Erste Besenwirtschaft im Kreis Heidenheim eröffnet
Für ein paar Wochen im Jahr macht Paul Thiel sein ambitioniertes Hobby zum Beruf: Im ehemaligen Gasthaus Rebstüble bei Hohenmemmingen hat er die erste Besenwirtschaft im Kreis Heidenheim eröffnet.
Ums Geldverdienen geht es dem 62-Jährigen Thiel nicht unbedingt, eher darum, seine Leidenschaft für das Apfelerzeugnis Most auszuleben. Seit Kurzem bewirtet er in der Sachsenhausener Straße seine Gäste in seinem Besen.
Wie es dazu kam? „Ich mache seit 20 Jahren meinen Most selber und besitze mehrere Streuobstwiesen und einen Weinberg.“ In Ebersbach/Fils, Thiels eigentlicher Heimat, gibt es zwei Besenwirtschaften. Seine aus Hohenmemmingen stammende Frau Carmen hat das Gebäude geerbt, in dem früher das Rebstüble untergebracht war. „So kam die Idee, hier selber unseren Besen aufzumachen“, sagt Thiel.
Als historisches Vorbild für Besen- oder Straußenwirtschaften wird meist ein Erlass von Karl dem Großen aus dem Jahr 812 zitiert. Darin soll er den Winzern den Betrieb von „Kranzwirtschaften“ erlaubt haben, die durch einen ausgehängten Kranz aus Reben oder Efeu kenntlich gemacht wurden. „Früher wurden Besenwirtschaften häufig von ärmeren betrieben, die ihre Fässer vor der nächsten Ernte leer machen mussten“, so der gelernte Maschinenschlosser.
Eine Besenwirtschaft unterscheidet sich grundlegend von anderen Gastronomiebetrieben: „Es dürfen nur eigene Most- und Weinerzeugnisse ausgeschenkt werden, so der 62-Jährige, der deshalb vor zwei Jahren seine ersten Tanks gekauft hat, um den Most für diese Saison herzustellen. Vom Gesetzgeber vorgegeben ist auch die Anzahl der Sitzplätze: maximal 40 Gäste dürfen in den meisten Bundesländern gleichzeitig im Besen Platz finden. Zudem dürfen die Besen an maximal vier Monaten im Jahr geöffnet haben, wobei die Möglichkeit besteht, diese auf zwei zusammenhängende Zeiträume aufzuteilen.
Im ersten Jahr wird Thiel diese Zeitspanne aber nicht ausreizen: Nach der Neueröffnung im Februar wird er am Sonntag, 4. März wieder schließen, um dann im November noch einmal für vier Wochen seinen Most anzubieten.
„Das reicht erst mal. Die Weinlese nimmt viel Zeit in Anspruch. Außerdem arbeitet meine Frau noch als Lehrerin an einer Gewerbeschule in Ebersbach“, so Thiel. Die Gasstätte soll in dieser Zeit aber nicht leer bleiben: „Wir wollen ihn für andere nutzbar machen, wenn wir ihn nicht brauchen. Das ist unser Beitrag zur Wirtschaftsförderung“, sagt Thiel, dem vorschwebt, dass er die Räumlichkeiten – mit Ausnahme der modernisierten Küche – an Gruppen etwa für Feiern vermietet.
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Autor: Marc Hosinner | 22.02.2012
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Hat mit seiner Besenwirtschaft eine Marktlücke im Kreis geschlossen: Paul Thiel.
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