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Gehen Kleiderläden die Spenden aus?

Der Landkreis wird ab 2014 ins Altkleidergeschäft einsteigen. Dem Deutschen Roten Kreuz, das in Giengen einen Second-Hand-Kleiderladen betreibt, macht das Sorgen. Der Kreisabfallwirtschaftsbetrieb entschärft.

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Bereits heute ist die Ware im DRK-Kleiderladen in der Marktstraße manchmal knapp. Leiterin Evi Lattermann (links) befürchtet, dass sich die Lage zuspitzt, wenn der Landkreis in die Altkleidersammlung einsteigt.  Foto: 

Das Geschäft mit gebrauchten Kleidern und Schuhen ist lukrativ. Pro Tonne winken Einnahmen in Höhe von bis zu 400 Euro. Das ruft allerorten gewerbliche Sammler auf den Plan.

Um das Ausufern dieser mitunter nicht einmal angemeldeten Sammlungen einzudämmen, wird nächstes Jahr der Landkreis, genauer gesagt der landkreiseigene Kreisabfallwirtschaftsbetrieb selbst ins Altkleidergeschäft einsteigen. Landkreisweit werden dann Säcke ausgeteilt, in welche die Haushalte Altkleider und Schuhe geben können. Über Vereine soll die Abholung abgewickelt werden. So weit, so logisch. Doch manchen bereitet dies Sorgen. Denn vor allem caritative Einrichtungen blicken seit dem Beschluss kritisch in die Zukunft.

So etwa das Deutsche Rote Kreuz, das in Giengen einen Second-Hand-Kleiderladen betreibt. Dort können Menschen preisgünstige Kleidung und Schuhe kaufen, mit entsprechendem Nachweis muss nur die Hälfte bezahlt werden. Die Waren stammen von Spendern.

Gefahr, dass nicht mehr genügend Ware kommt

DH-Studentin Evi Lattermann leitet den Laden zusammen mit einer Kollegin. Sie sagt: „Wenn der Landkreis einsteigt, besteht die Gefahr, dass uns nicht mehr genügend Ware zukommt. Es gibt jetzt schon Zeiten, in denen die Ware knapp ist.“ Denn, so Lattermann, für die Menschen werde es bequemer sein, ausgediente Kleidungsstücke im Sack vor die Tür zu stellen, statt sie wie jetzt zu entsprechenden Sammelcontainern oder direkt in einen Kleiderladen zu geben.

Lattermann will nicht nur für ihre Organisation, sondern für sämtliche Institutionen sprechen, die mit gebrauchter Ware im Kreisgebiet die Bevölkerung versorgen. „Es geht mir um die gute Sache. Es ist doch schön, wenn wir vor Ort helfen können, wenn wir die Kleider vor Ort denjenigen Menschen geben können, die sie brauchen, anstatt sie woanders hinzukarren.“

Und der Bedarf ist da. Das kann die 43-Jährige an der Resonanz auf den DRK-Laden in der Marktstraße festmachen. Allein 150 Stammkunden mit entsprechenden Nachweisen kämen regelmäßig, um sich mit Kleidung auszustatten. „Um diesen Bedarf zu decken, sind wir einfach auf Spender angewiesen, die gut erhaltene Kleidung und Schuhe abgeben.“

Ökologischer Aspekt: Kleider bleiben im Kreis

Die Studentin will nicht tatenlos zusehen. „Klar, wir wissen nicht, wie es kommt, wie die Bevölkerung reagiert, aber für uns wird es schwieriger werden, weil wir jetzt noch mehr Öffentlichkeitsarbeit machen müssen – und das, wo wir großteils mit Ehrenamtlichen arbeiten.“ Lattermann verweist auch auch den ökologischen Faktor: „Wenn die Kleider im Landkreis bleiben, gibt es etwa keine langen Transportwege.“

Weiter sieht sie auch staatlich bezuschusste Arbeitsplätze in Gefahr: „Wir haben Stellen geschaffen, haben Bürgerarbeiter, die ja auch über Bundesmittel finanziert werden. Wenn es uns nicht mehr gibt, gibt es auch das nicht mehr.“

Lattermann hat Ideen. Beispielsweise könnte man, so die Studentin, mit den regelmäßigen Abfallinformationen zum Jahresende einen Prospekt im Landkreis verteilen, um auf Abgabemöglichkeiten gut erhaltener Kleidung beim DRK, der Awo, der Diakonie, der Caritas und beim Kinderschutzbund hinzuweisen. „Ich weiß, dieser Vorschlag kommt jetzt ein wenig spät, aber vielleicht lässt sich ja noch etwas machen.“

Franz Bareth, der Leiter des Kreisabfallwirtschaftsbetriebs, wie auch Landrat Thomas Reinhardt haben im Abfallwirtschaftsausschuss betont, keine Konkurrenz zu caritativen Einrichtungen aufbauen zu wollen. Man wolle ebensowenig, dass die örtlichen Kleiderkammern nicht mehr versorgt würden. Franz Bareth sagt: „Unser Ziel ist es, den Wildwuchs der gewerblich aufgestellten Container einzudämmen, Kleiderkammern vor Ort sind sinnvoll und sollen auch weiterbestehen. Für die Kleiderkammern und sozialen Projekte werden wir auch werben.“

Gewerblich Sammler sind Konkurrenz

Bareth ergänzt: „Die Konkurrenz zu den wohltätigen Projekten sind die vielen gewerblichen Sammler. Zudem bin ich der Meinung, wer aus Überzeugung Kleidung in einer Börse oder einem Second-Hand-Laden abgibt, wird dies bis auf einen bestimmten Prozentsatz auch in Zukunft tun, Sack vor die Tür hin oder her.“

Gespräche mit caritativen Einrichtungen habe es bereits gegeben, weitere Zusammenkünfte stünden an, so Bareth. Auch mit den Zuständigen des DRK-Kleiderladens werde er sich zusammensetzen. „Wir müssen schauen, wie wir das gut unter einen Hut bringen können.“

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