Zentralklinikum: Landrat überrascht mit alten Standortplänen

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Das Wiesengrundstück Kelleregert direkt an der B 463 bei Balingen-Weilstetten war im Jahr 2002 der bestbewertete Standort für ein Zentralklinikum. Die Kreisverwaltung hat die damalige Nutzwertanalyse aller möglicher Standorte für die nun anstehende Kreistagssondersitzung wieder aus der Schublade gezogen, will sich aber gleichwohl noch nicht auf einen favorisierten Standort festlegen.  Foto: 

Eine große weiße Schneefläche. So präsentiert sich dieser Tage das Gewann Kelleregert am östlichen Ende von Balingen. Direkt daneben verläuft die Bundesstraße 463. Noch gibt es hier keinen direkten Bundesstraßenanschluss, die dortige Hurdnagelstraße führt bislang ausschließlich unter ihr hindurch und verbindet die beiden größten Balinger Ortsteile Weilstetten und Frommern.

Den direkten Anschluss vermissen auch die inzwischen vielen Bewohner des Weilstetter Neubaugebiets Obere Breite, das aktuell noch einmal kräftig ausgeweitet wird. Auf der gegenüberliegenden Bundesstraßenseite wächst seit Jahren der Waldorfschul- und Waldorfkindergartencampus, in den täglich Schüler aus dem gesamten Zollernalbkreis ein- und auspendeln. In einigen Jahren könnten noch viel mehr Bewohner aus nah und fern diesen täglichen Weg auf sich nehmen (müssen). Dann nämlich, wenn „Kelleregert“ keine weiße Schneefläche mehr wäre, sondern Standort des Zollernalb-Zentralklinikums.

Wohl gemerkt wenn. Bereits im Jahr 2002, als erstmals die Zentralklinikumsdebatte geführt und wenig später wieder ad acta gelegt wurde, hatte die Landkreisverwaltung sechs mögliche Standorte einer Nutzwertanalyse unterziehen lassen: vier auf Balinger Gemarkung, zwei auf Albstädter. Die Kriterien waren Grundstück, Erreichbarkeit des Standorts, Notfallversorgung, Nähe zu den Patienten, Entfernung zu den Wettbewerbern sowie die Kosten.

Das beschriebene Gelände bei Weilstetten lag seinerzeit auf Platz eins. Lediglich auf Rang fünf schaffte es damals das Gewann Firstäcker am Ortsende von Balingen-Dürrwangen, unmittelbar vor Gemarkung Albstadt-Laufen. Gleichwohl wurde genau dieses Gelände im vergangenen Jahr bei der Standortfrage wieder häufig genannt, obwohl sich in den vergangenen 14 Jahren an den schwierigen Grundstücksgegebenheiten nichts geändert hatte.

In punkto konkreter Standort für ein Zentralklinikum fährt die Landkreisverwaltung jetzt eine Doppelstrategie. Einerseits lässt sie viel Raum für Spekulationen. Hat sie doch die Nutzwertanalyse des Jahres 2002 an die Vorlage für die Klinikums-Sondersitzung des Kreistags am kommenden Montag angehängt. Dabei aber vergessen, zu erwähnen, dass einer der sechs damals untersuchten Standorte, der Balinger „Hauptwasen“, inzwischen längst ein Balinger Gewerbegebiet“ beheimatet und somit gar nicht mehr zur Verfügung steht.

Auf der anderen Seite weist die Kreisverwaltung in eben jener aktuellen Vorlage ausdrücklich darauf hin, dass man sich bislang wohlweislich noch nicht in eine konkrete Standortdebatte eingebracht habe. „Nachdem die Variante Zentralisierung auf der Grünen Wiese in den Fokus gerückt ist und diese eindeutig vom Sozialministerium favorisiert wird, muss in einem der nächsten Schritte ein intelligenter Standort erarbeitet werden“, heißt es dort. Die Standortsicherheit könne erst in einem zweiten Schritt gegeben werden.

Wie dem auch sei: Es wird immer deutlicher, dass es in punkto Zentralklinikum auch in der Kreisverwaltung inzwischen wohl nur noch um das Wo eines 170-Millionen-Euro teuren Baus geht. Und nicht mehr darum, ob ein solcher kommt oder nicht. Wie bereits vor einigen Wochen berichtet, hat das Stuttgarter Sozialministerium signalisiert, dass das Land den Landkreis in Sachen künftiger Klinikinvestitionen nur noch unterstützen wird, wenn die Fördermittel in den Bau eines Zentralklinikums auf der grünen Wiese fließen.

Info

Die Zentralklinikumssondersitzung des Kreistags am kommenden Montag, 23. Januar, findet nicht im Landratsamt statt. Das Gremium tagt in der Schlossparkhalle in Geislingen, die auch den womöglich zahlreichen Zuhörern ausreichend Sitzmöglichkeiten bietet. Beginn ist um 17 Uhr.

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