Fall Bögerl: Die entscheidende Spur fehlt
Heidenheim. Vor einem Jahr wurde Maria Bögerl aus ihrem Haus entführt und später ermordet. Das Verbrechen an der Frau des Heidenheimer Sparkassenchefs ist noch immer ungeklärt. Die Polizei ermittelt weiter.
7300 Spuren sind bereits abgearbeitet, 1300 stehen noch aus. Seit einem Jahr arbeitet die Sonderkommission „Flagge“ der Polizei am Entführungs- und Mordfall Maria Bögerl. Die Frau des Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Heidenheim war am 12. Mai 2010 entführt und kurz darauf getötet worden. Immer wieder glaubten die Ermittler, kurz vor der Aufklärung des Falles zu stehen.
Aber es gibt bis heute keine heiße Spur, sagt Polizeisprecher Horst Baur. Noch immer arbeiten 50 Kriminalisten in der Sonderkommission. Inzwischen hat die Polizei Hinweise, dass der Wohnort von Maria Bögerl bereits Anfang Mai 2010 durch den Täter ausgespäht wurde. Deshalb sucht die Kripo Zeugen, die in der Nacht zum 6. Mai des vergangenen Jahres und auch noch tagsüber verdächtige Personen oder Fahrzeuge in der Nähe des Bögerl-Wohnhauses in Heidenheim-Schnaitheim gesehen haben. Sie werden nicht aufgeben, sagt Baur.
Neu ist auch, dass das Fahrzeug des Opfers bereits am Tag der Entführung im Innenhof des Kloster Neresheim abgestellt wurde, wo man es Tage später fand. Vielleicht erinnert sich ein Besucher daran, der das Kloster am 12. Mai 2010 besuchte. Und die Soko sucht nach einem Menschen, der selbst gestopfte Zigaretten aus Hülsen der Marke „Gizeh“ raucht. Solche Kippen waren beim Auto gefunden worden.
Die Arbeit ist belastend für seine Kollegen der Sonderkommission, die aus verschiedenen Dienststellen im Regierungsbezirk kommen, erzählt Baur. Ein Jahr Soko „Flagge“ bedeutet für viele ein Jahr Familienleben nur am Wochenende. Aber sie werden alles tun, den Fall zu klären.
Ob ihnen der Fahndungserfolg der österreichischen Polizei in einem Parallelfall weiterhilft, darüber wagen sie noch keine Aussage. Der deutsche Rocker Marvin Edgar R. war Anfang April im tschechischen Budweis festgenommen worden. Er sitzt seit kurzem in Österreich in Untersuchungshaft. Er soll am 8. September im oberösterreichischen Buchberg versucht haben, die 61-jährige Ehefrau eines Bankvorstands im Nachbarland zu entführen. Der Coup scheiterte an der Gegenwehr. Der 55-jährige Rocker habe die Abläufe jenes Tages in den Vernehmungen eingeräumt, berichtete Mittwoch ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz. Zum Fall Maria Bögerl gebe es keine Aussagen. Aber wenn ein Rechtshilfeersuchen aus Deutschland vorliegt, könnten ihn deutsche Ermittler vernehmen.
Der Rocker dementierte gegenüber der österreichischen Polizei, ein Mitglied der Rockerbande Bandidos zu sein. Aber er räumte Kontakte zu dieser Gruppe ein und er sei zeitweise mit Bandidos-Mitgliedern aufgewachsen. Eine Anwältin der Bandidos dementierte zwischenzeitlich, dass Edgar Marvin R. bei ihnen Mitglied sei, wie aus amerikanischen FBI-Kreisen verlautete.
Ermittler der Sonderkommission werden so schnell wie möglich zur Vernehmung des Rockers nach Österreich reisen, sagte Polizeisprecher Horst Baur – sobald die Formalitäten erledigt sind.
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Autor: WILLI BÖHMER | 11.05.2011
Polizisten durchsuchen bei Heidenheim ein Rapsfeld.
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