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Abschied: Gerrit Elser legt nach acht Jahren Dienstzeit seine Amtskette ab

Im Rahmen eines Festabends in der Walter-Schmid-Halle legte Oberbürgermeister Gerrit Elser nach acht Jahren Dienstzeit seine Amtskette ab. Er verabschiedet sich damit aus der Kommunalpolitik.

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Los ging's in der Walter-Schmid-Halle gleich mal mit Kino: Vor dem offiziellen Programm zur Verabschiedung von Oberbürgermeister Gerrit Elser wurde der nagelneue Imagefilm der Stadt Giengen präsentiert, der auf der Homepage der Stadt angeschaut werden kann und der auf kurzweilige Art die Stadt Giengen im wohlwollenden Licht zeigt.

Durchaus kurzweilig war auch der Festabend, mit dem Gerrit Elser aus seinem Amt als Oberbürgermeister schied, musikalisch umrahmt von der Stadtkapelle und bereichert durch Beiträge der Kindergartenkinder sowie von den Stipendiaten der Hermine-Klenz-Stiftung, Jonathan Zenker am Xylophon und Estelle Weber an der Violine.

Konsequenten Umgang mit angespannter Finanzlage gelobt

Wohlwollende Worte fand in seiner Laudatio der erste stellvertretende Bürgermeister Rudolf Boemer über die zu Ende gegangene Amtszeit Elsers. Vor allem Elsers konsequenten Umgang mit der angespannten Finanzlage der Stadt hob Boemer hervor.

Dass diese durchgestanden werden konnte, ohne städtische Einrichtungen zu schließen, und dass dennoch Investitionen möglich wurden und geplante oder auf den Weg gebrachte Projekte die städtische Entwicklung weiterführen werden, sei seine Leistung.

Als Kernpunkte in Elsers Amtszeit nannte Boemer die Sanierung von Schulen und Straßen, die Neustrukturierung der Feuerwehr, die Innenstadt-Verkehrskonzeption mit Parkflächen und Reichsstadtring, der auf den Weg gebrachte Wohnbau auf dem AWG-Areal, die Kinderbetreuung, die Sanierung von Turnhallen, die Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung, die kulturellen Highlight wie die Reihe „Halb Acht“ und nicht zuletzt die Entwicklung einer nachhaltigen Stadt. Boemer bescheinigte Elser eine sekundengenau pünktliche und straffe Sitzungsleitung im Gemeinderat, ebenso das zielorientierte Arbeiten dort.

Boemer lobte seine Durchsetzungsfähigkeit, die dennoch ausgleichende Art, den Mut zu Entscheidungen, und er bescheinigte Elser „ein breites Kreuz.“ Stets habe Elser versucht, nach besten Lösungen für die Stadt und die Bürger zu suchen und diese auch umzusetzen.

Kommunalverfassung räumt OB starke Stellung ein

Regierungspräsident Wolfgang Reimer sagte, die Kommunalverfassung von Baden-Württemberg räume einem Bürgermeister oder OB eine starke Stellung ein. Mit diesem Modell sei man stets gut gefahren, auch kleinere Städte hätten sich gedeihlich entwickelt.

Immer wieder gebe es natürlich schwierige Jahre, auch in Giengen. Es sei ein großer Verdienst Elsers, wie er den Sparkurs durchgezogen habe. Dies sei nicht populär gewesen, aber man habe den richtigen Weg eingeschlagen. Es sei dabei gelungen, alle in der Stadt mitzunehmen, auch wenn sicherlich die Begeisterung über das Streichen der Zuschüsse wenig Begeisterung geweckt habe. In jedem Fall stehe Giengen jetzt finanziell besser da als zu Beginn von Elsers Amtszeit, und von vielen Projekten, die auf den Weg gebracht worden seien, werde jetzt sein Nachfolger profitieren. Stets habe man partnerschaftlich zusammen gearbeitet, auch wenn es, wie etwa beim Thema Stadtrandstraße, hie und da geknirscht habe. Aber er sei zuversichtlich, dieses Thema mit dem Nachfolger „abräumen“ zu können.

