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Fünfte VfB-Pleite in Serie: Fehler, Frust und Fragenzeichen nach 1:4-Debakel

Das 1:4 (0:1) gegen Werder Bremen hat die Krise des VfB Stuttgart verschärft. Die Niederlagen-Serie ist eine Riesenbürde. Zum lautstarken Unverständnis der Fans kommt leise Ratlosigkeit der sportlichen Führung.

WOLFGANG SCHEERER | 0 Meinungen

Vor dem 1:4 waren die Bands "Almklausi" und "Foxrocker" im Wettbewerb um den neuen VfB-Stadionsong zu hören, nach dem 1:4 nur ein gellendes Pfeifkonzert. Und: "Vorstand raus!"-Rufe. Die Stuttgarter Fußballer und ihr Trainer Bruno Labbadia mussten sich regelrecht einen Ruck geben, erst dann gings mit hängenden Köpfen vom Mittelkreis dem Schrillen entgegen Richtung Cannstatter Block. Die Fans waren total bedient nach dieser fünften Niederlage in Serie.

Bereits der Klasse-Freistoß zum 1:3 durch Mehmet Ekici in der 74. Spielminute hatte für Abwanderungstendenzen auf der Tribüne gesorgt. Wer bis zum bitteren Ende durchhielt, musste in der zweiten Minute der Nachspielzeit noch live erleben, wie der Belgier Kevin De Bruyne den unentschlossen herauslaufenden VfB-Torwart Sven Ulreich per Lupfer überwand.

Gefährlich nähern sich die Stuttgarter ihrem "Negativrekord" von 1987. Damals hatte die Mannschaft von Trainer Egon Coordes sieben Pleiten nacheinander kassiert. Coordes Dienstzeit war nach einer Saison vorbei. Der Vertrag von Bruno Labbadia, seit Dezember 2010 im Amt, ist erst vor zwei Wochen unter großem Tamtam bis 2015 verlängert worden. Nicht wegdiskutieren lässt sich, wie zäh der Verhandlungsverlauf war. Labbadia sorgte auch intern für einige Unruhe und musste sich schließlich nach außen gegen Spekulationen verwahren, er warte auf bessere Angebote anderer Vereine. "Das Hauptziel in meinem Leben ist zurzeit, den VfB nach vorne zu bringen. Sonst wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen", ließ sich der 47-Jährige jetzt im Stadionheft zitieren. Er habe "totale Lust" auf die künftige Arbeit, hatte er über seine Vertragsunterschrift gesagt. Die danach erwartete Aufbruchstimmung blieb aus.

Zwei weitere Pleiten folgten. Wieder und wieder erschreckt, dass gerade Labbadias Führungsspieler so gravierende Fehler machen. Diesmal ließ sich William Kvist, Defensivstratege im Mittelfeld, von Nils Petersen den Ball stibitzen. Blitzschnell schickte der Bremer Stürmer seinen Kollegen Aaron Hunt steil, der zum 2:1 (60.) einschoss. Der Blackout (Kvist: "Ein dummer Fehler") ließ die Hoffnung nach Ibrahima Traorés 1:1 (50.) verpuffen. Nicht nur kurz nach der Pause, schon zu Spielbeginn hatte es vielversprechend ausgesehen. Labbadias Elf begann gut, Tunay Torun hatte als Ballverteiler starke Szenen, doch kein Tor gelang. Schlagartig verflüchtigte sich das Selbstvertrauen, wie wenn ein Schalter umgelegt wird, als De Bruyne bei der ersten Bremer Chance den Pfosten traf und Ulreich seinen Nachschuss abwehren musste (24.). Bald gelang "Edelreservist" Ekici nach Flanke das 1:0 (34.) - sein erstes Saisontor.

"Wir kriegen es nicht auf die Reihe, 90 Minuten konzentriert zu spielen", klagt Torwart Ulreich und fordert: "Wir müssen einfacheren Fußball spielen statt in Schönheit zu sterben und uns durch Ballverluste selbst zu bestrafen." Trainer Labbadia sagt: "Wir sind in einer Phase, in der uns Kleinigkeiten zurückwerfen. Die Spieler können es besser, das wissen wir." Und Sportdirektor Fredi Bobic weiß: "Wir stecken im Dreck. Es wird ein harter Weg, da wieder rauszukommen."

Noch liegt der VfB neun Zähler vorm nächsten Gegner 1899 Hoffenheim. Vielleicht platzt am Sonntag im Derby auch beim Ex-Hoffenheimer Vedad Ibisevic, in der Vorrunde VfB-Torschütze vom Dienst, der Knoten. Erst spielen die Stuttgarter am Donnerstag in der Europa League gegen den KRC Genk. Eine Extra-Chance, um wieder in die Spur zu kommen.

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