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Felix Anton Lehnert: Mit Pauken, aber ohne Trompeten

Im Alter von vier Jahren begann Felix Anton Lehnert seine musikalische Laufbahn an der städtischen Musikschule. Mit acht entschied er sich für Schlaginstrumente, studierte diese später und ist mittlerweile Solopauker im Leipziger Symphonieorchester. Im Interview erzählt er wie er zu seinem Beruf kam und warum sich Schlaginstrumente auch für Solokonzerte eignen.

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Haut auf die Pauke: Felix Anton Lehnert, Schlagzeuger aus Leidenschaft. Der 44-Jährige ist Solopauker beim Symphonieorchester Leipzig. Am Sonntag spielt er ein Konzert in seiner Heimatstadt Giengen.  Foto: 
Herr Lehnert, warum gerade Pauke? Stehen da nicht mehr Pausen als Noten auf der Partitur?

Da muss unterschieden werden. Angefangen habe ich mit der Blasmusik im Musikverein Giengen. Da hat der Schlagzeuger natürlich mehr zu tun, als der Pauker. Das stimmt schon. Aber in der klassischen Musik ist es genau umgekehrt. Da ist die Pauke das Schlaginstrument mit den meisten Einsätzen und hatte als erstes einen festen Platz im Orchester. Und ich bin ja auch kein reiner Pauker, sondern über das Schlagzeug zu dem Instrument gekommen. Im Studium gibt es da keinen Unterschied.

Die klassischen Soloinstrumente sind es aber nicht. Trotzdem setzen Sie sich seit einigen Jahren dafür ein.

Stimmt. Bei Schlaginstrumenten ist diese solistische Sache eben etwas komplett anderes, als im Orchester zu spielen. Ich kann aber nicht sagen, lieber Solo zu spielen als der Pauker im Orchester zu sein. Denn auch da hat man eine große Verantwortung und muss den Laden zusammenhalten. Im Solobereich ist es wiederum reizvoll, mit unterschiedlichen Klängen zu experimentieren, die Instrumente dafür zu suchen und teilweise sogar selbst zu bauen. Da können Instrumente aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammengewürfelt werden. Im Orchester hat man eben seine fünf Pauken und muss diese in Schuss halten. Aber das war es dann auch.

Sie haben aber bereits eine Matinee nur für Pauken auf die Beine gestellt. Ich stelle es mir schwer vor, Stücke nur für dieses Instrument zu komponieren.

Das stimmt auch. Ich mache das gerne, aber es ist nicht ganz einfach, die passenden Stücke zu finden. Denn es gibt in der Tat nicht gerade viele Möglichkeiten, dass ein Konzert nach einer halben Stunde nicht wieder klingt wie am Anfang. Das wäre dann wirklich nur etwas für Fans.

Sie haben sehr früh angefangen. Schon mit vier Jahren.

Natürlich nicht professionell, aber in der Musikschule, ja. Und dann hat sich das daraus eben entwickelt.

Und warum hat sich gerade Schlagzeug daraus entwickelt?

Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht wirklich. Vielleicht Rebellion (lacht). Als ich mit acht Jahren angefangen habe, Schlagzeug zu spielen, hatte ich dafür keinen bestimmten Grund. Das ist ja auch kein Instrument, das die Eltern vorschlagen. Aber ich habe oft mit Kollegen diskutiert, ob nun das Instrument den Charakter eines Musikers formt oder ob der Charakter gegeben ist und die Wahl des Instruments beeinflusst. Ist der zweite Geiger so ruhig, weil er die zweite Geige spielt, oder spielt er die zweite Geige, weil er so ruhig ist?
Sehr philosophisch. Aber ein interessanter Ansatz.

Was ich jedenfalls am Schlagzeug liebe, ist die Vielseitigkeit. Das Instrument ist von der Rockmusik bis zu Barock oder Romantik überall einsetzbar. So ein breites Spektrum hat man beispielsweise mit einer Geige nicht.

Das stimmt natürlich. Dafür braucht man mit einer Geige weniger Platz zum Üben als mit Pauken.