Vieles sei auch ohne Geld angestoßen worden

Landrat Thomas Reinhardt kam auch nicht ums Finanzielle herum. Ein Sparkurs bis hart an die Schmerzgrenze habe Elsers Amtszeit geprägt. Dennoch habe er den Spruch „ohne Moos nichts los“ widerlegt: vieles sei angestoßen worden, dennoch habe man den Haushalt konsolidiert. Und wenn auch nur kleinere Brötchen, so sei auf Sparflamme immerhin gebacken worden. Aus Sicht des Landkreises sei Elser bei den Themen Tourismus wie auch in der Flüchtlingsfrage ein verlässlicher Partner gewesen.

Natürlich hätten manche Projekte den Geduldsfaden fasst zum Reißen gebracht – Reinhardt nannte den Bahnübergang Hermaringer Straße mit Anschluss ans Ried oder den Ausbau der Brenzbahn. Elser sei auch hier ein starker Kämpfer gewesen und habe den Kopf nie in den Sand gesteckt, um die Stadt zukunftsfähig zu halten.

Nattheims Bürgermeister Norbert Bereska blickte aus Kollegensicht auf Elsers Amtszeit. Er sagte als Vertreter der Bürgermeister im Landkreis, elf Freunde könne man zwar nicht immer sein, aber man müsse sich aufeinander verlassen können. Dies sei bei Elser der Fall gewesen. Auch habe er mit den Bürgermeistern der Dorfgemeinden stets auf Augenhöhe diskutiert.

Vera Heisele als Vorsitzende des Personalrats sprach im Blick auf die vergangenen acht Jahre von einer Zeit der großen Herausforderungen und der tiefgreifenden Veränderungen. Die Haushaltssituation und die Organisation der Verwaltung seien ununterbrochen präsent gewesen. Elser habe sich hierbei – durchaus hart in der Sache – gesprächsbereit und aufgeschlossen gezeigt. Bei Kritik habe er sich vor die Mitarbeiter gestellt. Allein dass Elser betriebsbedingte Kündigungen stets kategorisch ausgeschlossen habe, habe man als elementar wichtig empfunden.

Elser selbst gebührte das Schlusswort, bevor es zu Geschenkübergaben aus Giengen, aber auch aus den Partnerstädten Zeulenroda und Köflach kam, und bevor der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und das Ablegen der Amtskette erfolgte. Die Spuren der Menschen, die diese während seiner Amtszeit gelegt hätten, würden ihm den Abschied schwer machen, sagte er. In diesen Jahren sei es ihm nie um persönliche Eitelkeit, sondern stets um das Wohl der Stadt gegangen. Wobei die Summe von Einzelinteressen noch lange nicht Gemeindewohl bedeuten würden. Die Stadt Giengen, so Elser, könne stolz auf sich sein, und wer den falschen Eindruck habe, es ginge im Gemeinderat mehr um Streit als um Konsens, dem empfehle er einen Besuch im Sitzungssaal des Rathauses. Wenn auch mit unterschiedlichen Nuancen, gelte dort der Einsatz aller dem Wohle der Stadt. Elser dankte den Bürgern, Vereinen und Organisationen für Verständnis auch bei unpopulären Maßnahmen.

Für die Zukunft der Stadt und seinen Nachfolger Dieter Henle wünsche er sich, dass diesem zugebilligt werde, mit neuen Ideen anzukommen, und auch die Ruhe, diese entwickeln und unter Beweis stellen zu können. Wichtig sei eine gehörige Portion Optimismus, denn Zeit und Geld würden begrenzende Faktoren bleiben. Aber: Giengen besitze Potenzial. „Die Stadt kann das sein, was sie sein möchte.“

Er persönlich werde sich weiterhin wohlwollend für Giengen interessieren, habe sich aber rigoros auferlegt, sich zukünftig in keinster Weise einzumischen. Er sage der Kommunalpolitik, nicht aber der Stadt Giengen adieu. „Ich sage auf Wiedersehen.“ Das Amt des OB sei eine Aufgabe auf Zeit gewesen, die ihn ganz und gar gefordert habe. „Es war eine Ehre, für die Stadt und ihre Bürger arbeiten zu dürfen“, schloss er. Stehender Applaus.

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