Mordfall Bögerl seit sechs Monaten ungelöst

Heidenheim.  Heute vor sechs Monate ist Maria Bögerl (54) aus ihrem Haus in Schnaitheim entführt worden. Die Frau des Heidenheimer Sparkassenchefs wurde ermordet. Bis heute gibt es keine heiße Spur. Eine Chronologie.

Mittwoch, 12. Mai 2010: Am Tag vor Christi Himmelfahrt wird Maria Bögerl gegen 10.30 Uhr aus dem Haus der Familie in Schnaitheim entführt. Ihr Mann, Sparkassenchef Thomas Bögerl, ist im Niederstotzinger Rathaus, als ein Unbekannter per Handy 300 000 Euro Lösegeld fordert und mit der Ermordung der Entführten droht. Um 15.30 Uhr legt Thomas Bögerl das Lösegeld an der A 7 ab, die Stelle ist markiert mit einer Deutschlandfahne.

Donnerstag, 13. Mai: Das Lösegeld bleibt liegen. 300 Polizisten sind im Einsatz. Die Familie appelliert an die Täter. "Bitte geben Sie uns unsere geliebte Mama, meine Frau wohlbehalten zurück."

Freitag, 14. Mai: Maria Bögerls Handy wird nahe dem Ort der Lösegeldablage entdeckt. Abends wird ihr schwarzer A-Klasse-Mercedes im Hof des Neresheimer Klosters gefunden, angeblich mit Blutspuren.

Samstag, 15. Mai: Ein Verdächtiger wird festgenommen, kommt wieder frei. Mit 100 Spürhunden werden Wälder abgesucht. Sonntag, 16. Mai: Handzettel werden verteilt, um nach Hinweisen zu fragen. Ohne Erfolg.

Dienstag, 18. Mai: Die Sonderkommission "Flagge" mit 80 Beamten nimmt ihre Arbeit auf. Die Familie erhöht die ausgesetzte Belohnung von 50 000 auf 100 000 Euro.

Mittwoch, 19. Mai: In "Aktenzeichen XY." wendet sich Thomas Bögerl mit den beiden Kinder in einem bewegenden Video an den Täter.

Freitag, 21. Mai: Die Polizei sucht nicht mehr großflächig, sondern konzentriert sich auf Details.

Dienstag, 1. Juni: Mit Phantombild wird nach einem Mann gesucht, der am Entführungstag in Nietheim gesehen wurde.

Donnerstag, 3. Juni: Im Wald zwischen Nietheim und Niesitz findet ein Spaziergänger eine Frauenleiche. Die Obduktion bringt am nächsten Tag die traurige Gewissheit: Maria Bögerl ist tot.

Mittwoch, 9. Juni: In einem Trauergottesdienst nehmen die Familie und hunderte Menschen Abschied von Maria Bögerl.

Juni: Die Kritik an der Arbeit der Polizei wächst, es wird über angebliche Pannen bei der Lösegeldbeschaffung berichtet. Von Zeugen werden Speichelproben für mögliche DNA-Vergleiche genommen.

Juli: Gutachter können Maria Bögerls Todeszeitpunkt nicht mehr rekonstruieren. Der Aufruf, Fotos vom Parkplatz im Neresheimer Klosterhof aus dem Zeitraum der Entführung einzuschicken, bringt nichts.

August: Ein Privatmann stellt "Strafvereitelung aus Überforderung" gegen die Polizei, vor allem, um die Ermittler wachzurütteln, in mehr Richtungen zu denken. Seine Anzeige wird abgewiesen. Über ihre Erkenntnisse schweigt die Sonderkommission weitgehend, auch wenn mittlerweile mehr als 6000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen sind. Die Soko befragt erneut das Wohnumfeld der Bögerls.

September: Die Soko "Flagge wird auf 50 Mitarbeiter verkleinert. Thomas Bögerl nimmt seine Arbeit als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heidenheim wieder auf. Oktober: Ein Trittbrettfahrer wird am Amtsgericht Heidenheim zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Er hatte sich als Bote des Entführers ausgegeben und 600 000 Euro gefordert.

7800 Spuren hat die Polizei bis heute registriert, immer noch gehen vereinzelt Hinweise aus der Bevölkerung ein. Die Tat bleibt aber ein Rätsel: Warum war ausgerechnet Maria Bögerl das Opfer? In welcher Beziehung standen die Entführer zu den Bögerls? Warum holten die Entführer das Geld nicht ab und ermordeten das Opfer? Vielleicht, weil das Opfer die Täter erkannt hat und diese eine Zeugin umbringen. Vielleicht drehten sie auch durch, als sie bemerkten, dass die Polizei eingeschaltet wurde.

Die Zeit arbeitet gegen die Ermittler, die Statistik für sie. Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt im Südwesten bei 98 Prozent. Zu den Akten gelegt wird der Fall Bögerl nie: Mord verjährt nicht.


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Autor: KARIN FUCHS | 12.11.2010

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