Schon, aber ich bin in einem Einfamilienhaus aufgewachsen. Da hatte ich zwei Pauken im Keller stehen, die ich mir vom Musikverein leihen konnte. Das war also kein Problem. Einen Satz Pauken gab es dann an der Hochschule. Bis ich meine eigenen Pauken hatte, sind aber bestimmt nochmal zehn Jahre vergangen.

Wurde Ihnen die Musik eigentlich in die Wiege gelegt?

Mein Großvater, an den ich mich leider nicht mehr erinnern kann, hat wohl Violine gespielt. Meine Eltern wurden ausgelassen, aber mein Bruder ist auch Klarinettist.

Manche Eltern mit talentierten Kindern sind ehrgeiziger als die Kinder selbst, die dann kaum noch Freizeit haben. Wie war das bei Ihnen?

Ich bin meinen Eltern sehr dankbar für die Unterstützung. Wenn ich irgendwo hin musste, haben sie mich gefahren und mir auch finanziell unter die Arme gegriffen. Aber sie haben mich nie zu etwas gedrängt. Das war schon alles freiwillig, und so sollte es ja auch sein. Ich habe bei Bosch-Siemens eine Lehre zum Elektroniker gemacht, mich dann aber doch für ein Musikstudium entschieden. Zu der Zeit war ich tagsüber im Betrieb und abends am Üben. Da blieb dann wirklich nicht mehr viel Zeit.

Und heute? Sie sind Solopauker im Symphonieorchester, spielen in zahlreichen weiteren Formationen, stellen eigene Projekte auf die Beine. Bleibt da noch Zeit für Hobbys?

Mein Beruf, also die Musik, ist zugleich mein Hobby. Nicht nur das praktische Spiel, sondern auch Literatur. Ich forsche da in Randgebieten wie zum Beispiel den Solopaukern, die Xylophon spielten oder wie die Pauke vor 300 Jahren eingesetzt wurde. Wobei ich selten Musik höre.

Warum nicht?

Weil ich den ganzen Tag sowieso Musik mache.

Sie sind beruflich viel unterwegs und haben auch privat schon größere Touren gemacht. Das heißt, Sie verreisen gerne?

Das täuscht (lacht). Die Touren waren etwas Besonderes. Das eine war eine Reise nach Hasankeyf, ein türkischer Ort, der geflutet werden sollte. Und das andere war eine Pilgerfahrt nach Rom, ein spontanes Abenteuer, und beides hatte mich interessiert. Aber so etwas wie Pauschalurlaub, zwei Wochen am Strand, das ist überhaupt nicht mein Ding. Und dazu kommt, ähnlich wie mit dem Musikhören: Wenn ich mit dem Orchester viel unterwegs war, bin ich auch einmal froh, zu Hause zu sein.

Zu Hause heißt in Leipzig. Welchen Bezug haben Sie heute zu ihrer Heimatstadt Giengen?

Meine Mutter wohnt noch dort, die ich gerne besuche. Wenn es klappt, komme ich auch zum Kinderfest, beim Jahrgangstreffen war ich vor drei Jahren. Ich habe also schon noch Bezug zu meiner Heimat, auch musikalisch.

Gutes Stichwort. Am Sonntag geben Sie in Giengen in der Heilig-Geist-Kirche ab 18 Uhr ein Konzert.

Stimmt. Zusammen mit Richard Bechtle von der katholischen Kirchengemeinde. Das hatten wir früher öfter gemacht, ist aber bestimmt schon zehn Jahre her und daher am Sonntag so eine Art Reminiszenz. Obwohl wir nicht wie früher Kammermusik mit Orgel und Schlaginstrumenten machen werden. Da wäre der Probenaufwand zu groß.

Sondern?

Wir spielen beide solo. Ich habe mir Stücke von Franco Donatoni, von James Wood und von Siegfried Fink, meinem früheren Professor, herausgesucht. Damit kommen verschiedene Percussion-Instrumente vom Vibraphon bis zu Rhythmus-Instrumenten zum Einsatz.

Nun bleiben Sie Ihrem Publikum wahrscheinlich nicht nur musikalisch in Erinnerung. Der Bart hinterlässt durchaus bleibenden Eindruck. Ist das so etwas wie Ihr Markenzeichen?

Ja (lacht). Ich denke, das kann man so sagen.
 
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