Widerstand gegen Standortschließung und Arbeitsplatzverlust in Giengen
Rund 350 Teilnehmer zählte die IG Metall bei einer Protestaktion am Freitag gegen die Schließung des Standort der Firma AWG Fittings, der ehemaligen Max Widenmann Armaturenfabrik. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, wurde betont.
In eisiger Kälte marschierten die Teilnehmer am Protestzug vom Hauptwerk in der Wiesenstraße über die Verwaltung in der Lederstraße bis zur Walter-Schmid-Halle, begleitet von Trillerpfeifen, geschwenkten Fahnen und Protesttafeln.
Bei der Kundgebung im blauen Saal der Walter-Schmid-Halle ließen die Redner keinen Zweifel daran, dass sie nicht gewillt sind, die Pläne des Münchener Finanzinvestors Paragon hinzunehmen. Dieser will den Giengener Standort der ehemaligen Max Widenmann Armaturenfabrik komplett schließen und mit nur noch einem Teil der Beschäftigten den Standort in Ballendorf weiterführen. Damit wären in Giengen zum Jahresende über 200 Arbeitsplätze verloren und 100 Jahre Firmengeschichte zu Ende.
„So einfach geht das nicht“, sagte IG-Metall-Vertreter Ralf Willeck zum Auftakt. Das wolle man dem Finanzinvestor klarmachen und keineswegs den Kopf in den Sand stecken. „Für uns sind das wahrlich keine leichten Zeiten“, so Oberbürgermeister Gerrit Elser. „Unsere Stadt ist gebeutelt.“ Er betonte, dass man seitens der Stadt nicht an wegfallende Gewerbesteuern denke, sondern vor allem an die Betroffenen. Im Falle der AWG Fittings sei er persönlich sehr enttäuscht, dass offenbar rein monetäre Überlegungen und reine Profitgier eine Rolle spielen. 100 Jahre Firmentradition bedeute auch eine Verantwortung für das Gemeinwesen, und es sei unverantwortlich, diese Tradition über Bord zu werfen und die betroffenen Mitarbeiter vor schwerste Existenzfragen zu stellen. Dass so viele Arbeitsplätze auf dem Spielstehen, „das kann uns nicht egal sein“, so Elser. Im vergangenen Jahr sei noch von Neustrukturierung die Rede gewesen, Verhandlungen und Bauvoranfragen für Bauinvestitionen waren ein Thema, und jetzt ende dies „im reinen Fiasko“. All dies könne nicht einfach hingenommen werden, zudem die Firma keinen Verlust schrieb, sondern offenbar nur der Gewinn nicht ausreiche. „Wir wollen weiterhin eine Feuerwehrstadt sein, mit Ziegler und der AWG als feste Größen“, so Elser.
Als Vertreter der Politik bedauerte Landtagsabgeordneter Bernd Hitzler auch im Namen der anderen Abgeordneten des Kreises, wie weit man weggekommen sei vom Grundgesetz und einer sozialen Marktwirtschaft. „Heute geht es den Finanzinvestoren nur um den Profit, und das ist mir zu wenig.“ Hitzler sprach angesichts der wirtschaftlich guten Lage der Firma von einer „wunderlichen Angelegenheit“, weshalb es sich um die Arbeitsplätze zu kämpfen lohne. Dies werde man auch seitens der Landespolitik tun. Und auch er sagte: „Den Kopf nicht in den Sand stecken!“
Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Heidenheim, Andreas Strobel, sagte, man werde sich von Finanzakteuren nicht vorführen lassen und geschlossen um die 200 Arbeitsplätze kämpfen. „Wir lassen uns nicht kaputt machen, was in Jahrzehnten geschaffen wurde.“ Es müsse ein Ende geben für Finanzheuschrecken.
Der AWG-Betriebsratsvorsitzende Carmelo Pingo sagte, im Betrieb sei man schockiert gewesen, Mitarbeiter hätten geweint und gezittert und schlaflose Nächte verbracht. Aber er stelle fest, dass der Kampf angefangen habe und man jetzt mit der Gewerkschaft und Beratern die Angelegenheit überprüfen werde.
Und Betriebsseelsorger Dr. Rolf Siedler brachte es abschließend zugespitzt nochmals auf den Punkt: „Ich habe eine Stinkwut. Es empört mich, wie mit Menschen umgegangen wird.“
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Autor: Dieter Reichl | 03.02.2012
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