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Platz für 288 Flüchtlinge in der Memminger Wanne

Auf vier Gebäude verteilt will die Kreisbau in der Memminger 54 Wohnungen für Flüchtlinge errichten. Spätestens im Herbst soll Baustart sein – vorausgesetzt, das Land schießt Fördermittel zu. Oberbürgermeister Gerrit Elser sieht in der Realisierung eine „große Chance für die Stadt“.

Marc Hosinner |

„Die Unterbringung von Flüchtlingen ist und bleibt ein hochaktuelles Thema“, sagte gestern Landrat Thomas Reinhardt, gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kreisbau. In der vergangenen Woche sei in dem Wohnbau-Unternehmen der Entschluss gefallen, insgesamt 64 Wohnungen – 54 in Giengen und zehn in Herbrechtingen (siehe bericht auf Seite 13 dieser Ausgabe) zu errichten. Insgesamt würde damit Platz geschaffen für 334 Flüchtlinge – in Giengen für 288.

Möglich sei der Beschluss aus Überlegungen geworden, die von Humanität geprägt sind. Essentiel dabei aber auch ein Förderprogramm des Landes, durch das 25 Prozent der Kosten abgedeckt wären.

Antragsteller für den Zuschuss aus Stuttgart sind die Kommunen. Schon im März haben die Städte Giengen und Herbrechtingen die Anträge gestellt. Kreisbau-Geschäftsführer Wilfried Haut hofft, noch im Mai oder Juni den Bewilligungsbescheid zu bekommen, um mit dem Bau beginnen zu können.

Wie Haut ausführte, soll an der Zeulenrodaer Straße auf dem Grundstück der Kreisbau mit einer Gesamtfläche von fast 2900 Quadratmetern – ursprünglich waren dort Reihenhäuser geplant – 54 Wohnungen mit zwei, drei oder vier Zimmern entstehen, die zwischen 43 und 71 Quadratmetern groß sein sollen. Insgesamt würden annähernd 3000 Quadratmeter Wohnraum geschaffen.

Kreisbau-Chef Haut rechnet mit Gesamtkosten von etwa 5,3 Millionen Euro: „Wir haben das schlank von den Kosten gehalten und schaffen damit nicht nur Platz für Flüchtlinge, sondern auch Wohnraum für übermorgen.“

Für die Wohnungen gebe es eine zehnjährige Zweckbindung. Soll heißen: In dieser Zeit müssen dort Flüchtlinge oder sogenannte Sozialmieter untergebracht werden. Danach stünden die Wohnungen auch anderen Mietern offen. „Wir sind mit dem Vorhaben also nachhaltig auf dem Markt“ so Haut.

Landrat Reinhardt geht davon aus, dass der Kreis und die Kommunen noch „auf Jahre hinaus“ mit der Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigt sein werden. Der Höhepunkt sei noch nicht erreicht. In diesem Jahr werde mit mindestens 350 bis 400 Menschen gerechnet, die untergebracht werden müssen. „Mit einem Wurf können wir durch die zwei Vorhaben viel schaffen. Die Wohnungen bieten ein einfaches, aber gutes Niveau“, sagte Reinhardt, der sich durch die Realisierung eine spürbare Entlastung bei der Unterbringung von Flüchtlingen erhofft. 288 Personen seien zwar für Giengen eine „stattliche Zahl“, die Landkreisverwaltung wisse aber, welche Kulturen und Ethnien zusammen passen.

Oberbürgermeister Gerrit Elser sieht in der Unterbringung von Asylbewerbern und Asylanten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Landkreis verfüge nicht über eigene Liegenschaften und sei auf Partner angewiesen. „Wir wollen in der Stadt eine Kultur des Willkommens etablieren“, so der OB. Das Land habe mit dem Förderprogramm einen Anreiz gegeben, adäquaten Wohnraum zu schaffen. Gut sei, dass die Kreisbau ihre Planungen nicht auf der grünen Wiese, sondern „im Herzen der Stadt“ umsetzen wolle. Die Aufnahme von Flüchtlingen, so Elser, gehöre seit Jahrzehnten zum Selbstverständnis der Stadt – wie nach dem Zweiten Weltkrieg oder in den 1990er-Jahren. „Wenn Giengen das jetzt nicht wieder schaffen kann, wer dann?“, gab sich Elser zuversichtlich. Passend für Giengen sei auch, dass es sich um ein nachhaltiges Vorhaben handle, das später auch Bürgern zugute kommen werde.

Die Stadt wolle eine „frühzeitige Bürgerbeteiligung“ herstellen. Das Kreisbau-Vorhaben bedarf zudem einer Änderung des Bebauungsplans. „Der Gemeinderat hatte die Antragstellung auf Fördermittel sehr wohlwollend begleitet“, so der OB.

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