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Herbstkonzert der Stadtkapelle Giengen überzeugte mit jüdisch angehauchten Klängen

Der Musikverein Stadtkapelle wählte heuer die Stadtkirche als Aufführungsort – und bezog auch die Link-Orgel ins Konzert mit ein.

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Herbstkonzert in ungewöhnlichem Ambiente: der Musikverein Stadtkapelle unter Leitung von Edgar Bürger bot am Samstagabend ein abwechslungsreiches Programm – und bezog auch Kantor Christian Barthen an der Link-Orgel im Konzert mit ein.  Foto: 

Klar, Bach geht immer. In einer Kirche sowieso. Und Händel selbstverständlich auch. Schließlich stammen aus der Feder des nicht minder benannten Barock-Komponisten bedeutende Werke wie das berühmte Messias-Oratorium und die „Feuerwerksmusik“.

Aber eben zum Beispiel auch die „Wassermusik“, die der 1685 in Halle (Saale) geborene Georg Friedrich Händel unter anderem dem englischen König Georg I. im Juli 1717 präsentieren durfte.

Doch zunächst Johann Sebastian Bachs Tocatta und Fuge in d-moll also als Einstieg der berühmten Giengener Link-Orgel in der Stadtkirche – und damit das wohl mit Abstand bedeutendste Orgelwerk, das vielfach auch in diverser Filmmusik oder in der Populärmusik verwendet wird.

Christian Barthen, ein ausgesprochener Bach-Kenner, inszenierte das Stück in gekonnter Souveränität, die man in Giengen seit dessen Berufung zum Kantor der evangelischen Kirchengemeinde quasi gewohnt ist.

Zuvor hatte Rainer Lorenz in seiner Funktion als Vorsitzender des Musikvereins Stadtkapelle den Besuchern in der nahezu vollbesetzten Stadtkirche erklärt, warum heuer das traditionelle Herbstkonzert der größten Giengener Kapelle nicht wie sonst in der Walter-Schmid-Halle, sondern ausnahmsweise in der Hauptkirche der Giegener evangelischen Kirchengemeinde stattfindet: „Wie sie wissen, haben wir immer einen Solisten mit dabei.“ Und da dieses Mal Christian Barthen der Solist sei und man ja schlecht die Link-Orgel in der Stadtkirche aus- und in der Walter-Schmid-Hhalle wieder einbauen könne, gebe man dieses Mal das Konzert in der Stadtkirche.“

Kurzweilige 80 Minuten

Den musikalischen Einstieg ins kurzweilig, nach knapp 80 Minuten (inklusive dreier Zugaben) bereits wieder beendete Herbstkonzert lieferte noch die Stadtkapelle, noch bevor Barthen seinen Orgelpart übernahm, von der Empore herab: mit der „Libussa Fanfare“ von Friedrich Smetana aus der gleichnamigen Oper.

Nach Bach folgte – nun hatte sich die Stadtkapelle ganz klassisch im vorderen Bereich der Stadtkirche in Vollbesetzung platziert – Georg Friedrich Händels „Wassermusik“. Dabei wusste die Kapelle die große Bandbreite ihrer Instrumente zu nutzen – und vor allem, wie auch bei den nachfolgenden Stücken, den saalartigen Kirchenraum wahrlich mit musikalischer Präsenz zu füllen.

Klezmer Classics als Highlight

Bach wie Händel - für die Konzertbesucher beide keine Unbekannten. Das sollte sich dann aber mit Johann de Meji ändern: der zeitgenössische niederländische Komponist lieferte nämlich mit den „Klezmer Classics“ einerseits den ungewöhnlichsten, andererseits aber auch spannendsten Teil des Abends.

Natürlich ist der de Meji selbst kein Unbekannter, komponierte er doch unter anderem die Sinfonie Nr. 1 „Lord of the rings“ für J. R. R. Tolkiens berühmte Herr der Ringe. Die „Klezmer Classics“ dürften aber doch eher vor allem den tatsächlichen Kennern ein Begriff sein – und so dürften sich nicht wenige Konzertbesucher an diesem Samstagabend durchaus überrascht gezeigt haben, auf welche Weise Johann des Meji einerseits fünf Klassiker aus dem Klezmer-Repertoire herauszog und daraus ein mitreißendes Klangbild schuf. Mit dem „Klezmer“ nahm sich der Niederländer der traditionellen Instrumentalmusik bei Hochzeiten und Festen der jiddisch sprechenden Juden Osteuropas an, das wiederum von der Stadtkapelle beeindruckend intoniert wurde. Für eine evangelische Kirche eher ungewöhnliche Töne, aber vom Publikum ausdauernd beklatscht.

Den Abschluss im kompakt gehaltenen Programm des Herbstkonzerts bildete dann die Orgelsinfonie (II. Satz) von Camille Saint-Säens „3. Sinfonie“ in c-moll, bevor die Kapelle unter dem stets lebhaften Dirigat von Stadtkapellmeister Edgar Bürger die sichtbar gut unterhaltenen Besucher des Konzerts mit drei Zugaben in die Nacht entließ.

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