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Giengen: Reichsstadt, Kreisstadt, Kreishauptstadt?

1938 erhielt der Kreis Heidenheim seine heutige Form – doch als Herrschaftsgebiet reichen seine Wurzeln Jahrhunderte zurück. Der wohl wichtigste Zugewinn fand im Jahr 1809 statt, als Giengen zum Oberamt Heidenheim kam.

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 „Spätestens seit dem Verkauf der Herrschaft Heidenheim an Württemberg im Jahr 1448 hat der Kreis eine Tradition als staatlicher und kommunaler Verwaltungsraum“, sagt Kreisarchivar Markus Baudisch.

Und vor der Reform von 1938 hatte sich an der Größe des Oberamtes lange nichts getan. Der wohl wichtigste Zugewinn fand im Jahr 1809 statt, als Giengen zum Oberamt Heidenheim kam.

Rückblick: Während Heidenheim sich von Ober- und Untervögten und Ministern des Stuttgarter Hofs regieren ließ, hatten die Giengener schon im Jahr 1395 ihre „Reichsfreiheit“ erlangt. Giengens bürgerliche Oberschicht regierte die Stadt und duldete über sich weder Herzöge noch Könige, sondern lediglich das Heilige Römische Reich. Selbst eigene Gewichte und Maße hatten die Giengener, eigene Gerichte und eigene Strafgesetzbücher.

1806 zog Giengen mit Heidenheim gleich

Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ab 1803 war mit dem Freistaat im Brenztal aber Schluss: Napoleon stärkte die Mittelstaaten, Giengen kam zu Württemberg, das insgesamt gewaltig an Fläche und Einwohnern gewann und ab 1806 als Königreich firmierte.

Und das Königreich richtete der ehemals freien Stadt auch erst einmal einen eigenen „Landkreis“ ein: 1806 wurde Giengen Sitz eines eigenen Oberamts, zog also mit Heidenheim gleich. Das entsprach durchaus den Realitäten. Giengen hatte um das Jahr 1805 rund 1600 Einwohner, Heidenheim rund 1700 Einwohner.

Doch das Oberamt Giengen blieb Episode. Schon 1809 war es wieder aufgelöst und Giengen dem Oberamt Heidenheim zugeschlagen. Seit 1999 ist Giengen Große Kreisstadt und könnte sich damit sogar Außenstellen des Landratsamts (wie eine Zulassungsstelle) halten – doch im Hinblick auf den kurzen Weg nach Heidenheim und auf die Finanzlage von Stadt und Kreis bleibt es bei der theoretischen Möglichkeit. Und nach einem „Giengen“-Kennzeichen ruft 200 Jahre nach dem Anschluss an den Landkreis auch niemand.

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