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33.000 bleiben über Nacht in Giengen

In und um Giengen gibt es durchaus attraktive Ziele für Touristen. Wie wichtig diese für die Stadt sind und wo noch Entwicklungsbedarf besteht – darüber sprechen Ellen Weiß, Fachkraft für Tourismus, und Andreas Salemi, Amtsleiter Kultur, Sport und Tourismus.

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Bei manchen Unternehmen lief's in vergangener Zeit nicht wirklich rund, Beispiel Ziegler, die Finanzlage der Stadt Giengen ist – auch wenn es aufwärts geht – nicht die beste: Sagen Sie mir jetzt bitte, dass in Sachen Tourismus alles gut läuft.
 
Ellen Weiß: Wir können nicht klagen. Was die Übernachtungsgäste anbelangt, liegen wir in den vergangenen Jahren immer zwischen 30 000 und 33 000 pro Jahr. Ausgehend von diesen Zahlen kann man die Anzahl der Tagesgäste berechnen. Demnach kommen jährlich rund 250 000 Menschen nach Giengen. Auch in den unterschiedlichen Freizeiteinrichtungen und Sehenswürdigkeiten haben wir deutlich positive Entwicklungen. Von Jahr zu Jahr verzeichnen wir ein Wachstum.
 
Und wie erfreulich ist dieses Wachstum?
 
Ellen Weiß: Ein Beispiel: Hatten wir 2004 noch etwa 27 000 Übernachtungen, sind es heute an die 33 000.
 
Lassen Sie mich raten: Zugpferd ist Steiff?
 
Ellen Weiß: Klar, das ist der absolute Besuchermagnet. Man muss auch sagen, dass seit der Eröffnung des Museums 2005 ein deutlicher Zuwachs bei den Touristenzahlen festzustellen ist. Das war ein wichtiger Impuls. Danach wurde Vieles angestoßen. Beispielsweise hat sich rund um die Charlottenhöhle die Höhlenerlebniswelt entwickelt und auch die Alte Mühle in Burgberg wurde saniert. Das Schöne: Damit einhergehend stiegen auch die Besucherzahlen. Bei den Tagesgästen ist das Wachstum nochmals deutlicher als bei den Übernachtungsgästen. Zwischen Angebot und Nachfrage besteht hier ein Zusammenhang. Zudem profitieren wir auch davon, dass sich im Landkreis in Sachen Wander- und Radwege in den vergangenen Jahren einiges getan hat.
 
Klingt gut. Damit kann man zufrieden sein, oder?
 
Andreas Salemi: Ich denke schon. Was man auch bedenken muss: Von den Angeboten haben ja nicht nur die Touristen etwas, sondern auch die Einheimischen.
Klar ist, die Touristen sollen möglichst viel Geld liegen lassen. Wie wichtig sind diese Einnahmen für Giengen?
 
Ellen Weiß: Man muss schon realistisch sein. Wir sind nicht der Schwarzwald oder der Bodensee. Andererseits hat sich in Giengen in den vergangenen Jahren einiges getan. Im Schnitt gibt ein Tagesgast 28 Euro pro Tag aus, ohne An- und Abreise, hochgerechnet sind das mehrere Millionen Euro pro Jahr. Von daher ist Tourismus in Giengen schon auch ein Wirtschaftsfaktor. Er hat durchaus seine Berechtigung. Und natürlich spielt auch der Imagefaktor eine Rolle.
 
Wer ist denn der typische Giengen-Tourist? Sicherlich nicht der japanische Jugendliche. Die Omi aus Illertissen?
 
Ellen Weiß: Eher die Omi aus Illertissen. Häufig sind es aber auch Familien mit Kindern. Schwerpunktmäßig begrüßen wir in Giengen sicherlich deutlich mehr Tagesgäste. Hier liegt der Einzugsbereich bei einem Radius von zirka 150 Kilometern. Es gibt aber durchaus auch Leute aus Norddeutschland, die zu uns kommen. Und: Die Firma Steiff bringt auch ein gewisses internationales Publikum nach Giengen.
 
Andreas Salemi: Im vergangenen Jahr waren übrigens mit knapp 8000 so viele ausländische Übernachtungsgäste in Giengen wie nie zuvor.
 
Nun ist ja die Stimmung in Giengen nicht die beste. Und das Image der Stadt – zumindest in der näheren Umgebung – ist es ebenso nicht. Wenn man nun die Zahlen betrachtet, muss es einen Unterschied zwischen, ich sage mal, Innen- und Außensicht geben.
 
Andreas Salemi: Das ist völlig normal. Die Besonderheiten, die man direkt vor der Haustür hat, schätzt man nicht so, nimmt sie nicht so wahr. Nichtsdestotrotz können sich unsere Attraktionen auf jeden Fall sehen lassen.
 
Gibt es Bemühungen, das weiter und vielleicht auch stärker zu kommunizieren?
 
Andreas Salemi: Bedingt durch die finanzielle Lage der Stadt mussten wir in den vergangenen Jahren beim Marketing deutliche Abstriche machen. Für das Jahr 2013 hat der Gemeinderat zugestimmt, das Marketingbudget aufzustocken, wovon der Tourismus und letztlich auch unsere Stadt profitieren werden.
 
Wie steht es in Sachen Tourismus um Weiterentwicklung? Potenzial besteht doch sicherlich.
 
Ellen Weiß: Ja, es gibt immer etwas, das man besser machen kann. Wandern, Radfahren sind etwa Themen, die wir noch weiterentwickeln wollen. Gerade bei Wanderwegen haben wir noch ein Defizit. Prinzipiell arbeiten wir aber auch immer daran, bestehende Angebote, wie etwa Führungen, auszubauen und entsprechend zu ergänzen, um einfach immer wieder Neuerungen präsentieren zu können.
 
Wie steht es um die Hotellerie, um das Gastgewerbe?
 
Ellen Weiß: Gute Qualität in diesem Bereich wird immer wichtiger. Da haben wir sicherlich noch etwas Luft nach oben.
 
Neues Hotel gefällig?
 
Ellen Weiß: Es muss nicht zwingend ein neues Hotel sein. Wichtig ist eher die Ausrichtung der bestehenden Häuser auf Qualität, auf mehr Serviceleistung und auf entsprechende Zielgruppenanforderungen.
 
Was tun Sie dafür?
 
Ellen Weiß: Wir können nur immer wieder versuchen, die Betriebe ins Boot zu holen und sie zu unterstützen.
 
Eines zum Schluss: Mühle, Höhlenhaus: Die Einrichtungen leben von ehrenamtlichem Engagement. Ohne diese Menschen wäre die Stadt ganz schön aufgeschmissen . . .
 
Andreas Salemi: Das kann man so sagen. Ohne dieses große ehrenamtliche Engagement könnten wir dieses Angebot tatsächlich nicht stemmen.
 
Ellen Weiß: Der Einsatz ist unschätzbar. Der Höhlen- und Heimatverein und der Mühlenverein sind zwei wichtige Beispiele, die den Tourismus in Giengen vorangebracht haben.
 
Mit Andreas Salemi und Ellen Weiß sprach Annika Sinnl
 

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