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24-Jähriger Brandstifter muss in die Psychiatrie

Feuer-Serie: Das Landgericht verurteilt einen 24-jährigen Hohenmemminger zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten und ordnet die Unterbringung in Bad Schussenried an.

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Ruhig, in sich gekehrt und ohne große Emotionen – so zumindest der äußere Eindruck – nahm der Angeklagte das Urteil des Landgerichts Ellwangen gestern auf. „Er hat Verbrechen begangen, ist im herkömmlichen Sinn aber kein Verbrecher“, so Richter Gerhard Ilg, der anfügte: „Dieser Fall brachte für uns durchaus Probleme mit sich. Wir mussten über einen Mann urteilen, der zuvor noch nicht straffällig war, der ohne Aggressionen ist und der auch keine Probleme mit Drogen hat“, so Ilg gestern am Ende des Verfahrens.

Die Tatorte im Überblick:

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, dann stehen für den Hohenmemminger vier Jahre und sechs Monate Strafe zu Buche – wegen mehrfacher Brandstiftung, Sachbeschädigung und in einem Fall Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Der Angeklagte hatte nach Auffassung des Gerichts zwischen Juli 2016 und Juli 2017 unter anderem durch seine Taten den Großbrand an der Grundschule Hohenmemmingen, den Brand eines Schafstalls, durch den 66 Tiere  starben, ein Feuer am Nachbarhaus und den Brand an der Grundschule in Hürben zu verantworten. Der Gesamtschaden beläuft sich auf mehr als 800000 Euro.

Der 24-Jährige sei durch seine Persönlichkeitsstörung – über die am ersten Verhandlungstag in der vergangenen Woche ein Sachverständiger gesprochen hatte – in seinen Handlungsmöglichkeiten beschränkt gewesen. „Er hat gewusst, was er tat, konnte aber im Gegensatz zu einem Gesunden nicht genügend Widerstand dagegen leisten. Bei ihm hat sich ein Druck aufgebaut, der irgendwann raus musste“, so Ilg über den Mann, der als scheuer Einzelgänger mit dem Gefühl der Minderwertigkeit beschrieben worden war. Durch die Brände habe er Entlastung erfahren.

Der Hohenmemminger hatte zunächst bei der Polizei (siehe separater Bericht) und dann auch in der Verhandlung die Taten gestanden. „Es war sehr umfassend und ohne dies würden wir hier gar nicht verhandeln. Wir berücksichtigen das Geständnis, müssen aber schon daran erinnern, welche Taten begangen wurden“, so der Vorsitzende Richter.

Das Gericht verhängte acht Einzelstrafen zwischen zwei und 33 Monaten, – die höchste für den Brand des Schafstalls – kam zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren und sechs Monaten und lag damit etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre gefordert hatte, aber deutlich über dem Antrag der Verteidigung, die eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten für ausreichend ansah.

„Wir müssen ihm helfen.“

Einigkeit bestand darin, dass die Voraussetzungen zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gegeben sind. „Im Gefängnis ist der Angeklagte völlig falsch aufgehoben“, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

„Die Strafe wird nicht anzutreten sein. Wir haben die Unterbringung im Zentrum für Psychiatrie angeordnet. Wir können den Angeklagten nicht wegsperren, wie einen Kriminellen. Wir müssen ihm stattdessen helfen. Ziel muss es sein, dass der Angeklagte zukünftig keine weiteren Straftaten begehen wird“, so Richter Ilg, der betonte, dass die Unterbringung in einer Psychiatrie „kein angenehmer Aufenthalt“ sei. „Wenn er da herauskommt und nichts mehr anstellt, haben wir alle gewonnen“, so der Richter. Wie es nach der Strafverbüßung samt Therapie weiter gehe, könne man heute noch nicht sagen. „Vielleicht findet sich danach eine Einrichtung, in der es ihm gut geht und die Gesellschaft geschützt wird“, so Ilg.

Das Auto des 24-Jährigen führte auf seine Spur

Am Anfang waren es Einzelfälle und von einem Täter hatte die Polizei keine Spur. „Es war dürftig und wir hatten keine objektiven Beweismittel, die auf einen Täter hinwiesen“, sagte gestern ein Kripo-Beamter hinsichtlich des Brandes der Grundschule in Hohenmemmingen im Juli 2016.

Die Polizei ging auch nach den weiteren Bränden (im Dezember 2016 und im Juni 2017) von Taten aus, die keinen unmittelbaren Bezug zueinander hatten. Nach den zwei Bränden in der Nacht zum 15. Juli und dem Brand des Schafstalls wurde bei der Polizei eine Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen.

Der Weg zum Täter

Auf die Spur des Täters kam die Polizei durch eine Zeugenaussage. Beim Brand der Grundschule in Hürben war ein Wagen aufgefallen, von dem die Marke bekannt war, aber das Kennzeichen nicht vollständig war. Den entscheidenden Hinweis hatte der Schäfer gegeben, dessen Stall abgebrannt war. Er konnte sich das Kennzeichen des Autos merken, mit dem der Angeklagte nach eigenen Angaben oft nachts durch den Landkreis fuhr.

Es folgte die Festnahme des 24-Jährigen auf dessen Arbeitsstelle. „Er hatte die Taten schnell eingeräumt. Wir haben ihm eine Liste mit Bränden vorgelegt. Bei zwei hat er verneint, verantwortlich zu sein, hat aber für einen weiteren Brand, der nicht auf der Liste war, die Verantwortung übernommen“, so ein weiterer Zeuge der Kriminalpolizei gestern vor dem landgericht. Ohne das Geständnis hätte sich die Kripo schwer getan. Zum Motiv habe der Mann keine Angaben machen wollen oder können.

Auf der HZ-Facebook-Seite wird über das Urteil diskutiert:

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