Partner der

Was war die höchste Strafe, die ein Gericht im Kreis Heidenheim je verhängt hat?

Serie Spitzenreiter: Verbrechen, lange Haftstrafen bis hin zu lebenslänglich – was war das höchste Strafmaß, das ein Gericht für Taten im Landkreis verhängt hat?

|
Vorherige Inhalte
  • In den vergangenen Jahren wurden im Landkreis Urteile gesprochen, die lange Haftstrafen mit sich brachten. 1/2
    In den vergangenen Jahren wurden im Landkreis Urteile gesprochen, die lange Haftstrafen mit sich brachten. Foto: 
  • Hinter diesen Türen an der Memminger Straße in Giengen geschah Anfang 2016 der Mord an einer 79-jährigen Frau. Der damals 38-jährige Täter, der aus Habgier handelte, wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. 2/2
    Hinter diesen Türen an der Memminger Straße in Giengen geschah Anfang 2016 der Mord an einer 79-jährigen Frau. Der damals 38-jährige Täter, der aus Habgier handelte, wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Foto: 
Nächste Inhalte

An einem Samstagvormittag im Februar 2016 ermordet ein 38-Jähriger aus Giengen seine ehemalige Vermieterin. Er klingelt an ihrer Haustür mit dem Vorwand, einige Unterlagen zu suchen. Die 79-Jährige lässt ihn arglos herein und bittet ihn in ihr Arbeitszimmer. Dort greift der Giengener die Frau an und tritt mehrmals gegen ihren Kopf, bis sie bewusstlos zusammenbricht. Danach sticht er dreimal auf die Frau ein und tötet sie. Die Obduktion später zeigt, mit welcher Brutalität der Täter vorgegangen ist. Das Motiv: Der 38–Jährige hatte finanzielle Schwierigkeiten und wollte die 79-jährige Rentnerin dazu bringen, ihm Bargeld und Geldkarten auszuhändigen. Erbeutet hatte er jedoch letztendlich nur 50 Euro.

38-Jähriger wegen Mordes verurteilt

Noch im gleichen Jahr wurde gegen den Giengener der Prozess geführt. Richter Gerhard Ilg verurteilte den 38-Jährigen vor dem Ellwanger Landgericht wegen Mordes und Raub mit Todesfolge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Nach deutschem Strafrecht versteht man darunter einen Freiheitsentzug auf unbestimmte Zeit, mindestens aber 15 Jahre. Frühestens nach diesen 15 Jahren wird dann geprüft, ob eine Entlassung aus dem Gefängnis in Frage kommt.

Auch andere Straftaten, die von Personen aus dem Kreisgebiet begangen wurden, waren mit hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Teilweise kommen auch diese Urteile nahe an die 15 Jahre Haft im Fall des Giengeners ran. Da wäre beispielsweise das Urteil im Rockerprozess, bei dem der Täter (aus Giengen) zu 13 Jahren Haft verurteilt wurde, nachdem er 2016 bei einer Schießerei einen 29-Jährigen getötet hatte.

Freundin im Auto erstochen

Zu elf Jahren Haft wegen Mordes wurde ein 35-jähriger Giengener verurteilt. Er hatte 2008 seine Freundin und Mutter eines gemeinsamen Kindes im Auto erstochen.

Jüngst wurde der Steinewerfer von der A 7 (aus Heidenheim) zu neuneinhalb Jahren verurteilt und muss diese zunächst in der Psychiatrie absitzen. Und ebenfalls zu neun Jahren Haft verurteilt wurde der K2-Messerstecher, der 2001 drei junge Männer vor einer Diskothek in Heidenheim getötet hatte. Er stammte allerdings nicht aus dem Landkreis und nahm sich nach seiner Entlassung das Leben.

Die damals 24-jährige Mutter des Flughafen-Babys muss wegen versuchten Totschlags in einem minder schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Sie hatte ihr Baby 2015 am Münchner Flughafen in eine Toilettenschüssel gestopft und versucht, es hinunterzuspülen.

Dass Haftstrafen für Tötungsdelikte allerdings auch niedriger ausfallen können, beweist ein Fall aus dem Jahr 2005. Ein damals 18-Jähriger prügelte einen 16-Jährigen vor dem Restaurant „Ali-Baba“ zu Tode. Das Strafmaß nach Jugendstrafrecht: vier Jahre Haft für Körperverletzung mit Todesfolge. Eineinhalb Jahre vor Beendigung seiner Haftstrafe war der Angeklagte wegen guter Führung wieder auf freiem Fuß.

Früher waren viele Urteile willkürlich

Diese Delikte liegen alle wenige Jahre zurück. Ein Blick ins Mittelalter verrät allerdings, dass Urteile und Richtersprüche nicht immer so „glimpflich“ ausgefallen sind. Ohne Staatsanwaltschaft waren die Urteile oftmals recht willkürlich. Ein beliebtes Mittel zur Urteilsfindung war beispielsweise das Gottesurteil. Dieses Hilfsmittel diente dazu herauszufinden, ob der jeweilige Angeklagte die Wahrheit sprach. Unterschiedliche Foltermethoden wurden dazu angewandt. So gab es die Feuerprobe, bei der man über glühende Eisen gehen musste. Verheilte die Wunde innerhalb weniger Tage, galt man als unschuldig.

Auch die Todesstrafe war lange Zeit über das Mittelalter hinaus eine gängige Strafe bei Tötungsdelikten. So belegt die Chronik der Stadt Giengen für das Jahr 1717 eine Hinrichtung mit dem Schwert wegen Kindesmordes.

In unserer diesjährigen Sommerserie „Die Spitzenreiter“ sind wir auf der Suche nach den Superlativen im Kreis Heidenheim. Diesmal haben wir Ihnen das härteste Urteil (also lebenslängliche Haft), das gegen eine Person aus dem Kreisgebiet verhängt wurde, vorgestellt.

Kennen Sie alte Geschichten oder Aufzeichnungen wie die aus der Giengener Stadtchronik, die von Mordfällen und deren Bestrafung handeln? Dann melden Sie sich bei uns. Schreiben Sie eine E-Mail an redaktion@hz-online.de, Stichwort Spitzenreiter.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Spitzenreiter im Kreis

Ob der kleinste Hund, die tiefste Stelle in der Brenz oder der älteste Musikschüler. In unserer Sommerserie „Die Spitzenreiter“ zeigen wir, was der Kreis Heidenheim an Superlativen so zu bieten hat.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Winterdorf: In Heidenheim gibt’s ab nächster Woche Glühwein

Die ganz auf alpenländisch getrimmte Budenwelt ist bereits aufgebaut, der Punsch schon angerührt. Am 26. Oktober geht's los und dann neun lange Wochen durch. weiter lesen

22N2W