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Bier - mehr Bier - noch mehr Bier

Vier DH-Studenten haben mit einem Bierzapfautomaten eine Weltneuheit entwickelt: Sie schafft 480 Maß pro Stunde.

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DH-Studenten haben eine besondere Zapfanlage entwickelt.  Foto: 
Ozapft is, heißt es allerorten bei den Oktoberfesten. Danach kommt das Einschenken. Mühsam, zeitraubend. Vier Studenten der DHBW Heidenheim können das besser. 480 Maß Bier pro Stunde lautet ihre Ansage. Dafür haben sie einen Zapfautomaten gebaut. Eine Weltneuheit. 

Abfüllanlagen, die das Bier in Flaschen füllen, gibt es zuhauf. Eine Anlage, die das Bier ins Glas füllt nicht. "Eine echte Marktlücke", sagt Dipl.-Ing. Anton Breitweg, der als Laborleiter und Dozent die angehenden Maschinenbauer Michael Lindacher, Tobias Engel, Nadine Hochstein und Florian Hirschbolz bei ihrer Projektarbeit unterstützt hat. Elf Monate Entwickeln, Konstruieren, Bauen und immer wieder Verbessern liegen hinter den Studenten. "Wir schaffen das", diese Durchhalteparole hat den vier Härtsfeldern mehrfach über Tiefs und Doppelbelastungen hinweggeholfen. Die letzten Monate haben sie zeitgleich zum Verfassen ihrer Bachelorarbeit an der Maschine gearbeitet - an den Abenden, an den Wochenenden, bis in die Nacht hinein. "Einmalig" lobt Anton Breitweg die Einschatzbereitschaft seiner Studenten.

Probelauf mit Wasser

Weil es an der DH dafür keinen Platz gab, haben die Studenten kurzentschlossen ihre "Werkhalle" in den Hof der Familie Engel in Eglingen verlegt. Und hier an der Kirchenstraße steht nun die Weltneuheit. Lieferengpässe bei einem Kaufteil hatten letzthin nochmals zu Verzögerungen geführt, aber nun in den nächsten Tagen sollen die ersten Probeläufe beginnen. Mit Wasser. Denn Bier ist ein besonderer Saft. Darauf sind die Studenten, die nächste Woche ihre Studienzeit beenden, aber vorbereitet.

Wer eigentlich Vater des Gedankens war, einen Bierzapfautomaten zu bauen, hat sich bereits im Dunkel der Geschichte verloren. Im Zuge eines Brainstormings zu Beginn des fünften Semesters über die anstehende Projektarbeit war im Studiengang die Idee aufgekommen. Die vier Härtsfelder Studenten waren Feuer und Flamme. "Wir machen das auf jeden Fall", erinnert sich Michael Lindacher an den sofort gefassten Beschluss. Binnen drei Monaten war die Maschine schon als 3-D-Modell am Computer entwickelt. Danach kam die Bauphase. Aber auch die Praxisphase in den Betrieben, zudem gingen zwei des Quartetts ins Ausland. Aber: "Wir schaffen das."

Aus rund 300 Teilen setzt sich der mechanische Teil des vollständig in Edelstahl gebauten Automaten zusammen. 68 Eigenkonstruktionen der Studenten waren für die Anlage notwendig. Nicht weniger komplex ist die Steuerung. Dafür aber einfach zu bedienen. Antippen genügt. Einmal justiert kann der Automat in sechs Minuten ein 50-Liter-Fass auf Maßkrüge abfüllen. Auch für Halbe-Gläser ist die Maschine geeignet.

Einsatz in mittleren und großen Festzelte

Über ein Laufband fahren die leeren Krüge auf die Zapfbrücke zu. Mittels Führungen, die so konstruiert sind, dass sich kein Henkel verfangen kann, werden sie in vier Spuren einsortiert und in Position gebracht. Wenn vier Krüge parallel in Reihe stehen, werden sie für die Position II freigegeben. Hier senkt sich von einem Motor gesteuert von oben in jeder Spur eine Düse bis knapp über den Krugboden und füllt im Hochziehen das Glas. Etlicher Experimente hat es bedurft, bis der passende Durchmesser für die Düse gefunden war. Sogar mit einem extra Schlag Schaum kann man jedem Bier die Krone aufsetzen. Eine Lichtschranke passt auf, dass es auf dem kontinuierlich laufenden Förderband keinen Rückstau gibt.

Gefüllt werden die Krüge über eine variabel einstellbare Zeitvorgabe. Auch eine Volumenmessung wäre möglich, aber deutlich teurer. "Für einen Prototyp muss das genügen", sagt Lindacher. Auf 35 000 bis 40 000 Euro schätzt Breitweg den materiellen Aufwand für solch eine Zapfanlage, deren Einsatzbereich mittlere und größere Festzelte sein könnten. "Es gibt schon Interessenten", sagt Breitweg, "mehr als einen."

Um die Anlage finanzieren zu können, waren die Studenten auf Sponsoren angewiesen. 15 Unternehmen, die von den Studenten angesprochen worden waren, haben sich engagiert. Um die Kosten zu senken, hat die Gruppe möglichst viele Teile in der Werkstatt selbst gebaut.

Bemüht war man, die Maschine bis ins Detail praxistauglich zu konstruieren. Selbstverständlich gibt es einen Reinigungsmodus in der Steuerung. Unter dem Förderband fängt eine Tropfwanne überlaufendes Bier ab, damit die rund 400 Kilo schwere Zapfanlage von einem Gabelstapler aufgenommen werden kann, kommen noch passende Laschen an das Tragegestell. Auch Rollen stehen noch im Lastenheft, damit noch im Bierzelt manövriert werden kann. Für den Betrieb reicht ein gewöhnlicher 230-Volt-Anschluss. "Die Anlage ist damit überall einsetzbar", weiß Lindacher.

HST Härtsfelder Schanktechnik, haben sich die vier Studenten schon mal als Firmennamen gegeben. Ein Bierkrug, umrahmt von einem Zahnrad, dient als Logo. Für die Studenten beginnt in den nächsten Wochen nach dem Abschluss an der DH das Berufsleben in ihren Ausbildungsbetrieben. Für die Weiterentwicklung der Zapfanlage bedeutet das keinen Stillstand. "Wir bleiben dran", sagen die Maschinenbauer, "das lassen wir uns nicht nehmen." 

 

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