenhöhle (2011).

Trotz des Erreichten bleiben Wünsche offen: Alles andere als zufriedenstellend ist die Verkehrssituation mit dem Schwerlastverkehrs auf der engen Ortsdurchfahrt. Fällig ist die Außenrenovierung des Schulhauses. Gewünscht wird in Hürben auch ein Dorfplatz. Befürchtungen hegt Hürben, weil es die notwendige Grundversorgung ihres Stadtteils durch Wegfall verschiedener Einrichtung von Post bis Sparkasse nicht mehr gewährleistet sieht. In Hürben gibt es auch keine Gastwirtschaften mehr. Von den ehemals sieben Gasthäusern besteht nur noch der „Felsen“, der sich jedoch mehr auf Übernachtungsgäste konzentriert und die Wirtschaft nur bei Voranmeldung öffnet.

Bilanzierend kann festgestellt werden, dass Hürben in den zurückliegenden 40 Jahren sichtlich Fortschritte gemacht hat. Vor allem für die jüngeren Hürbener ist die Eingemeindung kein Thema mehr. Zudem lässt die Stadtverwaltung Giengen den Hürbenern relativ freie Hand, um ihre in vielen Jahren gewachsene Traditionen und eigenen Ideen leben und verwirklichen zu können.

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