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Giengener Geriatrie auf dem Weg der Besserung

Die vergangenen vier Jahre waren für die geriatrische Rehaklinik nicht einfach: Hohe Verluste hatten Zweifel am Fortbestand der Einrichtung aufkommen lassen. Mit steigenden Belegungszahlen und höheren Pflegesätzen ist die Einrichtung nun wieder auf einem guten Weg. Doch der ist noch lange nicht zu Ende.

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Von einer Schließung der geriatrischen Rehaklinik in Giengen spricht mittlerweile niemand mehr. Für 2014 wird aber nach wie vor mit roten Zahlen gerechnet.  Foto: 

Fast 400 000 Euro: Das war die Zahl, die 2010 dem Heidenheimer Klinikum, dem Landkreis und vor allem der Belegschaft in der Giengener Geriatrie Sorgen bereitet hatte. So hoch war der Verlust, den die Einrichtung in jenem Jahr machte. 2011 entspannte sich die Situation nur leicht: Ein Minus von 300 000 Euro stand damals unterm Strich.

Giengen war und ist kein Einzelfall: Landauf, landab mussten geriatrische Kliniken schließen, weil sie finanziell nicht mehr tragbar waren. Die Schließung der Aalener Rehaklinik 2011 ist nur ein Beispiel aus der näheren Umgebung.

Fast drei Millionen Euro vom Heidenheimer Klinikum

Die roten Zahlen in Giengen kamen durch eine an sich einfache Rechnung zustande: Leere Betten plus niedrige Pflegesätze ergaben einen hohen Verlust, den stets das Heidenheimer Klinikum ausgleichen musste. Und das nicht zu knapp: Seit Eröffnung der Geriatrie 1998 flossen fast drei Millionen Euro nach Giengen. Kein Wunder also, dass die Einrichtung auf der Kippe stand.

Davon ist man mittlerweile wieder abgerückt. Zum einen liegt die Belegungsquote heute wieder bei durchschnittlich rund 90 Prozent. Zum anderen konnte die Geschäftsführung des Heidenheimer Klinikums rund um Reiner Genz im vergangenen Herbst mit den zuständigen Krankenkassen höhere Pflegesätze vereinbaren. Diese hatten sich von 1998 bis 2013 kaum merklich von 160 auf 162 pro Patient und Tag erhöht. Bei steigenden Personal- und Betriebskosten konnte diese Rechnung nicht aufgehen. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich im Herbst auf 182 Euro.

Neue Verhandlungen mit Krankenkassen

Für eine schwarze Null im Jahr 2014 wird dies allerdings erneut nicht ausreichen. Geschäftsführer Genz rechnet mit einem Verlust der Giengener Geriatrie in Höhe von 150 000 bis 160 000 Euro. „Gemessen an der Verlusten, mit denen wir noch vor vier Jahren konfrontiert waren, ist das natürlich ein Erfolg“, sagt Genz. „Aber es ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.“ Soll heißen: Der Klinik-Chef sieht die Krankenkassen weiterhin in der Pflicht, die Pflegesätze dem tatsächlichen Bedarf der Klinik anzupassen. Deshalb hat das Heidenheimer Klinikum die laufenden Verträge mit den Krankenkassen zum Oktober bzw. Dezember gekündigt und bereitet sich derzeit auf erneute Verhandlungen vor. „Unser Ziel ist eine weitere Steigerung um zwölf Prozent“, sagt Genz.

Aber auch auf politischer Ebene müsse sich etwas ändern: Durch die Unterbringung eines Patienten in einer geriatrischen Reha-Klinik profitieren die Pflegeversicherungen, die damit die Kosten für eine Langzeitpflege sparen. Bezahlen müssen aber die Krankenkassen. „Es wäre deshalb sinnvoll, wenn sich die Pflegeversicherungen an der geriatrischen Pflege beteiligen würden. Schließlich ist eine auskömmliche Finanzierung nicht nur in den Kliniken, sondern auch bei den Krankenkassen immer ein Thema“, sagt Genz.

Viel Lob für die Mitarbeiter

Martin Nicklaus ist seit fünf Jahren Chefarzt in der geriatrischen Reha-Klinik und hat somit die prekäre Lage der vergangenen vier Jahre direkt miterlebt. Er ist vor allem voll des Lobes für seine Mitarbeiter, von denen auch in Krisenzeiten alle gehalten werden konnten: „Das Engagement der Belegschaft in Giengen ist wirklich toll.“ Jeder leiste seinen Beitrag zur Erhaltung der Klinik. „Für die Mitarbeiter ist die Entwicklung seit 2010 motivierend und frustrierend zugleich“, so Nicklaus. Auf der einen Seite sehe man zwar den Fortschritt, auf der anderen Seite stehe aber trotz aller Anstrengungen unterm Strich noch immer eine Minuszahl.

Auch Nicklaus hofft, dass sich dies in Zukunft ändern wird, denn von der zentralen Bedeutung der Klinik für den Landkreis sind sowohl Genz als auch Nicklaus überzeugt. „Es wäre einfach Blödsinn eine Einrichtung, die sich bewährt hat, aufzugeben“, sagt Klinikum-Geschäftsführer Genz. „Zumal die Giengener Geriatrie einer permanenten externen und internen Qualitätssicherung unterliegt und 75 Prozent unserer Patienten nach ihrem Aufenthalt wieder nach Hause entlassen werden können“, ergänzt Nicklaus. Gemessen am Landesdurchschnitt sei das eine hervorragende Quote.

Situation in Aalen hat keinen Einfluss

In Aalen stehen mittlerweile wieder 60 Betten im Bereich der geriatrischen Rehabilitation zur Verfügung. Nach der Schließung der Reha-Klinik 2011 war diese Zahl zunächst auf 48 gesunken. Einfluss auf die Situation in Giengen hatte und hat dies laut Nicklaus aber nicht. Patienten kommen neben dem Landkreis Heidenheim hauptsächlich aus Dillingen, Langenau, Ulm oder Tübingen nach Giengen.

Mit Blick auf die erneuten Verhandlungen mit den Krankenkassen im Herbst hofft Genz, dass bei allen Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit eines nicht vergessen wird: „Im Gesundheitsbereich stets nur auf wirtschaftliche Prognosen und sogenannte Outcomes zu achten, ist schwierig. Schließlich bauen wir hier keine Autos, sondern arbeiten mit Menschen.“

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